Christmas Miracles (10)
1854 Zulu
Burg Hartenstein
außerhalb von Ennis, Irland
Zum Mittag war ein Großteil der Leute in die Stadt gefahren, nur wenige hatten auf der Burg gegessen. Danach hatten viele Spaziergänge gemacht oder waren auf dem weitläufigen Gelände, das zu der Burg gehörte, ausgeritten. Kate hatte ihr Versprechen eingehalten, sie hatte Mac nie allein gelassen, und wenn sie trotzdem kurz verschwand, dann war Pace immer an ihre Stelle getreten. Jetzt waren Mattie, Cara, Mac und Kate im Zimmer von Kate und Vince. Der war mit Pace bei Harm, und während die Männer sich ihre Anzüge anzogen, kämpften die Frauen mit Kleidern, Haaren und Make-up. Mattie trug das Kleid von Galina und Kate hatte ihr die Locken sanft hochgesteckt, aber dafür gesorgt, dass zwei Strähnen ihr Gesicht optisch einrahmten. Cara trug ein kürzeres, schwarzes Kleid mit langen Ärmeln und hatte die blonden Haare offen gelassen. Mac hatte sich für ein rotes, langes Kleid mit Trägern entschieden, auf das sie später einen schwarzen Mantel ziehen würde. Ihre Haare trug sie glatt und wie Cara offen. Kate trug ein grünes Kleid, das perfekt den Farbton ihrer Augen traf. Es hatte wie das Kleid von Mattie Schlagärmel, nur das die von Kate aus einem halb durchsichtigem Stoff gefertigt waren. Sie hatte sie Seiten ihrer kupferfarbenen Locken am Hinterkopf mit einer Spange befestigt, sodass ihr die Haare zwar locker über die Schultern fielen, aber nicht ins Gesicht. Sie und Mac zogen sich gerade die Lippen nach, als es an der Zimmertür klopfte. Kate sah sich um, ob Mattie und Cara angezogen waren und ging dann zur Tür.
“Was ist denn-” setzte sie an, verstummte aber jäh, als sie ihr Gegenüber erblickte.
“Überraschung. Lässt du mich rein?” Die Stimme gehörte ganz eindeutig zu einer Frau, aber Mac, Mattie und Cara konnten sie nicht sehen, Kate stand im Weg. Die machte einen Schritt zur Seite und hielt wortlos die Tür auf.
“Danke. Und frohe Weihnachten.” sagte die Stimme. Dann betrat eine junge Frau das Zimmer. Sie hatte ein hellblaues Kleid an und ihre langen, kupferfarbenen, glatten Haare fielen ihr über die Schultern und den Rücken. Sie hatte allerdings keine smaragdgrünen Augen, sondern ein atemberaubendes Achatblau zur Augenfarbe.
“Galina!” rief Cara freudig aus und flog ihrer Cousine in die Arme.
“Hey, langsam!” lachte Galina und umarmte das Mädchen.
“Komm, lass dich ansehen.” forderte sie dann Cara auf, die löste sich von ihr und drehte sich einmal um die eigene Achse.
“Wow, du wirst mit jedem Jahr hübscher.” pfiff Galina anerkennend. Dann wanderte ihr Blick von Mattie zu Mac und wieder zurück.
“Sara MacKenzie-Rabb, Mathilda Rabb. Mac und Mattie, Galina O’Hara.” stellte Kate die drei einander vor.
“Hi.” kam es etwas schüchtern von Galina.
“Du bist zu früh. Wir wollen gleich in die Kirche.” erklärte Kate ihrer ‘Nichte’.
“Ich bin nicht zu früh.” sagte Galina sanft und sah Kate an. “Ich war die letzten Jahre nur immer zu spät.”
“Wenn das so ist solltest du wohl erstmal mit Ephram reden, meinst du nicht?” fragte Kate und verschränkte die Arme. Cara starrte unwohl auf den Fußboden, und auch Mac und Mattie war diese Unterhaltung zwischen Tante und Nichte etwas unangenehm.
“Hab ich schon. Ich hab mich auch bei den anderen entschuldigt. Nur bei dir noch nicht.” sagte Galina leise.
“Mein Benehmen in den letzten Jahren tut mir Leid. Ich hätte nicht zulassen sollen, dass meine religiösen Ansichten zwischen uns geraten. Verzeih mir bitte.” bat Galina Kate sanft.
“Ja, schon gut. Ich hab mich auch nicht immer toll verhalten.” lenkte Kate ein.
“Das war kein auswendig gelernter Spruch, Kate. Ich hab zu den anderen was ganz anderes gesagt.” verteidigte Galina sich plötzlich. “Wenn mir etwas an diesem Streit wirklich Leid tat, dann das wir beide uns deswegen auch gestritten haben. Nur wegen dir steh ich jetzt hier.”
“Ich hab dir schon mal gesagt, meine Absolution brauchst du nicht, du kannst tun, was du für richtig hältst.” zuckte Kate mit den Schultern. Galina starrte sie kurz sprachlos an.
“Dann ist ja gut, TANTE Caitlynn.” sagte sie getroffen und ging. Als die Tür knallend zufiel, schloss Kate die Augen.
Mac nickte Mattie und Cara zu und die beiden verließen gemeinsam das Zimmer.
“Was hab ich hier gerade verpasst?” fragte Mac Kate. Die öffnete wieder die Augen und sah Mac an und zuckte mit den Schultern.
“Sie hat einen Schritt auf dich zu gemacht, und du stößt sie so vor den Kopf. Was ist los mit dir?” fragte Mac weiter.
“Tut mir Leid wenn ich das jetzt sagen muss, aber halt dich da raus. Ich hab mir weiß Gott lang genug Galinas Sprüche anhören müssen, und nur weil sie jetzt angekrochen kommt, werd ich die letzten Jahre nicht einfach aus meinem Gedächtnis löschen. Und das hat sie bereits vor ihrem Auftritt gerade gewusst.” sagte Kate wütend und drehte sich von Mac weg.
“Eure Spielregeln werd ich wohl nie verstehen.” schüttelte Mac den Kopf. Kate fuhr wieder herum.
“Wie bitte?” erkundigte sie sich.
“Du hast mich verstanden. Wenn man einen Schritt auf euch zu macht, dann wird man weggestoßen, und wenn man es nicht tut, dann wird man blöd angeschaut. Bitte, erklär mir doch das Muster, was dahinter steckt, denn ich sehe keins. Für mich sieht es so aus, als würdet ihr euch alles so zurecht legen, wie ihr es gerade braucht.” ereiferte Mac sich lautstark. Kate klappte kurz der Unterkiefer herunter. Sie fing sich jedoch erstaunlich schnell wieder.
“Es gibt zwei Dinge, die niemandem hier so schnell vergeben werden. Das eine ist die Beleidigung eines Familienmitgliedes. Das andere sind dumme Sprüche gegen unsere Religion oder überhaupt gegen irgendeine Glaubensrichtung. Wenn einer der Meinung ist, in eine Sekte eintreten zu müssen, dann wird hier keiner laut etwas dagegen sagen, obwohl sich sicher jeder seinen Teil denkt. Galina hat gegen alle beiden Regeln verstoßen. Sie hat Matt einen ausgewachsenen Hornochsen genannt, und was sie zu Ephram und mir gesagt hat, das werde ich sicher nicht wiederholen. Und was unseren Glauben angeht hat sie sich auch mehr als einmal im Ton vergriffen. Ich muss mir von niemandem sagen lassen, dass ich eine religiöse Fanatikerin bin. Und ja, das hat sie zu mir gesagt. Ich hab vorgezogen es nicht zu kommentieren, drei Jahre lang. Aber wenn sie hier auftaucht und ihrer Meinung nach geläutert ist, dann darf sie nicht erwarten, dass ich einfach so alles, was sie gesagt hat, ablege und wieder bei Null anfange. Mit ihrer Bemerkung von wegen ‘Tante Caitlynn’ wollte sie mich nur treffen. Und das zeigt ganz eindeutig, das sie noch lange nicht an dem Punkt ist, an dem man sich mit ihr unterhalten kann. Wenn du der Meinung bist, ich hätte falsch gehandelt, dann bitte, nichts und niemand hält dich davon ab, das zu glauben.” erklärte Kate. Sie war nach außen hin wieder vollkommen ruhig und gefasst, aber innerlich kochte sie.
“Was?!” fragte sie wütend, als es wieder klopfte.
“Kann ich kurz allein mit dir sprechen?” bat Galina, als sie das Zimmer betrat. Mac ging ohne ein weiteres Wort hinaus.
Vor dem Zimmer standen Harm, der auf Mac wartete, Vince, Pace, der Caras Begleitung war, Cara selbst und Steven, der sich angeregt mit Mattie unterhielt. Mac warf Harm einen amüsierten Blick zu und der zuckte mit den Schultern. Mattie war sonst jemand, der wenig mit Jungs anfangen konnte, erst recht mit gleichaltrigen, und eher setzte sie sich still in eine Ecke, als freiwillig mit jemandem zu reden.
“Zehn Dollar das es gleich klirrt.” sagte Pace.
“Fünfzehn das Kate zuerst los schreit.” stieg Cara mit ein.
“Zwanzig das ich das Geld einkassiere.” Jake war unbemerkt mit einem Mac unbekannten Mann im Schlepptau aufgetaucht. Pace zog eine Grimasse.
“Fünfundzwanzig das du gleich explodierst.” murmelte er leise.
“Das hab ich gehört.” warf Jake ihm einen warnenden Blick zu.
“Südstaatler.” schüttelte der Mann den Kopf.
“Yankees.” fauchte Pace ihn an. Der Mann war vielleicht etwas jünger als Pace, schien sich davon aber nicht weiter beeindrucken zu lassen.
“Cowboy.” zuckte er mit den Schultern. Er hatte schwarze Haare und seine Augenfarbe war ein interessanter Mix aus blau und grau, die je nach Lichteinfall mal mehr in eisblau überging, nur um dann wieder grau zu schimmern.
“Dilettantischer Möchtegernchirurg.” entfuhr es Pace. Der junge Mann fasste sich gespielt beleidigt an die Brust.
“Oh, jetzt hast du mich aber getroffen.” seufzte er. Hätte Jake die Wette nicht unterbrochen, hätte Pace jetzt seine zehn Dollar bekommen. In dem Zimmer klirrte es wirklich, was sich verdächtig nach einem an die Wand geworfenen Glas anhörte. Mac fragte sich interessiert, wer es geworfen hatte. Kurz darauf folgte Kates Stimme. Dummerweise in Irisch, sodass Mac sie nicht verstehen konnte.
“Bitte, ich?!” Das war Galina.
“Ja, oder siehst du hier noch jemanden außer uns beiden?!” fauchte Kate sie an. Jake verschränkte die Arme, und obwohl er recht gelassen aussah, konnte Mac schon das Donnerwetter denken, was seine Tochter noch erwartete.
“Oh, du hast nachgelassen, Kate. Wo bleiben denn deine schlagfertigen Retourkutschen?” lachte Galina.
“Ich will ja schließlich, dass du mir folgen kannst.” schoss Kate zurück. Die beiden verlagerten sich wieder auf eine leisere Lautstärke, sodass die vor dem Zimmer nicht mehr hören konnten, was sie sagten. Nach fast einer halben Stunde ging die Tür auf, und Kate und Galina kamen Arm in Arm heraus. Mac staunte nicht schlecht.
“Sind die Damen jetzt fertig?” fragte Jake und sah demonstrativ auf die Uhr.
“Witzig.” kam es von Kate und sie verzog kurz das Gesicht zu einem gespielten Grinsen. Dann hackte sie sich bei Vince unter, und Galina nahm den Arm, den ihr der fremde Mann dargeboten hatte. In der Konstellation machten sie sich auf den Weg zur Kirche.
*~*~*
2000
Church of Fallen Angels
außerhalb von Ennis, Irland
Die kleine Kirche war brechend voll. Und dabei waren nur Mitglieder des O’Hara’schen Klans anwesend, sowie auch einige der Angestellten der Burg. In der Reihe von Mac saß Steven am Gang, neben ihm Mattie, dann Harm, Mac, Kate, die ihre Hand mit der von Vince verflochten hatte, neben dem saß der junge Mann, Händchen haltend mit Galina, die neben ihrem Vater saß. Neben Jake saß Pace. Ein Knabenchor sang leise irische Weihnachtslieder, bis der Pfarrer auf die Kanzel stieg und alle verstummten. Alle standen auf und Kate stieß Mac leicht an, um ihr zu signalisieren ebenfalls aufzustehen.
“Neiget das Haupt.” Der Pfarrer war erstaunlich jung, nicht viel älter Pace. Und alle, sogar Pace, senkten den Kopf.
“Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.
Wir loben dich,
wir preisen dich,
wir beten dich an,
wir rühmen dich und danken dir,
denn groß ist deine Herrlichkeit:
Herr und Gott, König des Himmels.
Gott und Vater, Herrscher über das All.
Herr eingeborener Sohn, Jesus Christus.
Herr und Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters,
du nimmst hinweg die Sünde der Welt:
erbarme dich unser;
du nimmst hinweg die Sünde der Welt:
nimm an unser Gebet;
du sitzest zur Rechten des Vaters:
erbarme dich unser.
Denn du allein bist der Heilige,
du allein der Herr,
du allein der Höchste:
Jesus Christus,
mit dem Heiligen Geist,
zur Ehre Gottes des Vaters. Amen.” zitierte der Pfarrer, und durch die ganze Kirche ging ein Amen. Dann setzten sich alle wieder.
“Weihnachten.” stellte der Mann in den Raum.
“Christi Geburt. Die Zeit der Familie, die Zeit der Liebe und auch die Zeit der Vergebung.” fuhr er dann fort und legte eine weitere Kunstpause ein.
“In einer Gesellschaft, die so schnelllebig ist wie die unsrige, müssen wir jeden Tag unsere Wertvorstellungen auf ihre Gültigkeit überprüfen. Und wann tun wir es bewusst, wenn nicht in dieser Zeit? Weihnachten ist nicht nur die Zeit, an die Familie zu denken, sonder auch an das Jahr, das jetzt schon wieder fast zu Ende ist. Und jedem von uns stellen sich Fragen, wenn wir unser Handeln noch einmal überdenken. Habe ich das richtig gemacht? Wäre es nicht besser gewesen, anders zu handeln? Und wenn ich anders reagiert hätte? Was dann? Ja, liebe Gemeinde, was dann? Wer wären wir heute, hätten wir nur eine Handlung nicht begangen, hätten wir uns nur ein einziges Mal anders entschieden als wir es taten. Wer wären wir dann, und wo wären wir dann? Könnten wir nicht schon lange den Traumjob haben, den wir immer wollten? Könnten wir nicht schon lange eine Gehaltsstufe über unseren jetzigen Verdienst stehen? Könnten wir immer noch die sein, die wir jetzt sind?” fragte der Pfarrer und sah kurz auf seinen Stichpunktzettel.
“Vergebung. Reue. Bereuen wir unsere Taten? Oder sind wir stolz auf sie? Können wir als eine demokratische Gesellschaft stolz darauf sein, dass Terrorismus mit Terrorismus bekämpft wird? Das jeden Tag unschuldige Kinder sterben, weil sie nichts zu essen haben, und wir in einem prall gefüllten Kühlschrank sehen, und auf nichts Appetit haben? Sind wir stolz darauf, in einer Zeit zu leben, in der ein Menschenleben weniger wert ist als die Ölfelder in einem fernen Land?
Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen. Vor einem Jahr erhielt ich den Brief eines kleinen Jungen, der um ein Gebet bat, in dem die Gemeinde Gott um Hilfe für all diejenigen Kinder bitten sollte, die im Krieg gefallen sind oder verwundet wurden. Ich machte mir Sorgen um den Jungen, und beschloss ihn zu suchen. Als ich ihn dann fand, war er nicht glücklich darüber. Nein, im Gegenteil. Er war wütend. Warum? Nun, er hatte diesem Brief an viele Kirchen und Missionen geschickt. Und er dachte, wenn jeder einzelne in einer Gemeinde Gott um Unterstützung für diese Kinder bitten würde, ohne ein Bild von einem bestimmten Jungen vor Augen zu haben, dann würde Gott vielleicht allen Kindern und den Familien der Soldaten helfen. Und mehr als jeder andere hat er mich zum Nachdenken gebracht. Wieso versteht ein zehjähriger Junge mehr von dem Grauen der Welt als wir, die wir um so viel älter, reifer und erfahrener sind? Weil wir die Gelegenheit haben, unsere Augen zu verschließen. Dieser Junge hatte die Chance nicht. Sein Vater starb. Sein Onkel wurde schwer verwundet. Und dennoch wollte er keine Hilfe für sich selbst, sondern für Millionen von Kindern auf der ganzen Welt.”
In weiteren Verlauf seiner Predigt kam der Pfarrer noch auf andere Dinge zu sprechen. Zum Schluss erhoben sich wieder alle.
“Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel,
so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Amen.” sprach der Pfarrer und durch die ganze Kirche ging ein Chor von Amen.
“Und nun gehet dahin in Frieden. Frohe Weihnachten.” lächelte der Pfarrer. Die Kirche leerte sich, und die meisten der Familienmitglieder gingen wieder zu ihren Autos. Kate gab Vince einen kurzen Kuss, und der ging mit Tobey, Matt, Cara und Jake zu den Autos.
“Wieso gehen die anderen? Und worauf warten wir?” fragte Mattie.
“Du wartest auf nichts, Vince soll dich mitnehmen.” erklärte Kate ihr. Mattie sah zwischen ihr und Harm hin und her.
“Ist schon okay, Mathilda wird zurück zur Burg fahren.” erklärte Ephram. Harm nickte Mattie zu, die zog einen Schmollmund und lief hinter den anderen her.
“Und wieso sollte Mattie jetzt gehen?” fragte Harm interessiert.
“Ich nehme nicht an, das sie an einer privaten Beichtstunde interessiert ist.” kam es von Galina. Harm öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch das Herantreten des Pfarrers schnitt ihm das Wort ab.
“Wie fandet ihr es?” fragte der nervös.
“Besser als deinen letzten Versuch.” lachte Fin und klopfte ihm auf die Schulter.
“Ich lach später.” zog der Mann eine Grimasse.
“Mac, Harm, das ist Sean. Sein Vater ist eigentlich der Gemeindepfarrer, aber Sean hat sich dazu bereit erklärt, die Predigt heute in Englisch zu halten.” stellte Ephram den jungen Mann vor.
“Und, wer von euch wollte doch gleich meine Absolution?” fragte er und sah in die Runde.
“Das wäre dann ich.” sagte Galina und hob leicht die Hand, wie um sich zu melden.
“Bevor du dir ihre Schandtaten anhörst, hast du mit deinem Vater gesprochen?” fragte Fin Sean.
“Klar, was denkst du denn. Er meint, wenn ihr ihn zur Feier einladet macht er es.” sagte Sean und führte Galina zurück in die Kirche.
“Sagt mir jetzt nicht das wir auch beichten müssen.” bat Mac mit großen Augen.
“Grausame Vorstellung, nicht wahr?” fragte Kate mit einer hochgezogenen Augenbraue. “Nein, nur wenn es dein Wunsch ist. Außerdem sind wir noch ein paar Tage hier, du kannst dich auch dann noch von deinen Sünden erlösen lassen.” erklärte sie weiter.
“Und wieso sind wir dann noch hier?” wollte Harm wissen. Kate sah ihren Vater an und nickte leicht.
“Damit Sarah etwas von ihrer Familiengeschichte erfährt.” erklärte er. Dann nickte er zu der Kirche.
“Gwen und ich haben hier geheiratet. Ebenso Jake und Natalie und Matt und Daniella. Finley und Kathryn haben sich entschlossen, die Tradition fortzusetzen.” erzählte Ephram.
Mac sah ihn an und wusste absolut nicht, was sie sagen sollte.
“Bevor du noch einen Knoten in deine Gedanken bekommst, Caitlynn wollte dir noch etwas zeigen.” sagte Ephram. Kate atmete tief durch und nahm dann sanft Macs Hand und zog sie mit sich von den anderen weg. In der anderen Hand hatte sie eine weiße Rose. Sie und Mac betraten einen schmalen Weg, der Mac zuvor nicht weiter aufgefallen war. Er führte um die Kirche herum und endete vor einem geschlossenen Eisentor. Kate drückte die Klinke herunter und öffnete das Tor, damit sie und Mac eintreten konnten. Beide betraten den Ort und Mac lief ein Schauer über den Rücken, der ganz eindeutig nichts mit den niedrigen Temperaturen und dem auf sie herabfallenden Schnee zu tun hatte. Sie sah sie langsam um. Es herrschte eine ruhige Stille, die nur durch das Geräusch ihrer und Kates Schritte im Schnee unterbrochen würde. Überall befanden sich kleinere Schneehaufen, die fast eine regelmäßige Anordnung hatten. Am Ende des Weges, den beide eingeschlagen hatten, befand sich ein recht flaches, aber nicht weniger anmutendes und mystisches Gebäude. Mac erkannte zwei Engel aus Stein zu beiden Seiten des Gebäudes, beide mit Flügeln, der eine hatte eine Harfe in der Hand, der andere hatte die Hände frei, eine davon war in den Himmel gestreckt, als würde er eine unsichtbare Hand greifen, die ihn nach oben zog. Kate war stehen geblieben und hatte sich einem der Schneehaufen zugewendet. Sie streckte die Hand aus und strich den Schnee weg. Darunter kam ein grauer Grabstein zum Vorschein. Kate befreite die Vorderseite vollständig vom Schnee. Mac schluckte schwer, als ihr bewusst wurde, warum nur Kate sie begleitet hatte. Kate legte die weiße Rose sanft auf den Grabstein und trat wieder einige Schritte zurück.
Gwen O’Hara
21.04.1940 - 14.06.1974
Darunter stand ein irischer Satz, doch Mac traute sich nicht, Kate nach der Bedeutung zu fragen.
“Für all das, was du gegeben hast, für all das, was du warst und für all das, was du nie sein durftest. Du fehlst uns.” sagte Kate nach einer Weile leise. Neben dem Spruch war eine halb geöffnete Rose eingemeißelt.
“Wieso die Rose?” fragte Mac genauso leise. Sie hatte ein Kreuz erwartet.
“Weil sie aus der Blüte ihres Lebens gerissen wurde. Weil noch so viel Potenzial in ihr steckte. Die Idee von Dad, der Spruch ist von uns.” erklärte Kate.
“Ist das…” begann Mac, verstummte aber wieder.
“Ja, es ist ihr richtiges Grab. Auf Fairlea steht ein Holzkreuz zum Gedenken an sie.” antwortete Kate.
“Ich hätte gedacht, sie wäre gern näher bei euch gewesen.” sagte Mac unbeholfen.
“Hier sind meine Großeltern beerdigt, Mac. Und Donovan will hier einen Gedenkstein. Es war ihr Zuhause. Im Sommer ist es hier traumhaft, fast wie in einem Blumengarten. Vielleicht siehst du es ja mal.” sagte Kate leise.
“Donovan will sich doch aber auch in den Staaten bestatten lassen, wieso dann nicht auch sie?” argumentierte Mac. Kate sah sie kurz an, dann lies sie den Blick weit in die Ferne schweifen.
“Du hast das mit dem Gedenkstein falsch verstanden. Er will sich im Sommer an der Felsenküste ins Meer streuen lassen, in Irland, genau da, wo er als Kind die Sommer verbracht hat.” sagte Kate und wischte sich eine Träne von der Wange. Sie und Mac standen eine Weile schweigend da, dann entschloss sich Mac Kate etwas Zeit allein zu geben und ging zum Tor zurück.
“Hi Mum. Ich bin es, Kate.” flüsterte Kate leise und fuhr mit den behandschuhten Fingern sanft die Inschrift entlang.
“Das gerade war Mac. Sie ist wundervoll, du hättest sie sicher gemocht. Und sie dich.
Ich muss dir etwas sagen, Mum. Ich bin schwanger. Ja, wirklich. Und ich wünsch mir so sehr du wärst jetzt hier. Bitte, lass mich das Richtige tun. Nicht um meinet wegen, aber für Vince und das Kleine.
Ich weiß nicht ob Matt schon hier war. Er und Dana haben sich getrennt. Wenn ich jetzt sage es würde mir Leid tun, dann müsste ich lügen. Aber es tut mir um Caras und Tobeys Willen Leid.
Galina ist vor dem Gottesdienst aufgetaucht. Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, du hast deine Finger da im Spiel gehabt. Aber egal was du gemacht hast, ich danke dir dafür. Jake hat endlich wieder einmal richtig gelächelt, endlich wieder so, das es auch seine Augen erreicht.
Ich bitte dich um einen Gefallen. Nein, es sind eigentlich zwei. Lass bitte nicht zu, das Grandpa noch weiterhin so leidet. Und bitte, wenn du es kannst, bitte hilf Mac.
Ich muss jetzt los. Aber ich komme bestimmt wieder, versprochen. Ich liebe dich, du fehlst mir.”
Kate trat langsam von dem Grab zurück und ging den Weg zum Tor zurück. Als sie das Tor für Mac aufhielt, blickte sie in den klaren Sternhimmel empor und sah eine Sternschnuppe vorbeihuschen. Ein leises Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
“Danke Mum.” flüsterte sie leise und schloss das Tor hinter sich.
*~*~*
2207 Zulu
Burg Hartenstein
außerhalb von Ennis, Irland
Nachdem die ganze Familie sich wieder eingefunden hatte, wurde das Essen im Großen Saal gereicht. Kate saß Mac genau gegenüber, neben Mac saß Harm und neben dem Mattie. Harm gegenüber saß Vince, neben dem Pace. Die Tafel war als U aufgebaut wurden, und Ephram, seine Brüder und dessen Frauen und seine zwei Schwestern und deren jeweiligem Ehemann saßen an der Hauptseite. Nach dem Essen erhob sich ein junger Mann, den Kate Mac als den Enkel von Ephrams ältesten Bruder vorgestellt hatte.
“Okay, ich warne Sarah und ihrem Mann und Tochter vor, mein Englisch ist nicht gerade das Beste, deshalb mache ich es kurz.” sagte der junge Mann und hob sein Glas.
“Auf ein Jahr voller Bereicherungen.” sagte er dann feierlich, trank einen Schluck und setzte sich wieder. Mac bemerkte erstaunt, dass sich sein Tischnachbar ebenfalls erhob und auch einen kleinen Trinkspruch aufsagte. Als sich ein Mädchen erhob, mit dem Cara sich zuvor auf irisch unterhalten hatte, übersetzte Kate es Mac, Harm und Mattie.
“Auf ein Jahr der Herausforderungen. Und auf uns, die wir sie alle gemeistert haben.” sagte Kate und nickte dem Mädchen zu.
“Der Sinn ist es, mit ein paar kurzen Worten das vergangene Jahr zu erklären und einen passenden Trinkspruch zu finden.” erklärte Vince den dreien dann.
“Wir etwa auch?” fragte Mattie etwas schockiert.
“Ich fürchte ja.” lachte Pace leise auf. “Nein, ihr seid beim ersten Mal ausgenommen. Aber Silvester kommt ihr nicht darum herum, also merkt euch vielleicht schon mal etwas.”
Je weiter die Reihe fortschritt, desto länger wurden die Ansprachen, was wohl auch etwas mit den zunehmendem Englischkenntnissen und Alter zu tun hatte. Dann stand Kate auf und hob ihr Glas.
“Letztes Jahr haben wir alle schwarz getragen. Schwarz im Gedenken an die Menschen, die uns auf unserem Weg innerhalb nur eines Jahres verlassen mussten. Und haben wir letztes Jahr auf die getrunken, die nicht mehr bei uns sind, so lasst uns heute auf die anstoßen, die endlich bei uns sind.” sagte Kate fest und sah Mac in die Augen. “Cheers.” ertönte es ihm Saal. Kate setzte sich wieder, und Vince erhob sich. Er sah Kate liebevoll an.
“Das letzte Jahr war interessant. Eine Zerreißprobe im besonderen Sinne. Und so langsam begreife ich, was eine Familie wirklich bedeutet. Besonders diesen Monat habe ich gemerkt, dass Liebe alles schaffen kann, egal welche Hindernisse sich auf dem Weg befinden. Auf das es noch viele gemeinsame Jahre gibt.” erklärte er und setzte sich wieder. Bevor Pace aufstehen konnte, hauchte Vince Kate einen Kuss auf die Wange.
“Ich unterbreche euch nur ungern.” sagte Pace zu den beiden und erntete Lacher von den anderen Anwesenden.
“Vince hat Recht, es war ein interessantes Jahr. Kate hat letztes Weihnachten angesprochen, und ich weiß noch, wie leer mir dieser Raum vorgekommen ist, ohne Rachel, Harley und Daniel und Chris. Es hat etwas gefehlt, und ich dachte es würde niemals jemanden geben, der die Ruhe und die Zuversicht, die diese vier hatten, wiederbringen könne. Ich habe mich geirrt. Harm, Sarah. Mattie. Ihr bereichert diese Familie nur noch mehr, und ihr habt ihr ihren Mut zurückgebracht, ob bewusst oder unbewusst. Die vier sind unersetzbar, aber ihr seid etwas ganz Besonderes. Vergesst das nie, und genießt die Zeit, die ihr habt. Denn sie ist kostbar, und man weiß nie, wie viel einem davon noch bleibt.” hielt Pace seine Rede. Die Lacher, die er anfangs geerntet hatte, waren vollständig verklungen, und eine nachdenkliche Stimmung lag in der Luft, als Pace sich wieder setzte. Kate stand langsam auf und stellte sich mit ihrem Vater in die Mitte des Saales.
“Für gewöhnlich werden die Geschenke erst später geöffnet. Aber ich denke, bei drei dieser Geschenke machen wir dieses Jahr eine Ausnahme. Caitlynn.” übergab Ephram das Wort an seine Tochter und nahm ihr drei Samtboxen ab.
“Danke. Sarah MacKenzie- Rabb, stehst du bitte auf.” bat Kate ihre Cousine. Die sah sie geschockt an, erhob sich zögerlich und trat vor Kate.
“Sarah ist ein Name mit biblischer Herkunft und bedeut soviel wie Fürstin. Eine Fürstin wiederum repräsentiert Stärke, Mut und Vertrauen sowie Führungsfähigkeiten. Du hast großes Vertrauen bewiesen, als du dich auf einen Besuch bei einer Familie eingelassen hast, die du nicht kanntest. Du hast den Mut gehabt, uns zu kritisieren, und hast uns gleichzeitig Mut gegeben, die Dinge anders anzugehen, als wir es sonst immer getan haben. Deine Willenstärke stellst du immer wieder unter Beweis, und deine Führungsfähigkeiten als Offizier des United States Marine Corps sind herausragend.” erklärte Kate mit einem warmen Lächeln. Mac sah sie entgeistert an. Sie hatte absolut keine Ahnung, wohin das alles führte. Ephram trat neben Kate und klappte die erste Samtbox auf. Zum Vorschein kam ein silbernes Medaillon, wie es alle weiblichen Anwesenden bis auf Mattie in dem Saal um hatten.
“Vor nicht allzu langer Zeit erklärte ich dir die Bedeutung eines speziellen Medaillons. Die Liebe und Ehre innerhalb dieser Familie wird durch dieses Schmuckstück repräsentiert. Und gleichzeitig ist es eine Erinnerung an dich, dass du niemals allein bist, sondern dass es eine Familie und einen Ort gibt, an dem du immer geliebt wirst, mitsamt deinen Fehlern. Auch soll es dich daran erinnern, dass Achtung mit Achtung belohnt wird.” fuhr Kate fort und nahm die Kette mit dem Anhänger in die Hand. Sie trat direkt vor Mac, öffnete die Kette und hielt sie Mac um den Hals, den Verschluss jedoch geöffnet.
“Sprich mit bitte nach. Ich gelobe hiermit feierlich…” forderte Kate Mac auf.
“Ich gelobe hiermit feierlich…” sprach Mac nach.
“…vor Gott und allen Anwesenden…”
“…vor Gott und allen Anwesenden…”
“…zu dieser Familie zu gehören.”
“…zu dieser Familie zu gehören.”
“Ich werde die Mitglieder dieser Familie…”
“Ich werde die Mitglieder dieser Familie…”
“…achten und ehren…”
“…achten und ehren…”
“…und mein Möglichstes tun, sollte einer von ihnen meine Hilfe benötigen.”
“…und mein Möglichstes tun, sollte einer von ihnen meine Hilfe benötigen.”
“Dies gelobe ich feierlich.” schloss Kate.
“Dies gelobe ich feierlich.” sagte Mac mit zitternder Stimme. Kate ließ den Verschluss einrasten und lies die Kette los. Dann umarmte sie Mac fest, der Tränen über die Wangen liefen.
“Marines weinen nicht.” flüsterte Kate. Die restlichen Mitglieder der Familie klatschten Beifall, als Mac sich setzte.
“Hey, wir sind noch nicht fertig.” rief Ephram sie zur Ordnung. Kate wischte sich verstolen eine Träne von der Wange.
“Mathilda Rabb, komm bitte zu uns.” bat Ephram Mattie. Die stand etwas unwillig auf und stellte sich nervös vor Kate.
“Mathilda bedeutet soviel wie Stärke und Kampf. Und du hast in deinem kurzen Leben schon sehr viel Stärke bewiesen und musstest um vieles kämpfen. Wenn ich ehrlich bin, ich bewundere deine innere Stärke und die Kraft, mit der du all das meisterst. Egal was man dir in den Weg wirft, du gibst nicht auf und verfolgst deine Ziele. Du bist etwas ganz Besonderes, und deshalb wirst du nicht den Eid leisten, den Sarah gerade geschworen hat.” erklärte Kate, nahm das zweite Medaillon, das Ephram hielt, und tat dasselbe wie anfangs bei Mac.
“Diesmal leiste ich im Namen der ganzen Familie den Eid.” erklärte sie Mattie.
“Hiermit schwöre ich feierlich vor Gott und allen Anwesenden, dass du zu unserer Familie gehörst. Als Familienmitglied wird dir dieselbe Liebe, Ehre und derselbe Respekt wie allen anderen Mitgliedern dieser Familie entgegengebracht. Ich schwöre, dass diese Familie dich immer lieben wird, und dich in deinem Handeln unterstützt. Unsere bedingungslose Liebe sei dir versichert. Dies gelobe ich feierlich.” sagte Kate, lies den Verschluss einrasten und umarmte Mattie. Die kehrte gerührt zu ihrem Platz zurück. Kate lies sich von Ephram die dritte Samtschatulle geben, dieser setzte sich und Jake stand auf, um sich neben Kate zu stellen und ihr die Schatulle abzunehmen.
“Harmon Rabb jr, antreten.” sagte Jake ernst. Harm stand auf und stellte sich vor Kate.
“Was ich jetzt tue, ist in der Geschichte dieser Familie noch nie vorgekommen.” sagte sie fest.
“Harmon bedeutet Soldat. Und als ein Offizier der United States Navy kennst du die Pflichten eines Soldaten. Ehre, Treue, Pflichtbewusstsein und Kameradschaft bis in den Tod. Sarah hat hier einen Eid geleistet, und diese Familie einen für Mattie. Es gibt als männliches Mitglied dieser Familie etwas, das man nur als Blutsverwandter eines direkten Familienmitgliedes erhält, und nicht als angeheiratetes Mitglied. Jake.” wandte Kate sich an ihren Bruder. Der öffnete die Schatulle und zum Vorschein kam ein silberner Siegelring.
“Der Eid, den die Träger dieses Ringes leisten, ist ein lebenslanges Versprechen, nicht nur gegenüber der Familie, sondern auch vor Gott. Und für gewöhnlich wird er vom nicht eingeheirateten Elternteil abgenommen.” fuhr Kate fort.
“Da ich aber eine Frau bin, und es unangebracht wäre, dir als Mann einen Ring aufzustecken, übernimmt Jake diese Aufgabe.” sagte sie mit einem leichten Schmunzeln, lies sich von Jake die Schatulle geben, und dieser nahm anschließend den Ring und Harms Hand, die sonst von seinem Akademiering geziert wurde. Aus irgendeinem Grund hatte er den heute jedoch abgelegt.
“Harmon, sprich mir bitte nach. Ich bin Mitglied dieser Familie…”begann Jake.
“Ich bin Mitglied dieser Familie…”
“…und erkenne mit dem Tragen dieses Ringes….
“…und erkenne mit dem Tragen dieses Ringes…
“…die damit verbunden Pflichten an.”
“…die damit verbunden Pflichten an.”
“Ich werde meine Familie immer ehren…”
“Ich werde meine Familie immer ehren…”
“…und sie vor möglichem Schaden bewahren, so wahr mit Gott helfe.”
“…und sie vor möglichem Schaden bewahren, so wahr mir Gott helfe.”
“Meine Familie ist mein Unterschlupf wenn es stürmt…”
“Meine Familie ist mein Unterschlupf wenn es stürmt…”
“…und die Schulter, an die ich mich anlehne.”
“…und die Schulter, an die ich mich anlehne.”
“Ich werde alle Familienmitglieder achten, lieben und ehren…”
“Ich werde alle Familienmitglieder achten, lieben und ehren…”
“…und die Werte dieser Familie achten und verteidigen.”
“…und die Werte dieser Familie achten und verteidigen.”
“Dies gelobe ich feierlich.”
“Dies gelobe ich feierlich.” sagte Harm fest, und Jake lies den Ring auf seinen Finger gleiten. Dann umarmte er Harm kurz. Im Saal brannte wieder Applaus los, als Harm seinen Platz bei Mattie und Mac wieder einnahm.
“Kann ich ganz kurz um eure Aufmerksamkeit und Ruhe bitten? Danke.” hob Jake die Stimme. Kate sah ihn etwas verwirrt an, und Vince stand langsam auf und trat zu den beiden heran.
“Vince hat noch was zu sagen. Go Navy.” grinste Jake und setzte sich. Vince nahm sanft Kates Hand, welche ihn mit großen Augen ansah.
“Caitlynn O’Hara. Als ich dich vor fast fünf Jahren kennen lernte, hat es mir den Atem verschlagen. Vor mir stand ein weiblicher Marine, der einfach umwerfend aussah. Und noch dazu wusstest du, was du wolltest. Mich vor Gericht so richtig schön fertig machen. Bei unserem ersten Fall sind dann auch dementsprechend die Fetzen geflogen. Aber sooft ich mir damals auch gewünscht habe, dir den Hals umzudrehen, so konnte ich nicht umhin zu bemerken, wie wunderschön du warst, und wie standfest in deinen Entscheidungen. Über die nächsten drei Jahre haben wir uns kennen gelernt und sind Freunde geworden. Nur das ich mir immer mehr bewusst wurde, das Freundschaft allein mir nicht ausreichte. Ich habe Vorwände gesucht, um in deiner Nähe zu sein, und hatte jedes Mal Angst, dass du mich durchschauen könntest und mich in die Wüste schickst. Wir haben beide Beziehungen gehabt, die kläglich gescheitert sind, und ich hatte Angst, dass wir auch scheitern. Denn so sehr ich eine Beziehung auch wollte, unsere Freundschaft war mir viel zu wichtig, um sie durch irgendetwas zu gefährden. Und als ich mich schon damit abgefunden hatte, dass es eben doch bei Freundschaft bleibt, hast du mich plötzlich geküsst. Und obwohl ich tief in meinem Herzen schon seit unserer ersten Begegnung wusste, das ich dich liebe, hat mich dieses Gefühl einfach umgehauen. Aber als Militärangehörige unter demselben Kommando stand unsere Beziehung unter keinen allzu guten Stern. Trotzdem haben wir zwei Jahre durchgehalten, und ich liebe dich mit jedem Tag mehr. Als du mir sagtest, dass wir ein Baby bekommen, da hast du mich zum glücklichsten Mann der Welt gemacht. Ich hatte auch vor dieser Nachricht die Absicht, um deine Hand anzuhalten. Und da mir dieser Antrag so kläglich misslungen ist, hier und jetzt versuch ich es auf die richtige Art. ” erklärte Vince sanft und leise und ging vor Kate auf die Knie. Aus seiner Hosentasche holte er einen Verlobungsring und nahm sanft Kates Hand.
“Caitlynn O’Hara, ich liebe dich über alles, und ich will den Rest meines Lebens mit dir verbringen. Ich möchte, dass das Getrippel kleiner Füße unser Haus erfüllt. Ich möchte jeden Abend neben dir einschlafen und jeden Morgen neben dir aufwachen. Ich möchte mich immer wieder aufs Neue in diesem smaragdgrünen Augen verlieren, die mir so vertraut sind und gleichzeitig noch so viele Geheimnisse bergen. Ich möchte mein Leben mit dir teilen und keine Sekunde mehr ohne dich verbringen. Ich möchte ein Teil deines Lebens sein, wie du ein Teil meines Lebens bist.” erklärte er liebevoll und sah fest in Kates Augen, die sich mit Tränen gefüllt hatten.
“Willst du mich heiraten?” fragte Vince sanft.
“Ja. Ja, ich will!” rief Kate, der mittlerweile Tränen die Wangen hinunterliefen, zog ihn zu sich hoch und küsste ihn innig. Vince lies den Ring sanft auf ihren Finger gleiten und küsste sie liebevoll.
“Ich liebe dich.” flüsterten beiden zwischen zwei Küssen. Sie schienen ihre Umgebung vollkommen vergessen zu haben.
“Chrmchrm.” kam es nach einer Weile von Jake und die beiden trennten sich. Sie gingen Händchen haltend zu ihren Plätzen zurück.
|So, und bevor ihr jetzt alle einschlaft, ich glaube der Weihnachtsmann hat eure Geschenke gebracht.| erklärte Jake, und sämtliche Kinder in dem Raum sprangen von ihren Stühlen und stürmten in die Eingangshalle, in der während des Gottesdienstes ein Weihnachtsbaum mit Kerzen und Christbaumkugeln aufgestellt wurden war.
“Was war das denn?” fragte Harm und sah den Kindern noch verdattert hinterher.
“Jake hat den Startschuss fürs Auspacken der Geschenke gegeben.” lachte Pace.
“Na Bingo.” grinste Mattie. Sie verstand sie gut mit Pace, dessen unkomplizierte und flirtende Art Harm eifersüchtig werden ließ, wenn er mit Mac sprach, aber wenn er mit Mattie zusammen war, war Pace wie ausgewechselt. Es war dasselbe Verhalten, was Mac bei ihm auch schon im Umgang mit Bryan und Cole bemerkt hatte. Scherzhaft und liebevoll. Bei Mattie platzierte er auf eine sehr angenehme Art Komplimente, was dem jungen Mädchen anfangs unangenehm war, aber ihrem Selbstbewusstsein bei so vielen Fremden die nötige Stärke verlieh.
“Willst du nicht nachsehen gehen?” fragte Kate sie mit einem leicht zur Seite geneigten Kopf. Mattie sah sie fragend an, dann erhob sie sich langsam und ging auch hinaus.
“Wie oft haben wir dir schon gesagt, dass ein Geschenk nötig ist?” fragte Harm sie in einem Tonfall, der wahrscheinlich vorwurfsvoll klingen sollte, ihm aber absolut nicht gelang. Es tat gut, Mattie einmal so losgelöst von ihrer sonstigen Ernsthaftigkeit und ihren Sorgen zu sehen.
“Bei zehn Mal hab ich mit zählen aufgehört.” sagte Kate und schenkte ihm ein Lächeln.
“Sie wird eine Weile beschäftigt sein, und Vince und ich würden gerne etwas mit euch besprechen.” holte Kate dann tief Luft.
“Dann mach es nicht so spannend.” forderte Mac ihre Cousine auf. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Pace sich unauffällig zurückzog. Kate ergriff sanft die Hand von Vince und der nickte ihr zu.
“Okay, wie ihr ja beide wisst bin ich schwanger. Was es wird wollen wir nicht wissen, aber das spielt jetzt gerade keine Rolle. Ich hab gemerkt, wie ihr beide mit Mattie umgeht, und auch mit Bryan und Cole. Und obwohl ihr die beiden nicht versteht, wisst ihr immer was sie meinen, und wenn nicht verfallt ihr nicht in Panik, sondern sucht ruhig nach einer Lösung. Ihr seid wundervolle Eltern für Mattie. Und deshalb haben wir uns entschlossen, euch zu fragen, ob ihr uns die Ehre erweist und die Paten unseres Kindes werdet.” erklärte Kate und hielt unbewusst die Luft an.
Harm und Mac sahen sie und Vince überrascht an. Das hatten beide nicht erwartet.
“Ich will ja nicht undankbar erscheinen, aber seid ihr euch da sicher?” fragte Mac vorsichtig. “Ich meine, wir kennen uns kaum, und ich bin mir sicher ihr findet jemanden, dem ihr mehr vertraut als uns.”
“Ich vertraue euch beiden sehr. Und das hat nichts mit wenig kennen zu tun, Mac. Ich sehe wie ihr beide mit Kindern umgeht, und allein das zählt.” sagte Vince sanft.
Harm und Mac sahen sich an und er nickte ihr zu.
“Wenn das so ist. Es wäre uns eine Ehre, die Paten eures Kindes zu werden.” wandte Mac sich an Kate und Vince. Kate drückte sanft ihre Hand und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln.
“Störe ich?”
Kate und Vince fuhren herum. Hinter ihnen stand der junge Mann, neben dem Galina in der Kirche gesessen hatte.
“Tut mir Leid. Kann ich kurz mit dir sprechen?” wandte er sich an Kate. Die lies etwas widerwillig Macs Hand los und stand auf, um sich einige Schritte mit dem Mann zu entfernen. Vince sah den beiden hinterher und sein Gesichtsausdruck verdüsterte sich.
“Wer ist das?” fragte Harm ihn.
“Patrick McDouglas.” knurrte er und trank einen Schluck Wasser.
“Ist er der Freund von Galina?” erkundigte Mac sich jetzt und musterte den jungen Mann genauer.
“Nicht ganz, letztes Jahr war er es noch, aber vor dem Essen hatte Galina einen Verlobungsring an ihrem Finger.” erklärte Vince.
“Er ist Chirurg, nicht?” kam es von Harm, der sich an den Wortwechsel zwischen Patrick und Pace erinnerte.
“Ja, und er denkt er wäre nicht nur ein Halbgott in Weiß, sondern gleich Zeus persönlich.” nuschelte Vince.
“Wie kommt es, das egal wer der jeweilige Partner des Familienmitgliedes ist, alle etwas an ihm auszusetzen haben?” fragte Mac leicht verärgert. Es war ihr schon bei Dana aufgefallen, wie die anderen Geschwister mit ihr umgegangen waren.
“Hast du hier irgendjemanden etwas gegen Kathryn sagen hören?” fragte Vince sie herausfordernd. “Es hat nichts damit zu tun, das er der Freund von Galina ist, oder gar ihr Verlobter, sondern eher mit dem Ton, den er Ephram, Kate und Pace gegenüber anschlägt.”
“Pace hat ihn heute jedenfalls herausgefordert.” verteidigte Mac Patrick.
“Darum ging es nicht. Galina hat mit der Familie gebrochen, und Patrick behandelt Kate, Pace und Ephram so, als hätten sie sie dazu aufgefordert zu verschwinden. Aber ich hab jetzt keine Lust auf eine Diskussion über ihn.” würgte Vince das Thema ab.
Kurze Zeit später gesellte Kate sich wieder zu ihnen, erwähnte aber mit keinem Wort ihre Unterhaltung mit Patrick.
“Wie spät ist es?” erkundigte Vince sich bei Mac.
“2358. Wieso?” fragte die verwirrt, als sie sah, wie Kate und Vince sich erhoben.
“Magst du Feuerwerk?” fragte Kate mit einem Lächeln im Gesicht.
“Hä?” kam es von Harm.
“Jetzt schaut nicht so, kommt mit.” lachte Vince, legte einen Arm um Kates Taille und ging eng mit ihr umschlungen hinaus. Die ganze Familie hatte sich draußen versammelt. Es brannte ein Lagerfeuer, das in der Kälte die nötige Wärme spendete. Vince stand hinter Kate und die hatte seine beiden Hände auf ihrem Bauch mit ihren eigenen bedeckt. Harm und Mac traten neben sie. Wie durch ein Wunder ging um 0000 die erste Rakete in die Luft und malte goldene Funken an den Nachthimmel. Der ersten Rakete folgte ein Feuerwerk von etwa zehn Minuten, bei dem sich die Farbwahl der Raketen auf weiß und grün beschränkte. Die meisten Familienmitglieder waren nach dem Feuerwerk wieder hinein gegangen, Kate und Vince standen immer noch eng umschlungen da, jetzt sahen sie sich tief in die Augen.
“Ich liebe dich.” brach Kate das Schweigen nach langer Zeit sehr leise. Vince küsste sie sanft.
“Ich dich auch. Frohe Weihnachten Engel.” gab er leise zurück und zog Kate an sich.
*~*~*
25.12.
1027 Zulu
Burg Hartenstein
außerhalb von Ennis, Irland
Harm und Mac hatten tief und fest geschlafen. Sie hatten gerade Mattie zum Frühstück abgeholt und gingen mit ihr nach unten, als sie Cara auf der Treppe begegneten, die nach oben lief.
“Hey, warte mal.” hielt Cara Mattie auf.
“Was?” erkundigte Mattie sich. Ihre Eltern standen am Fuß der Treppe.
“Frohe Weihnachten. Hab ich gestern vergessen.” lächelte Cara und stürmte wieder nach oben davon. Mattie sah ihr kurz hinterher, dann schüttelte sie den Kopf und ging mit ihren Eltern in den Saal von gestern Abend. Kate und Fin saßen sich gegenüber und unterhielten sich angeregt, und Harm und Mac setzten sich zu ihnen, während Mattie sich zu Steven gesellte.
“Morgen, und frohe Weihnachten.” schenkte Fin die beiden ein freundliches Lächeln. Mac erkannte bei Kate die Ohrringe, die Pace ihr geschenkt hatte.
“Frohe Weihnachten.” gaben Harm und Mac zurück.
“Wo ist Kathryn?” erkundigte Mac sich dann. Sie hatte es selten erlebt, das Fin und seine Verlobte allein anzutreffen waren, und wenn ja, dann war der andere meist nach ein paar Minuten wieder aufgetaucht.
“Sie unterhält sich mit Josi.” zuckte Fin mit den Schultern.
“Regen im Paradies?” konnte Harm sich einen geflüsterten Kommentar in Kates Richtung nicht verkneifen. Sie legte den Kopf zur Seite und sah ihn interessiert an.
“Könnte man euch auch fragen. Habt ihr euch mit Mattie gestritten?” erkundigte sie sich in einem etwas amüsierten Tonfall.
“Touché.” gab Harm sich geschlagen.
“Worüber habt ihr euch vorhin unterhalten?” wechselte Mac das Thema.
“Pferdepreise. Würde dich nicht interessieren.” schenkte Fin ihr ein Lächeln.
“Au!” fluchte er dann laut und langte unter den Tisch, um sich sein Schienbein zu massieren. Kate hatte einen unschuldigen Gesichtsausdruck aufgesetzt.
“Entschuldigt, ihm ist gestern der Sekt nicht bekommen.” sagte sie an Harm und Mac gewandt.
“Will ich wissen, was los ist?” fragte Mac mit hochgezogenen Augenbrauen.
“Das würde mich aber auch interessieren.” sagte Ephram und setzte sich neben Mac.
“Gebt euch keine Mühe, ich hab den Tritt gesehen.” fuhr er Fin über den Mund, als der Luft holte, um alles abzustreiten. Er und seine Schwester wechselten einen ertappten Blick.
“Als Kinder hab ich euch bei so was vor die Tür gesetzt, damit ihr das bei einer Schneeballschlacht klären konntet. Meint ihr nicht, das ihr so langsam aus diesem Alter heraus seid?” fragte Ephram seine Kinder mit einem leichten Lächeln. Kate und Fin schwiegen.
“Dachte ich mir schon. Klärt das, und zwar schnell.” seufzte Ephram, stand auf und ging wieder.
“Großartig Kate. Hundert Punkte.” konnte Fin sich einen sarkastischen Kommentar nicht verkneifen und schüttelte den Kopf. Kate steckte ihm kurz die Zunge raus.
“Richtig niveauvoll, wirklich.” schoss Fin zurück.
“Ach komm, wegen einem blauen Fleck wirst du ja wohl nicht gleich sterben.” rollte Kate mit den Augen.
“Mach dich ruhig lustig.” schnaubte Fin, stand auf und verlies den Saal. Kate rannte ihm hinterher.
“Fin, jetzt warte doch!”
“So liebenswert diese Familie auch ist, einen Knall hat sie trotzdem.” lachte Harm, als er Kate hinterher sah.
*~*~*

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