_straßenbahnvergnügen_

Ich gebe es zu, manchmal macht mir Straßenbahn fahren Spaß. Besonders, weil man Musik hören und lesen kann, und nur darauf achten muss, an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Und die letzten beiden Male, als ich die Bahn benutzt habe, haben mich so geflasht, dass ich euch unbedingt davon erzählen muss.

Letzten Samstag. Ich wollte in die Stadt, um mich mit Freunden zum Eis essen zu treffen. Wie sonst auch, habe ich meinen mp3-Player an gehabt, und nebenbei gelesen. Bis mir eine kleine Hand voll auf die Seite tatschte. Ich hab mich richtig erschrocken und hochgeblickt. Angegrinst hat mich ein vielleicht neun Monate altes Baby, dessen Mutter mich entschuldigend ansah. Ich hab freundlich gelächelt, und bevor ich mich wieder meinem Buch (übrigens Claimed By Shadow von Karen Chance, wirklich toll) zuwenden wollte, ist mein Blick kurz über den Sitz vor mir geglitten. Und hängen geblieben. Denn ich sah in die wohl schönsten Augen auf der Welt. Ich weiß, das klingt leicht gestört, wenn ich nun auch noch sage, dass das der vielleicht sechs Jahre alte Bruder des Babys war, das mir gerade auf meine Seite gegrabscht hatte, und nun schon wieder damit beschäftigt war, dies zu tun, obwohl seine Mutter sich bemühte, beide Kinderhände auf einmal zu packen zu kriegen. Aber diese Augen… einfach der Wahnsinn. Ich kann sie gar nicht gebührend beschreiben. Ein faszinierender Mix aus grün und braun, das eine Farbe ergab. Und doch, jedes Mal, wenn sich der Einfallswinkel der Sonne änderte (durch Bäume, oder eine Kurve, die die Bahn nahm) trat mal die eine, mal die andere Farbe mehr hervor. Und so unschuldig. Ich glaube, dieser Ausdruck, so nah können wir dem Himmel auf Erden maximal kommen. Ich hab mich kaum von seinen Augen loseisen können, um nochmal kurz in die des Babys und dessen Mutter zu blicken, doch Fehlanzeige, das Baby hatte ein undefinierbares blaugrau, und die Mutter nicht annähernd so interessantes blaugrün als Augenfarbe. Aber dieser Junge… seine Augen wollen mit seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Das zweite Erlebnis hatte ich gestern. Ich saß da, hörte Musik (der Track, der gerade spielte, war “Mo Ghile Mear” von den Celtic Woman) und las in dem oben erwähnten Buch. Haltestellen kamen und gingen, es interessierte mich nicht, so sehr war ich in Cassie Palmers Lebensgeschichte vertieft. Bis… ja, bis sich plötzlich jemand auf den Sitz hinter mir knallte, und ich erstmal richtig durchgeschüttelt wurde. Ich wollte mich schon empört umdrehen, da atmete ich tief durch die Nase ein… und war auf der Stelle verzaubert. Eine wundervolle Duftwolke umhüllte mich, es war unglaublich. Ich bin aufgrund einer Duftstoffallergie sehr empfindlich, wenn es um Parfüm oder Deo geht, ich hasse es wie die Pest, wenn Leute zu viel Duftwasser aufgelegt haben, weil mich bei 90 % dieser Wässerchen augenblicklich Kopfschmerzen bekomme, wenn ich nur eine Sekunde in so einer Wolke verbringe. Nicht so hier. Hier empfand ich es als angenehm und geradezu als Wohltat. Die Frau auf dem Sitz neben mir hat mich ziemlich dumm angesehen, als ich mich immer weiter zurücklehnte und immer tiefer einatmete. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen, zu sehr hatte mich dieser Geruch gefesselt. So schön leicht, wie der Duft von Tulpen, gemixt mit etwas Zitronigem… Drei Haltestellen später war das Vergnügen leider auch schon vorbei, und die Frau hinter mir stieg aus. Schade.

Wort des Tages: Nächster Halt

~ von tanyaboone am Mittwoch, 21 Mai 2008.

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