_bankgeschäfte_und_dienst_am_kunden_

Es war einmal vor langer langer Zeit eine Bank, die nannte sich norisbank. Vor dieser langen langen Zeit hatte die norisbank (nein, dies ist kein permanenter Schreibfehler, die schreiben sich auch auf ihren Kundenkarten, EC-Karten und in den Briefen an ihre Kunden klein…) blaue EC-Karten und einen halbwegs vorhandenen Kundenservice. Nun spulen wir vor ins Jahre 2007. Oder spulen wir doch zurück? Wie dem auch sei, irgeindein großer Kopf der verehrten norisbank hatte den Einfall, das System zu optimieren, und es umzustellen. Die Folgen sind gelinge ausgedrückt zum Heulen.

Vor, meiner Schätzung nach, zwei Jahren, es können auch schon zweieinhalb Jahre sein, ich weiß es nicht, es interessiert mich auch nicht, geriet ich in die Fänge dieser vortrefflichen Bank. Wieso? Ich brauchte ein neues Girokonto. Da meine halbe Familie bei dieser Bank war (heute übrigens nicht mehr, wieso bloß?), entschloss ich mich, doch dahin zu gehen, und ein Girokonto zu eröffnen. Tolle Sache an sich. Aber nicht bei der noribank. Denn die wissen nicht, oder haben vergessen, was Kundenservice ist. Filliale Leipzig: Zwei Angestellte und eine Fillialleiterin. Die ich bei meinen Besuchen dort noch nie angetroffen habe, ich habe die Vermutung, einzig ihr Bild bereichert diese Fillale durch seine Anwesenheit. Wie dem auch sei, bei Abschluss des Vertrages mit der norisbank kreuzte ich ein wunderschönes viereckiges Kästchen an, dessen Ankreuzen mir versprach,  dass ich keine Kontoauszüge zugeschickt bekommen würde. Ich brauche das Konto eh nur, damit ich da Geld zum Überweisen draufbunkern kann, und, sollte ich mal in dringende Geldnot geraten, ich nicht erst auf die Hypovereinbank rennen muss, deren Öffnungszeiten ich eh nicht im Kopf oder sonstwo habe, um auf mein Sparbuch zuzugreifen. Jedenfalls, ich kreuzte dieses Kästchen an, da ich keine Lust hatte, aller acht bis zwölf Wochen 55 Cent für einen Kontoauszug zu bezahlen, der mir verriet, das es keinerlei  Bewegungen auf meinem Konto gab. Ich unterschrieb den Vertrag. Und fand nach neun Wochen nach Eröffnung des Kontos einen Bried der norisbank in meinem Briefkasten. Mit welchem Inhalt? Richtig, meinen Kontoauszügen. Nun warf ich einen Blick in die Kopie des Vertrages, und stellte fest, ich hatte mir das Ankreuzen dieses Kästchens nicht eingebildet. Ich rief die norisbank an, und bat darum, mir keine Auszüge mehr zuzuschicken. Seitdem bekam ich aller acht Wochen neue Kontoauszüge auf meine Rechnung nach Hause. Ich werde an dieser Stelle nicht erwähnen, wie viel mich dies bereits gekostet hat.

Wir schreiben den Dezember des Jahres 2007. Die norisbank befindet sich in der heißen Phase ihrer Systemumrüstung. Es ist der 27. Dezember. Ich betrete die Filliale, um etwas an meinem Girokontovertrag ändern zu lassen. Ja, richtig, die Zustellung der Kontoauszüge. Ich treffe nach einer geschlagenen halben Stunde auf die Mitarbeiterin der norisbank. Die mir freundlich lächelnd erklärt, das System wäre bis zum zweiten Januar offline, sie könne nicht auf meine Daten zugreifen. Ich bleibe auch ruhig, als ich zum Geldautomaten gehe, um Geld abzuheben (nach Weihnachten kann man Schnäppchen in den Läden erstehen, und dafür braucht man nun mal Bares), nur um zu merken, das dies nicht möglich ist, denn aus Sicherheitsgründen werden die Geldautomaten bei heruntergefahrenem System nicht bestückt. Ich habe nicht die Deutsche Bank aufgesucht, um kostenlos Geld abzuheben. Ich hatte an diesem Tag die Schnauze gestrichen voll von Banken, Konten und auch von Geld.

Es ereignete sich am Folgetag, das mein Vater die norisbank aufsuchte, und dort von einer hilflosen Mitarbeiterin (die zweite hatte sich offensichtlich schon aus dem Staub gemacht…) gesagt bekam, das bis zum Januar keine Überweisungen möglich seien. Frage: Wie kann man dann seine Miete und Stromrechnung bezahlen? Danke norisbank für diesen Kundenservice. Und nein, am Vortag gab es keinerlei Aushang oder eine sonstige Warnung für die Kunden, dass es ab 28. Dezember nicht möglich sein würde, auf die Konten zuzugreifen.

Spulen wir ein wenig, genauer gesagt zum Anfang Februar 2007. Man besitzt nun orangefarbene EC- bzw. Kunden-Karten. Und da man seine Heimatstadt verlassen will, um zu studieren, benötigt man eine EC-Karte. Denn die norisbank hat nicht in jeder Stadt eine Vielzahl an Fillialen, die man immer so ohne Weiteres aufsuchen kann. Man begibt sich nur norisbank, und möchte eine EC-Karte beantragen. Als Student hat man aber kein geregeltes Einkommen. Schlecht, wenn man dann bei der norisbank eine EC-Karte haben möchte. Die vergeben unter diesen Vorraussetzungen keine. Gut. Man schluckt seine Agression herunter, man widersteht dem Drang, der Mitarbeiterin (die nebenbei dieselbe ist, die einem im Dezember beibrachte, dass sie nicht an die Kontodaten käme) etwas Gehässiges zu sagen. Man fragt stattdessen, ob man denn nun einen Blick in die Kontodaten werfen könne, und ob es eine Möglichkeit gäbe, diese doch ein wenig lästigen Zusendungen der Kontoauszüge loszuwerden. Nach zehnminütiger Belehrung unterschreibt man ein Formular, in welchem man erklärt, über die Konsequenzen von nicht zugesendeten Kontoauszügen aufgeklärt worden zu sein, und keine weiteren Kontoauszüge zugeschickt bekommen möchte. Man geht nach Unterschreiben dieses Formulares, aber nicht, ohne sich über die zukünftige Ersparnis von 55 Cent zu freuen.

Erneut spulen wir vor, zum heutigen Tag, dem 28. März des Jahres 2008. Am heutigen Tag warf ich einen Blick in den Briefkasten. Und fand einen Brief, der an mich adressiert war, und der meine beiden Vornamen als Empfänger verzeichnete. Was bei mir nur eines bedeutet: eine der drei Banken, bei denen ich bin hat mich angeschrieben. Ich hoffte, dass es die diba war, bei der ich gerade ein Girokonto eröffnen will, um mich aus den Fängen der kundenunfreundlichen norisbank zu befreien, und mit deren Mitarbeiter ich vor zwei Tagen telefoniert hatte, um den Status meines Antrages zu erfragen. Ich öffnete voller Vorfreude den Brief. Und fand…

MEINEN KONTOAUSZUG VON DER NORISBANK! Mit einem freundlichen Zusatzbrief, der mir erklärte, dass ich seit sechs Wochen keine Kontoauszüge geholt hatte, und nun diese per Post erhalten habe, was mich ganze o,55 € kostet. Ich hatte das dringende Bedürfnis, laut zu schreien, und den Kontoauszug zu zerreisen. Letztes tat ich nicht. Aber meine Nachbarn werden sich über die Lautstärke in meiner Wohnung doch gewundert haben.

Ich erwähne an dieser Stelle nicht die Telefonvertreterin der norisbank, die mir einen Bausparvertrag aufschwatzen wollte, und die mir, nachdem ich diesen dankend ablehnte und mich erkundigte, ob man denn als Student ohne Einkommen nicht doch eine EC-Karte bekommen könnte, empfahl, dafür doch die Bank zu wechseln. Nein. Ich bin ja kein Unmensch.

Wort des Tages: Kontoauszug

~ von tanyaboone am Freitag, 28 März 2008.

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