Christmas Miracles (5)
1027 CST
Hospiz der Gnade, TX
Kate stellte den Motor aus und atmete tief durch. Dann schnallte sie sich ab und stieg gemeinsam mit Mac aus. Beide gingen auf das Hauptgebäude zu und meldeten sich am Empfang an. Mac war erstaunt. Alles sah anders aus, als sie es bei ihrem Vater erlebt hatte. Es gab zwei Gebäudekomplexe und einen riesigen Park. Es liefen Schwestern in Schürzen, Pfleger in Shirts und Ärzte in Kitteln umher. Kate meldete beide an und unterhielt sich kurz mit der Empfangsdame. Dann berührte sie sanft Macs Arm und riss die aus ihren Gedanken.
„Alles in Ordnung?“ fragte Kate leicht besorgt. Mac straffte die Schultern.
„Ja. Ich war nur etwas überrascht.“ gestand sie.
„Ich weiß. Aber das hier ist nur ein Trugschloss.“ erklärte Kate und sah zu einer recht jungen Frau im Rollstuhl, die ihren Sohn in den Schoß hob.
„Keiner hier ist fröhlich, wenn die Besuchszeit vorbei ist. Weshalb ich dir nicht empfehle, einer der Schwestern zu widersprechen, wenn sie dich rauswerfen will.“ sagte sie in einem abwesenden Tonfall. Dann schüttelte sie kurz den Kopf und ging leicht voran. Als beide eine Zimmertür im ersten Stock erreichten, blieb Kate abrupt stehen.
„Ich würde gerne zuerst mit ihm allein reden. Ich hol dich dann. Den Gang runter ist eine Sitzgruppe. Dauert nicht lange, versprochen.“ sagte Kate, klopfte an die Tür und trat leise ein. Hinter sich schloss sie die Tür wieder und Mac ging den Gang runter. Dort war tatsächlich eine kleine Sitzgruppe. Es gab einen kleinen Beistelltisch, auf dem Zeitschriften lagen, einen Getränkeautomaten und einen Fernseher. Der war zu dieser Zeit jedoch ausgeschaltet. Mac setzte sich und blätterte lustlos in einer der Zeitschriften.
„Opal.“ sagte plötzlich jemand und ließ sich neben sie fallen. Mac schreckte hoch und sah Kate erschrocken an.
„Das Wort für dreizehn waagerecht ist Opal.“ erklärte die nur. Mac sah auf die Seite. Es war tatsächlich ein Rätsel.
„Oh.“ war alles, was sie zustande brachte. Sie bemerkte, dass sie seit fast einer Stunde hier saß.
„Ja. Ich kenn das Gefühl. Ich hab oft genug irgendwelche Seiten angestarrt, ohne sie wirklich zu lesen. Kleiner Tipp, such dir eine, wo viel Text ist. Dann wundert sich nicht so schnell jemand, als wenn du geschlagene drei Minuten auf ein Rätsel für Achtjährige starrst und weder einen Stift in der Hand hast, noch etwas ausfüllst oder weiterblätterst.“ sagte Kate. Mac lächelte zaghaft, machte die Zeitschrift zu und legte sie dann wieder zurück.
„Einer der Ärzte ist bei ihm, wir können in fünf Minuten zurück. Und es geht ihm ganz gut.“ sagte Kate und sah den Getränkeautomaten an.
„Was will der Arzt bei ihm?“ fragte Mac alarmiert.
„Weißt du, was eine Patientenverfügung ist?“ fragte Kate leise. Mac nickte.
„Grandpa will eine. Ich werde mich weiteren Kommentaren enthalten.“ erklärte Kate, stand auf und trat gegen den Automaten. In das Ausgabefach rollte eine Halbliterflasche Wasser.
„Auch eine?“ fragte Kate seelenruhig. Mac schüttelte den Kopf und beobachtete, wie Kate mit den Schultern zuckte und einen Schluck trank.
„Sieh mich nicht so schockiert an. Das Ding gibt kein Wechselgeld, und ich hab nur ‘nen Zwanziger.“ sagte Kate und setzte sich wieder.
„Als wir das erste Mal hier waren, da hatte Pace einen Wutanfall. Er fand es ungerecht, Grandpa hierher abzuschieben, und da hat er aus lauter Verzweiflung, weil er bei Dad, Jake und Matt auf taube Ohren gestoßen ist, gegen das Ding da getreten. Ganze sechs Mal, und jedes Mal kam eine weitere Flasche. Die Oberschwester hat gekeift, das war eine helle Freude.“ sagte Kate. Sie und Mac saßen schweigend nebeneinander, bis ein junger Mann in einem der Ärztekittel erschien. Er hatte die Hände in den Kitteltaschen und Kate erhob sich, als er auf sie zukam. Mac tat es ihr gleich.
„Sie müssen Mac sein.“ sagte der Mann und hielt Mac die Hand hin. Mac bemerkte, dass er nicht viel älter als Kate sein konnte.
„Gavin Hanson. Ich bin der Arzt von Donovan.“ stellte er sich vor, als Mac seine Hand schüttelte.
„Ihr könnt jetzt zu ihm.“ erklärte er. Kate nickte, und Gavin ließ die beiden allein.
„Bereit?“ fragte Kate leise, als sie und Mac vor der Zimmertür von Donovan standen.
„Bereit.“ bestätigte Mac. Kate klopfte sanft an die Tür. Als die Erlaubnis zum Eintreten kam, öffnete sie sie und hielt sie Mac auf. Als die eingetreten war, folgte Kate ihr und schloss die Tür wieder. Donovan lag in seinem Bett und sah Kate und Mac müde an. Mac spürte, wie Kate sich kurz versteifte, dann entspannte sie sich wieder und lächelte.
„Hey Grandpa. Ich hab dir jemanden mitgebracht.“ sagte sie sanft. Mac hatte diesen Tonfall bei ihr nur einmal gehört, und damals hatten Kate und Vince sich über das Baby unterhalten.
„Sarah.“ sagte Donovan. Seine Stimme war etwas heiser, aber trotzdem sanft und melodisch.
„Donovan.“ sagte die etwas verlegen.
„Setzt euch doch bitte.“ forderte Donovan seine Enkelinnen auf.
„Ich lass euch beide besser allein.“ erklärte Kate.
„Wenn du mich suchst, die Frau am Empfang sagt dir, wo ich bin.“ wandte sie sich an Mac. Dann ging sie an das Bett heran und küsste ihren Großvater auf die Stirn.
„Ich hab dich lieb. Pass auf dich auf, ja? Und ärger die Schwestern nicht so.“ sagte sie leise. Dann ging sie zur Tür.
„Caitlynn?“ rief Donovan sie zurück. Kate drehte sie wieder um.
„Pass auf dich auf.“ bat Donovan sie. Kate schluckte kurz.
„Mach ich. Versprochen.“ erklärte sie fest. Sie warf Mac einen sanften Blick zu, dann verließ sie das Zimmer.
„Nun Sarah, erzähl mir etwas über dich.“ forderte Donovan Mac auf.
*~*~*
1304 CST
Park des Hospizes der Gnade, TX
Mac und ihr Großvater hatten sich über alles Mögliche unterhalten. Bis eine der Schwestern Mac weggeschickt hatte, weil Donovan Ruhe brauchte. Mac hatte sich bei der Empfangsdame nach Kate erkundigt, und die hatte ihr einen Plan vom Park gegeben und die Stelle, an der Kate fast immer zu finden war, eingekreist. Mac sah noch einmal auf den Plan, dann hob sie den Blick. Vor ihr lag ein liebevoll angelegtes Blumenbeet, und auf einer der Bänke, die in der Sonne standen, saß Kate und starrte in die Ferne. Mac trat vorsichtig an sie heran und wollte gerade fragen, ob sie sich setzten konnte, da wandte Kate den Kopf und sah sie an.
„Haben sie dich rausgeworfen?“ fragte sie.
„Ja, haben sie.“ antwortete Mac und setzte sich.
„Und? Wie war es?“ fragte Kate und wandte den Blick zu einem Paar, das den Weg entlang ging.
„Irgendwie komisch. Aber gleichzeitig schön.“ sagte Mac.
„Er hat sich gefreut. Ich hab ihn lange nicht mehr so aufgeregt erlebt.“ sagte Kate mit einem Lächeln. Das verschwand aber sofort, als das Paar stehen blieb und die Frau den Mann tröstend umarmte. Der Mann erwiderte die Umarmung und seine Schultern bebten.
„Kennst du sie?“ fragte Mac, die Kates Blick bemerkt hatte.
„Nicht richtig. Er ist der Sohn von einem Mann, mit dem sich Grandpa mal das Zimmer geteilt hat, sie ist seine Frau.“ erwiderte Kate und löste den Blick von dem Paar.
„Hast du Hunger?“ fragte sie Mac.
„Um ehrlich zu sein, ja.“ gab die zu.
„Gut, ich auch. Nicht weit von hier ist ein Diner, dort kann man ganz gut essen. Aber dann muss ich eigentlich auch schon gleich nach Austin. Würde es dir was ausmachen, mitzukommen? Ich kann auch Pace anrufen, und der kann dich beim Diner abholen.“ bot Kate an.
„Kommt darauf an, was du in Austin willst.“ erwiderte Mac.
„Weihnachtsgeschenke kaufen. Ich brauch noch welche für Cara, Tobey und Mattie. Dabei könnest du mir helfen.“ fiel Kate ein.
„Verdammt. Ich brauch auch noch welche für euch.“ entfuhr es Mac.
„Beruhige dich. Nein, wir schenken uns nichts, und du musst das schon gar nicht tun. In Irland bei der Familienfeier werden nur die unter achtzehn beschenkt, das würde sonst etwas den finanziellen Rahmen sprengen. Und dann auch nur Kleinigkeiten, nichts über 30 Dollar. Was auch schon viel ist, wenn man bedenkt, das es zur Zeit neunzehn Leute sind, die nicht achtzehn sind.“ erklärte Kate.
„Da find ich ja nie was!“ rief Mac aus.
„Beruhige dich wieder. Ich schenk zum Beispiel nur Cara, Tobey, Mattie und einem Zwillingspaar was. Es reicht vollkommen, wenn du nur Mattie etwas schenkst.“ beruhigte Kate Mac wieder.
„Wessen Zwillinge?“ fragte Mac.
„Von der Tochter von Dads Bruder. Der ist mein Onkel, also ist sie meine Cousine, was uns beide zu den Großcousinen von den beiden macht. Zwei Jungen, Bryan und Cole. Sie sind jetzt drei, nein vier.“ erklärte Kate.
„Warum gerade die beiden?“ fragte Mac nach.
„Na ja, ich bin die Patin. Zusammen mit dem Cousin vom Vater, den ich absolut nicht ausstehen kann.“ gab Kate zu.
„Du bist Patin? Und warum weiß ich davon nichts?“ fragte Mac amüsiert.
„Oh, ein kleines Geheimnis steht mir ja wohl auch zu, hm?“ erwiderte Kate scherzhaft.
„Nein, Spaß beiseite, ich sehe die beiden sowieso nur ein Mal im Jahr. Ihren Patenonkel sehen sie bedeutend öfter, der lebt genauso wie sie in Irland.“ fuhr sie dann ernst fort.
„Warum dann die Patenschaft übernehmen? Ich meine, die beiden haben ja nicht viel von dir.“
„Als Paten obliegt uns die religiöse Sorge für das Kind. Und ihr Patenonkel hat es nicht so mit Seelenheil und Gebeten. Außerdem bin ich eine Art gute Fee, wenn ich sie sehe, bekommen beide ein Geschenk und für eine kurze Zeit meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ob du es glaubst oder nicht, ich bin gerne die gute Fee.“ erklärte Kate.
„Lass uns besser gehen. Ich hab echt Hunger.“ sagte sie dann und stand auf.
*~*~*
1542 CST
Einkaufszentrum von Austin, TX
„Okay, bleibt noch ein Geschenk für Mattie bei mir, und bei dir noch eins für Cara.“ sagte Kate, nachdem sie ein Buch für ihre Nichte gekauft hatte.
„Na Bingo. Hast du einen Vorschlag?“ fragte Mac.
„Cara ist schwierig. Das Buch hatte sie sich gewünscht, aber mir fällt für sie absolut nichts anderes mehr ein.“ sagte Kate und dachte angestrengt nach.
„Reitsachen?“ versuchte es Mac.
„Viel zu teuer. Und die hat sie zur Genüge.“ lehnte Kate ab. „Was schenkst du Mattie?“
„Eine DVD und eine Kette mit passenden Ohrringen.“ erwiderte Mac. „Wäre das nichts für Cara?“
„Sicher, nur musst du etwas finden, was ihren Geschmack trifft. Und den kenne ich bei aller Liebe nicht.“ gab Kate zurück.
„Weißt du, was die anderen ihr schenken?“ erkundigte Mac sich als beide die Auslagen von einem Juwelier betrachteten.
„Nein. Ich glaube, Pace hatte so was wie Reitstunden im Sinn. Cara wollte Springreiten versuchen, und er ist derjenige, der das noch am besten kann. Und wie ich Dad kenne, wir sie von ihm eine Moralpredigt erhalten.“ erklärte Kate.
„Wieso das?“ fragte Mac und sah Kate überrascht an.
„Solche Einfälle hat er bei uns Geschwistern auch gehabt. Er erzählt ihr eine Geschichte, und wenn sie die versteckte Moral findet, bekommt sie etwas. Wie findest du die?“ fragte Kate und zeigte auf ein Paar Ohrgehänge. Sie waren silbern und hatten einen kleinen Stein eingefasst.
„Hübsch. Für wen?“ fragte Mac.
„Mattie. Das heißt, hat sie Ohrlöcher?“ fragte Kate.
„Ja. Aber sie will keine Ohrringe. Die sucht sie sich lieber selbst aus. Ich schenk ihr die auch nur, weil sie ihr so gefallen haben.“ erklärte Mac.
„Dann keine Ohrringe.“ seufzte Kate.
„Lass uns woanders schauen. Ich werd noch ganz deprimiert, wenn ich die Preise sehe.“ erklärte Mac. Beide schlenderten weiter durch das Einkaufzentrum und blieben hier und da einmal stehen.
„Du und Vince, schenkt ihr euch was?“ fragte Mac, als sie einen Herrenschlafanzug sah.
„Ja. Ich hab für ihn ‘Schillers gesammelte Werke’. Verstehe einer seine Vorliebe für deutsche Dichter.“ zuckte die mit den Schultern.
„Weißt du, was du von ihm bekommst?“ erkundigte Mac sich, als sie weiterliefen.
„Nein, keinen Schimmer. Aber ich hoffe, das es nicht wieder ein Ring und ein Kniefall von ihm ist. Das hatte ich erst.“ sagte Kate.
„Warum hast du nicht angenommen? Ihr habt nur Augen füreinander, und ein Blinder sieht, das ihr ein wundervolles Paar seit.“ fragte Mac.
„Er hat mich gefragt, als ich ihm sagte, dass ich schwanger bin. Hätte er das nur zwei Stunden eher getan, dann hätte ich womöglich angenommen, aber so… ich will nicht, das er aus einem fehlgeleitetem Pflichtgefühl heraus einen Antrag macht. Er soll es wirklich wollen.“ sagte Kate mit einem traurigen Unterton.
„Er hatte den Ring in der Tasche. Und nur auf eine Gelegenheit gewartet.“ argumentierte Mac.
„Ja, er hatte den Ring. Aber er war sich nicht so sicher, mich vorher zu fragen. Mac, lass es gut sein. Keine Hochzeit, Ende. Zumindest nicht in der nächsten Zeit.“ sagte Kate endgültig.
„Liebst du ihn?“ fragte Mac.
„Über alles.“ antwortete Kate ohne jedes Zögern.
„Dann sehe ich dein Problem nicht.“
„Mac, kannst du dir vorstellen, wie ich mich gefühlt habe? Ich meine, alles lief gut, und plötzlich war ich schwanger. Als ich es ihm sagte, war seine Antwort ‘Willst du mich heiraten?’, er hat noch nicht einmal Luft geholt. Das kam wie ein Reflex. ‘Ich bin schwanger.-Willst du mich heiraten?’ Alles hatte ich erwartet, nur das nicht. Und jetzt Schluss mit diesem Thema.“ sagte Kate. Mac beließ es dabei.
„Okay. Hey, was ist mit einer CD?“ fiel Mac ein, als sie an einem Musikladen vorbeiliefen.
„Das ist genial. Aber kein Rap, Matt geht sonst an die Decke.“ sagte Kate und beide betraten den Laden. Eine halbe Stunde später verließen beide den Laden mit drei CDs, zwei davon für Cara, die andere hatte Kate für ihren Vater gekauft.
„Okay, fehlt nur noch was für Mattie. Mein Gott, warum ist das denn so schwer?“ fragte Kate verzweifelt.
„Keine Ahnung. Hey, sie mag Volleyball. Schenk ihr Karten für ein Spiel.“ schlug Mac vor.
„Lieber nicht. Ich versteh davon nicht das Geringste. Liest sie?“ fragte Kate.
„Ja, frag mich aber bitte nicht, was.“ erwiderte Mac.
„Hat sie einen Lieblingsfilm?“ versuchte Kate etwas anderes.
„Eine ganze Menge, aber die hat sie schon auf DVD.“ antwortete Mac.
„Weißt du, was sie von Parodien hält?“ erkundigte sich Kate.
„Bitte was?“ wollte Mac wissen.
„Filme, die andere Filme auf die Schippe nehmen. Scary Movie zum Beispiel.“ erklärte Kate.
„Die fand sie ganz lustig. Davon gibt es doch drei Teile, oder?“
„Ja. Gut, also hätten wir schon mal einen Vorschlag. Da du und Harm beim Militär seid, sollte ich ihr wohl nicht ‘Fahrenheit 9/11′ schenken, hm?“
„Sie hat den Film im Kino gesehen. Aber schenk ihn ihr lieber nicht. Und seit wann ist das eine Parodie?“ fragte Mac verwirrt.
„Ist es nicht. Aber der Film gefiel mir. Wenn einem so was gefallen kann. Okay, dann also ‘Mel Brook’s Dracula- Tot aber glücklich’, ‘Robin Hood-Helden in Strumpfhosen’ und ‘Spaceballs’.“ erklärte Kate.
„Dracula- Tot aber glücklich?“ fragte Mac verwirrt.
„Die komische Version von ‘Bram Stroker’s Dracula’. Ich könnte ihr natürlich auch ‘Bram Stroker’s Dracula’, ‘Wes Craven’s Dracula’, und ‘Mel Brook’s Dracula’ schenken. Wovon die ersten beiden aber die Horrorfilme sind.“ bot Kate an und sah Mac fragend an.
„Wenn die nicht allzu schlimm sind, stört mich das nicht.“ erklärte die.
„Der von Wes Craven ist okay, aber der von Bram Stroker hat seine Altersbeschränkung mit 18 wirklich zu Recht.“ überlegte Kate.
„So schrecklich?“
„Der Anfang ist wirklich widerlich. Okay, also die Parodien. Dort hinten ist eine Videothek, wo man die Filme auch kaufen kann.“ sagte Kate. Als beide endlich ihre Geschenke zusammen hatten, wollten sie einfach nur raus aus dem Einkaufszentrum und in ein Bett fallen.
*~*~*
1836 CST
Haupthaus von Fairlea, TX
„Na, seid ihr auch wieder da?“ sagte Fin gut gelaunt, als Kate und Mac den Salon betraten. Sie hatten ihre Geschenke in ihren Zimmern verstaut und sich umgezogen. Beide trugen jetzt Shirts, das von Kate war weiß, Macs rosa, und beide hatten Jeans an.
„Witzig. Wo kommt deine gute Laune her?“ fragte Kate und ließ sich erschöpft in den Sessel fallen.
„In der Bibliothek wartet jemand sehnsüchtig auf dich.“ lachte Fin.
„Was will Dad denn nun schon wieder?“ fragte Kate und massierte sich die Schläfen. Mac lies sich auf dem Sofa neben Fin nieder.
„Ich spreche nicht von Dad.“ sagte der, immer noch belustigt.
„Von wem dann?“ fragte Kate und lies die Hände sinken.
„Ich schlage vor, du gehst nachsehen.“ sagte Fin nur.
„Finley O’Hara, wer sitzt in der Bibliothek?“ fragte Kate schlecht gelaunt.
„Ich hab mein Wort gegeben, es dir nicht zu verraten.“ schüttelte der den Kopf. Kate warf ihm einen wütenden Blick zu, dann stand sie widerwillig auf und ging nachsehen.
„Wer ist da?“ fragte Mac interessiert.
„Pst.“ sagte Finley und legte den Finger auf die Lippen. Mac schwieg und horchte angestrengt. Kurze Zeit später hallte ein Freudenschrei durch das Haus. Mac zog die Augenbrauen überrascht hoch.
„Vince.“ sagte Fin, und schon wieder grinste er.
„Euer Admiral hat ihn zu Top Gun geschickt, und heute hat er frei. Du solltest besser nach ihr sehen.“ erklärte Fin.
„Wieso?“ fragte Mac verwirrt.
„Tu es einfach, okay?“ lachte Fin. Mac sah ihn zweifelnd an, stand zögerlich auf und ging in Richtung Bibliothek. Als sie die Tür öffnen wollte, schlossen sich zwei starke Arme von hinten um ihre Taille. Mac verkrampfte sich erschrocken.
„Du willst die beiden doch nicht stören?“ flüsterte ihr eine männliche Stimme ins Ohr. Mac entspannte sich augenblicklich wieder und drehte sich um, um ihrem Mann in die Augen zu sehen.
„Warum hast du nichts gesagt?“ fragte sie und küsste ihn sanft, bevor er ihr eine Antwort geben konnte.
„Das hätte die Überraschung zerstört.“ murmelte der, als sie sich wieder trennten.
„Wie lange seid ihr schon hier?“ fragte Mac und legte den Kopf auf seine Brust. Harm fuhr ihr liebevoll durch das offene Haar.
„In Texas seit gestern Abend. Auf der Ranch seit 1208.“ sagte er und küsste sanft ihren Scheitel.
„Kate wird Fin den Hals umdrehen.“ nuschelte Mac und schloss genießerisch die Augen.
„Sie sollte lieber mit ihrem Freund anfangen. Der kann einen ganz schön zur Verzweiflung treiben, wenn er erstmal nervös ist.“ lachte Harm leise. Die Tür der Bibliothek ging auf und Kate und Vince kamen Händchen haltend heraus.
„Hi Harm.“ begrüßte Kate ihn grinsend.
„Hallo Kate. Grüße von Mattie.“ erwiderte der, und Mac nahm wieder eine aufrechte Position ein, wozu sie sich jedoch ganz von ihm lösen musste.
„Hallo Vince.“
„Col…Mac.“ korrigierte der sich schnell. Er hatte sich noch immer nicht richtig daran gewöhnt, Mac mit ihrem Spitznamen anzusprechen, wenn sie Zivilkleidung trugen.
„Hast du heute auch frei?“ fragte Mac an Harm gewandt.
„Ja. Und was noch besser ist, dein Onkel lässt Vince und mich hier übernachten.“ erklärte Harm.
„Mein Onkel.“ wiederholte Mac abwesend.
„Ist Top Gun nicht weit von hier entfernt?“ fragte sie dann.
„Nein, nur ungefähr anderthalb Stunden, wenn man den Highway benutzt.“ erklärte Vince.
„Wehe du weckst mich früh.“ drohte Kate ihm, durch ihr sanftes und leicht verträumtes Lächeln wurde das ganze aber um einiges gemildert.
„Würde mir im Traum nicht einfallen.“ gab Vince gut gelaunt zurück.
„Hey, ich bin Dana noch gar nicht begegnet.“ fiel ihm dann ein.
„Weil sie nicht mehr hier wohnt.“ sagte Kate und versteifte sich etwas.
„Wie sie wohnt hier nicht mehr? Hat sie endlich einen Job in Austin?“ fragte Vincent verwirrt.
„Keine Ahnung ob sie einen Job hat. Sie ist hier gestern rausmarschiert, nachdem Dad ihr gesagt hat, sie könnte gehen, wenn sie sich nicht bei mir für ihr Verhalten entschuldigt.“ erklärte Kate tonlos.
„Aber ich hab Cara vorhin gesehen…“ sagte Vince und deutete mit dem Daumen in Richtung Vordertür.
„Oh.“ entfuhr es ihm dann, als ihm alles klar wurde.
„Ja, oh passt genau.“ stimmte Kate ihm zu.
„Dann war es keine gute Idee, Matt zu fragen, warum er so ein Gesicht zieht, oder?“ fragte Vince leidend.
„Nein, war es nicht. Und es ist auch keine gute Idee, Cara in den Weg zu kommen.“ stimmte Kate ihm zu.
„Wovon redet ihr hier bitte?“ fragte Harm, der den beiden überhaupt nicht folgen konnte.
„Meine Schwägerin ist gestern rausgeflogen. Und Vince hat ihren Mann Matt gefragt, warum er schlecht drauf ist.“ erklärte Kate es ihm.
„Oh. Wenn ich jetzt frage, ob es der mit den roten Haaren war, dann passt das auf drei von denen, die wir gesehen haben.“ sagte Harm hilflos.
„Der im Wohnzimmer ist Fin, und der war es nicht. Der Jüngste ist Pace, und der ist es auch nicht gewesen. Matt ist der, der mit dem Auto weggefahren ist.“ erklärte Vince.
„Matt ist weggefahren?“ fragte Kate und runzelte die Stirn.
„Ja, mit Cara. Aber weiter ins Gelände, nicht runter von Fairlea.“ beruhigte Vince sie.
„Hey, Fin sitzt noch im Salon.“ fiel Mac dann wieder ein, das ihr Cousin allein war.
„Geht schon mal vor. Ich muss kurz hoch.“ sagte Vince und gab Kates Hand frei.
„Wieso?“ fragte die verwundert.
„Darum.“ entgegnete Vince und verschwand.
„Schön, dass ihr wieder auftaucht. Ich wollte schon jemanden nach euch suchen lassen.“ sagte Fin, als die drei das Zimmer betraten. Kate ließ sich wieder in den Sessel fallen, Harm und Mac setzten sich nebeneinander auf das Sofa, auf dem auch Fin noch saß.
„Hast du eine Ahnung, wo Matt hin ist?“ fragte Kate ihren Bruder.
„Nein, aber ich danke ihm von ganzem Herzen. Cara hat dringend frische Luft gebraucht.“ erklärte Fin und nippte an einem Glas, dessen Inhalt verdächtig wie Kognak aussah.
„Eistee.“ sagte er, als er Harms Blick bemerkte.
„Ich wollte nicht-“ begann der sich zu entschuldigen, aber wurde von Fin unterbrochen.
„Weiß ich. Aber ich hab es trotzdem gesehen.“ sagte der nur.
„Du musst ihm nicht gleich ein schlechtes Gewissen machen.“ sagte Kate in sanftem Tadel an ihren Bruder gewandt.
„Wollt ihr was trinken?“ fragte sie Harm und Mac.
„Wasser wäre nett.“ nahm Harm an, während Mac den Kopf schüttelte. Kate stand auf, holte zwei Gläser, und suchte dann eine Flasche Wasser aus der Minibar heraus. Auf dem Rückweg brachte sie noch ein anderes Glas und die Karaffe mit Eistee mit. Mac wollte schon sagen, dass sie wirklich nichts wollte, da kam Kate ihr zuvor.
„Ist für Vince.“ sagte sie, und goss Harm und sich Wasser ein.
„Wo ist der Typ eigentlich? Ich hab noch ein Hünchen mit ihm zu rupfen.“ sagte Fin, plötzlich ernst.
„Erstens, ‘dieser Typ’ heißt Vincent oder Vince, zweitens ist er mein Freund, und drittens lässt du ihn in Frieden.“ sagte Kate hart.
„Und viertens hat dein Vinceyleinchen meine Schwester geschwängert.“ gab Fin sauer zurück.
„Und fünftens ist das nicht deine Sache, sondern ganz allein die von Vince und mir.“ sagte Kate und wurde lauter.
„Was ist unsere Sache?“ fragte Vince neugierig, als er das Zimmer betrat und sich auf die Armlehne des Sessels setzte. Irritiert bemerkte er die glühenden Blicke, die Kate und Fin sich zuwarfen.
„Stimmt was nicht?“ fragte Vince, nun verunsichert.
„Ja, etwas stimmt ganz und gar nicht.“ sagte Fin und schoss ihm einen wütenden Blick zu.
„Fin, ich warne dich.“ kam es von Kate. Fin stand auf und baute sich vor Vince auf. Der erhob sich ebenfalls. Fin war vielleicht einen Zentimeter kleiner als Vince, dafür aber um einiges muskulöser. Fin hob die Hand und… klopfte Vince hart auf die Schulter.
„Glückwunsch Dad.“ sagte Fin herzlich. Kate war inzwischen auch aufgestanden, ursprünglich, um ihrem Bruder den Kopf abzureisen.
„Du…“ war alles, was sie vor Überraschung herausbrachte.
„Hey, ich würde diesem Goldjungen nie etwas tun. Er hat es geschafft und dich gebändigt.“ lachte Fin. Kate schüttelte nur den Kopf und umarmte ihren Bruder.
„Wenn du ihr allerdings weh tust, bist du tot.“ sagte Fin, als er Kate freigegeben hatte, an Vince gewandt.
„Werd ich nicht. Dafür lieb ich sie viel zu sehr.“ sagte der und küsste Kate auf die Stirn. Harm drückte sanft Macs Hand, als beide die Szene beobachteten. Kate, Fin und Vince setzten sich wieder, Fin auf das Sofa, Vince in den Sessel, und Kate halb auf seinem Schoß.
„Harm, richtig?“ erkundigte Fin sich.
„Ja.“ bestätigte der.
„Kann ich Sie duzen?“ fragte Fin etwas verlegen.
„Ja, warum nicht?“ sagte Harm.
„Hätte ja sein können.“ zuckte Fin mit den Schultern. Mac legte ihren Kopf auf Harms Schulter und genoss die Nähe zu ihm.
„Hab ich das vorhin richtig gesehen, an deiner Uniform sind Gold Wings?“ fragte Fin.
„Ja. Ich war eine Zeit Kampfpilot.“
„Da hat Matt ja einen zum Reden gefunden. Er unterrichtet bei Top Gun.“ erklärte Fin und trank einen Schluck.
„Hey, wo ist eigentlich Kathryn?“ fragte Kate plötzlich, die sich schon länger gewundert hatte, wer in der Runde fehlte.
„Die sucht mit Dad die alte Schuluniform von Cara.“ gab Fin Auskunft. Kate verschluckte sich an ihrem Wasser und Vince klopfte ihr geistesgegenwärtig auf den Rücken.
„Was?“ entfuhr es Kate, als sie wieder genügend Luft bekam. „Matt will sie wieder ins Internat stecken?“
„Jep. Und sie hat es nötig. Außerdem denke ich, dass ihr ein wenig Abstand von hier gut tun würde.“ erklärte Fin.
„Das habt ihr doch zusammen ausgeheckt, du, Dad und Jake. Und verkauf mich nicht für blöd.“ sagte Kate, als Fin den Mund öffnete, um zu protestieren.
„Jake und Dad, ja. Aber ich hab damit nichts zu tun. Matt hat damit übrigens angefangen.“ verteidigte Fin sich beleidigt.
„Ist das so eine gute Idee?“ meldete sich Mac zu Wort.
„Das Mädchen hat seine Mutter verloren, und jetzt wollt ihr sie schleunigst in ein Internat abschieben. Ich bin keine Expertin, aber sie sollte besser Zeit mit ihrer Familie verbringen. Zumindest hätte ich mir das gewünscht.“ erkläre Mac, wurde beim letzten Satz leise und sah auf den Boden.
„Matt hat Cara für den Rest des Jahres aus der Schule genommen und sich selbst beurlauben lassen. Und Cara war bis vor einem Jahr noch auf dem Internat, dann hat die Schulleitung eine Entscheidung getroffen, die Dana gegen den Strich ging, und deshalb hat sie sie dort runter geholt.“ erwiderte Fin geduldig.
„Ja, und diese Entscheidung wurde gegen ihren Willen getroffen. Und jetzt wollt ihr sie wieder auf diese Schule schicken, ohne sie zu fragen. Warum lasst ihr sie das denn nicht selber entscheiden?“ verteidigte Mac ihre eigenen Ansichten.
„Deine Argumentation gefällt mir, aber ich bin dafür der falsche Ansprechpartner. Letztendlich ist es die Entscheidung von Matt.“ erinnerte Fin sie ruhig.
„Und es ist nicht so, dass Cara die Schule nicht gefallen hätte. Nein, im Gegenteil, ihre Noten waren toll, sie war die Zweitbeste in ihrer Klasse, dazu noch Klassensprecherin und beim Schülergericht. Sie hat einen ganzen Monat Streit mit ihrer Mutter gehabt, als die sie von der Schule genommen hat. Und das Internat ist die Fahrkarte zu den besten Colleges des Landes, Harvard, Princeton, Yale.“ erklärte Vince.
„Warst du etwa auch da?“ fragte Mac ihn wütend.
„Nein, aber ich. Und mir und Jake hat das bestimmt nicht geschadet.“ schoss Kate zurück.
„Und warum nur ihr zwei?“ wollte Mac wissen. „Wenn diese Schule so toll ist, warum ward ihr nicht alle dort?“
„Weil man die Schulleitung von seinen Leistungen überzeugen muss. Diese Schule nimmt nur die Besten. Dort angenommen zu werden ist ein Privileg, und nicht irgendein Spaß. Ich hab drei Jahre auf der Warteliste gestanden, bis ich angenommen wurde. Und nach vier Monaten bin ich wieder rausgeflogen.“ sagte Fin.
„Der Abschluss an dieser Schule ist so ziemlich das Beste, was man bekommen kann. Du kannst Cara gern fragen, was sie will. Aber ich denke, bei ihrem jetzigen Gemütszustand wirst du als Antwort nur ‘Meine Mutter!’ bekommen, und das mit einem erneuten Tränenausbruch. Und Tobey geht auch auf das Internat, Dana hat ihn nicht gegen den Willen von Matt herunternehmen können.“ sagte Kate. Für sie war das Thema damit erledigt.
„Können wir das Thema jetzt lassen?“ bat Vince.
„Gern.“ stimmte Fin zu. Mac schüttelte nur den Kopf.
„Keiner verlangt, dass du mit dieser Entscheidung von Matt einverstanden bist, Mac. Aber damit abfinden solltest du dich. Ändern kannst du nämlich sowieso nichts daran.“ erklärte Kate, die es als Einzige wahrgenommen hatte.
„Wenn ich mich recht erinnere, hast du deinem Vater gestern Vorwürfe gemacht, dass er Dana rausgeschmissen hat, ohne an Cara und Tobey zu denken. Und jetzt macht ihr alle hier genau das selbe!“ ereiferte Mac sich.
„Wer sagt, dass ich das toll finde?“ fragte Kate herausfordernd. „Ja, du hast Recht, ich bin nicht dagegen. Aber eins steht fest, Cara kann sich nicht ihr ganzes Leben lang verkriechen, weil ihre Mutter sie verlassen hat. Dass dich das gerade trifft, kann ich verstehen. Aber gestatte mir eine Bemerkung, hast du für den Rest deines Lebens in deinem Zimmer gehockt und alle Leute angeschrieen?“
„Nein, aber ich bin Alkoholikerin.“ hielt Mac dagegen. Harm blieb die Spucke weg. Das war der erste richtige Streit von den beiden, noch dazu entwickelte der das Potenzial, verletzend zu werden. Kate schloss kurz die Augen und atmete durch, um einen halbwegs klaren Kopf zu behalten.
„Was ich jetzt sage, richtet sich gegen deine Mutter, nicht gegen dich.“ erklärte sie ruhig. „Du bist Alkoholikerin, weil keiner dir Hilfe angeboten hat, sich keiner um dich gekümmert hat, und weil dich wahrscheinlich keiner so geliebt hat, wie es bei einem Kind nötig ist. Stattdessen hat man auf dir herumgehakt und dich im Stich gelassen. Ich bin noch nicht fertig.“ sagte Kate scharf, als Mac den Mund öffnete, um etwas zu erwidern.
„Die Menschen, die du geliebt hast, haben dir nur Leid zugefügt. Physisch wie psychisch. Aber kennst du uns so schlecht? Erwecken wir für dich den Eindruck, dass wir Cara das auch antun würden? Denn um ehrlich zu sein, so scheint es mir gerade. Ich habe es schon gestern zu Matt gesagt, und jetzt sage ich es auch noch einmal zu dir. Ich liebe Cara. Sehr sogar. Und um ihret Willen bin ich froh, dass Dana hier weg ist. Ja, sie mag mich auch schlecht behandelt haben. Aber ich weiß nicht, ob dir etwas aufgefallen ist. Dana hat der verzweifelte Schrei ihrer eigenen Tochter völlig kalt gelassen. Und ich denke, das zeigt sehr gut, was für eine Art Mutter sie ist, welche Art Mensch. Wenn du der Meinung bist, das Matt oder einer von uns anderen auch so ein Mensch ist, dann muss ich ehrlich sagen, enttäuscht mich das.“ sagte Kate mit einem Kopfschütteln und stand auf. Sie ging zum Fenster, verschränkte die Arme und sah in die Ferne.
„Ich war zu jung, um wirklich zu begreifen, was der Tod meiner Mutter bedeutete. Und heute würde ich fast alles dafür geben, sie zurückholen zu können. Du hattest keine Wahl, du wurdest genau wie ich vor vollendete Tatsachen gestellt. Aber deine Mutter ist nicht tot, sie will nur nichts mit dir zu tun haben. Aber ich denke, etwas verbindet uns. Ein Gedanke. Und zwar der, das wir sie hätten aufhalten können. Das sie geblieben wären, wenn wir sie darum gebeten hätten, wenn wir gefleht hätten.“ sagte Kate leise. Dann drehte sie sich wieder zu Mac um.
„Cara wird diese Illusion niemals haben. Ihre Mutter hat sie zurückgewiesen, und sie ist alt genug, um sich dessen voll und ganz bewusst zu sein. Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Dieses Wissen, oder wenn Dana einfach tot umgefallen wäre. Auf jeden Fall schmerzt der Verlust. Aber lass mich dir etwas sagen. Cara wird innerhalb dieses Jahres noch darüber hinweg sein. Sie ist fertig, weil sie das alles miterlebt hat. Aber Tobey ist vollkommen ruhig. Er hat noch nicht ein Mal heute Theater gemacht, er vermisst Dana überhaupt nicht. Würdest du allerdings Matt aus seinem Leben und dem von Cara reißen, dann würdest du beiden permanenten Schaden zufügen. Zu Matt haben beide eine Bindung, die ist sogar erstaunlich stark. Aber Tobey hatte gar keine zu Dana. Und Cara… ihre Mutter war für sie wie eine Schulfreundin, nichts Besonderes. Und das ist alles, was ich zu diesem Thema weiter sage.“ erklärte Kate. Mac wartete praktisch wieder darauf, das sie sich entschuldigen würde, und den Raum verlies. Zu ihrem Erstaunen blieb Kate.
„Ich halte euch nicht für die Art von Menschen, die einem Familienmitglied nicht helfen würden.“ sagte Mac erschöpft. „Aber euer Verhalten in diesem Fall ist einfach… falsch.“
„Jeder von uns kennt diese Familie seit seiner Geburt, jeder kennt seine Geschwister seit mindestens einunddreißig Jahren. Jeder kennt Cara seit ihrer Geburt und kennt ihr Verhalten und ihre Reaktionen. Und seit wann kennst du sie? Und dann erlaubst du dir, unsere Entscheidungen in Frage zu stellen?“ schoss Fin zurück.
„Das hat nichts mit der Dauer der Bekanntschaft zu tun. Es ist allgemein erwiesen-“ setzte Mac an.
„Hör verdammt noch mal auf, nur von dir auszugehen!“ entfuhr es Kate. Vince sah sie geschockt an.
„Verdammt, du bist hier nicht die einzige, die ihre Mutter verloren hat!“ rief Kate und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Dann straffte sie ihre Schultern und sah Mac wieder an.
„Jeder von uns fünf kennt diesen verdammten Schmerz so gut wie du. Und nur weil wir einen Vater hatten, der uns in den Arm genommen hat, wird es deshalb nicht besser. Es dämpft den Schmerz, dafür dauert er um einiges länger an. Was glaubst du, wie oft ich mir gewünscht habe, wenn mein Vater mich abends zugedeckt hat und mir einen Kuss auf die Stirn gab, das es meine Mutter sein würde, die das tut. Weißt du, was es bedeutet, am Grab eines Menschen zu stehen, den du über alles geliebt hast, aber an dessen Gesicht du dich nur bruchstückhaft erinnern kannst? Du hast einen Schuldigen gefunden, der für den Weggang deiner Mutter verantwortlich ist, egal ob nun sie persönlich oder dein Vater. Aber hab ich einen Grund, warum sie krank wurde? Warum man sie aus unserem Leben gerissen hat, wenn wir sie alle am meisten brauchten? Nur weil deine Mutter freiwillig ging und unsere gehen musste, ist der Schmerz deshalb nicht geringer.“ erklärte Kate und umfasste ihre Ellenbogen. Vince stand auf und legte sanft den Arm um ihre Taille, Fin blieb sitzen und starrte auf das Parkett. Harm fiel auf, dass seine Augen gerötet waren.
„Ich sage ja nicht, dass es kein geringerer Verlust war, aber es ist ein Unterschied.“ erklärte Mac leise. Kathryn betrat leise das Zimmer und bemerkte die angespannte Atmosphäre.
„Stimmt was nicht? Ist jemand gestorben?“ fragte sie scherzhaft. Fin schluchzte kurz auf und seine Schultern bebten.
„Hey Schatz.“ sagte Kathryn erschrocken und ging vor ihm in die Knie, um in sein Gesicht sehen zu können.
„Was ist denn los bei euch?“ fragte sie vorwurfsvoll und sah von Kate zu Mac und wieder zurück. Harm hatte seinen Arm beschützend um Macs Schultern gelegt.
„Nichts. Unsere Meinungen gehen nur etwas auseinander.“ erklärte Kate, ohne Mac anzusehen.
„Eure Meinungen gehen auseinander? Versuch’s noch mal, und diesmal mit der Wahrheit.“ sagte Kathryn, nun aufgebracht. Fin hatte sich inzwischen wieder beruhigt.
„Kathryn, lass gut sein. Es reicht für einen Abend.“ erklärte er und stand auf.
„Wo willst du hin?“ fragte Kathryn leise, als er an ihr vorbei zur Türe ging.
„Bad.“ gab Fin einsilbig zurück und verließ das Zimmer.
„Ich verlange nicht von Mac, das sie merkt, wann ihn ihre Bemerkungen treffen. Aber von dir schon.“ sagte Kathryn giftig zu Kate.
„Halt dich doch bitte raus. Du warst nicht da und weißt nicht, worum es ging.“ sagte Vince ruhig.
„Ruhe!“ rief Kate da plötzlich.
„Ich hab gedacht, Dana bringt diese Familie auseinander. Aber offensichtlich bedarf es dazu nicht ihrer Hilfe.“ sagte sie ruhiger und massierte sich die Schläfen.
„Ja, dazu bedarf es das schwarze Schaf anscheinend nicht.“ stimmte ihr Jake zu, der das Zimmer betrat. Er ging zu Harm und schüttelte seine Hand.
„Jake O’Hara.“ erklärte er.
„Harmon Rabb jr. Nenn mich Harm.“ erwiderte der.
„Ich hab nicht gewusst, dass heute Familienkonferenz ist, dann wäre ich eher gekommen.“ sagte Jake und verschränkte die Arme. „Obwohl Pace und Dad fehlen. Ihr plant doch nicht etwa einen Putsch?“ fragte er dann scherzhaft. Aber seine Augen stachen, als er Kate ansah.
„Warum denken immer alle, dass ich das Problem bin? Das geht mir langsam auf den Zeiger.“ sagte sie. Mac kannte sie inzwischen lange genug, um genau zu wissen, wann Kate wütend wurde, und gerade war so ein Moment.
„Tut mir Leid, wenn ich dich vorhin vorschnell verurteilt habe, aber Fin dazu zu bringen, in Tränen auszubrechen, noch dazu vor einem Mann, den er gar nicht kennt, das bedarf schon einiges.“ schoss Kathryn zurück. Jake nahm zwei Finger in den Mund und ein schriller Pfiff ertönte. Alle zuckten zusammen, einschließlich Fin und Pace, die gerade das Zimmer betraten.
„So, Schluss jetzt mit diesem Theater. Was habt ihr alle für ein Problem?“ fragte Jake, der als Ältester die Sache in die Hand nahm.
„Das musst du Kate, Vince, Mac und ihren Mann fragen.“ sagte Kathryn.
„Okay, bevor ich das tue, Harm, das sind Kathryn, die Verlobte von Fin, und Pace, der Jüngste von uns Geschwistern. So, und jetzt will ich wissen, was ihr hier veranstaltet habt.“ sagte Jake streng und sah sowohl Kate als auch Mac mit einem Blick an, der jeden Anwalt vor Neid erblassen lassen würde.
„Hey, ich war genauso anwesend und hab meinen Teil dazu beigetragen.“ sagte Fin.
„Und es ging um….?“ fragte Jake erneut.
„Die Entscheidung, das Cara wieder ins Internat geht, und irgendwann sind wir dann bei dem Verlust unserer Mütter gelandet.“ erklärte Fin.
„Dana ist hier rausgeflogen, damit es nicht mehr soviel Streit gibt, und nicht damit ihr euch alle an die Gurgel geht.“ sagte Jake und ließ sich leicht gegen die Sofalehne sinken.
„Wissen wir. Nur sehe ich nicht ein, warum ich nicht meine Meinung offen äußern kann, ohne dafür gleich verurteilt zu werden.“ erklärte Kate in einem Tonfall, der eisig war.
„Euch beide, dich und Mac, sollte man für unbestimmte Zeit in den Keller sperren, damit ihr euch wieder einbekommt.“ erklärte Jake und wischte sich mit der Hand über sein Gesicht.
„Was hat Mac denn gemacht?“ wollte Harm empört wissen.
„Sicher nichts, wessen sie sich bewusst wäre. Okay, Ende der Diskussion. Kein Internat, keine Mütter, keine Cara und keine Dana für den Rest des Abends. Ich hab keine Lust, euch noch mal zu trennen.“ erklärte Jake. Keiner der Geschwister widersprach ihm, oder verleierte auch nur im Geringsten die Augen.
„Gibt es ein Thema, wo kein Streit ausbricht?“ fragte Pace und warf sich in einen anderen Sessel.
„Politik würde ich von der Liste streichen.“ sagte Kate sarkastisch.
„Kate…“ erinnerte Jake sie sanft.
„Was denn, is’ doch so!“ verteidigte die sich.
„Wir könnten damit anfangen, uns unserem neuen Besucher vorzustellen.“ sagte Pace Schultern zuckend.
„Gute Idee.“ stimmte Vince ihm zu.
„Ja. Hey, ich hab was Besseres. Namensschilder.“ sagte Pace dann, wofür er ein unterdrücktes Grinsen von Kate bekam.
„‘Tschuldige, ging nicht gegen dich.“ entschuldigte Pace sich dann bei Harm.
„Pace, der Jüngste.“ erklärte er dann.
„Caitlynn, oder Kate, Zweitjüngste, mich und Vince kennst du ja.“ sagte Kate.
„Finley, oder Fin, Dritter im Bunde, meine Verlobte Kathryn. Nenn sie ja nicht Kathy.“ machte Fin weiter.
„Okay, Matt fehlt leider, und seine Kinder auch. Die drei essen auch nicht mit uns. Aber ich bin Jake, der Älteste.“ erklärte Jake an Harm gewandt.
„Das sollte ich mir mal erlauben, Sonntags nicht mitzuessen.“ nuschelte Pace.
„Wolltest du uns was mitteilen?“ fragte Jake scharf.
„Ja, was gibt’s zu essen?“ fragte Pace, sich vollkommen bewusst, dass Jake seinen früheren Kommentar genau verstanden hatte.
„Dich, wenn du dich nicht benimmst.“ sagte diesmal Fin.
„Witzig. Ich lach später.“ kommentierte Pace das Ganze.
„Auf die Gefahr hin, das gleich neuer Streit ausbricht, warum essen die nicht mit?“ fragte Kathryn.
„Matt will mit Cara reden, und Tobey ist bei Lex und spielt mit Juan.“ erklärte Jake.
„Na wenn das mal gut geht.“ sagte Vince leise.
„In seiner Gegenwart wird Lex nichts sagen.“ erklärte Kate zuversichtlich.
„Hey, wie geht es Grandpa?“ fragte Fin dann Kate.
„Frag Mac, die hat ihn zuletzt gesehen.“ sagte Kate, blickte Mac aber wieder nicht an.
„Ja, aber ich will es von dir hören.“ konterte Fin.
„Es geht ihm beschissen, okay?! Ist es das, was du hören wolltest?!“ explodierte Kate plötzlich.
„Hey, komm langsam mal wieder runter.“ herrschte Jake sie an. Kate nahm den Arm von Vince weg und verließ wortlos das Zimmer.
„Findet ihr das gerecht?“ fragte Vince in die plötzlich entstandene Stille hinein. „Verdammich, sie hat heute schon genug durchmachen müssen, dann hackt doch bitte nicht auch noch auf ihr rum!“
Mac löste sich von Harm, stand auf und ging nach oben, um nach Kate zu sehen. In ihrem Zimmer war sie nicht, also ging Mac wieder nach unten. Als sie auf die Veranda trat, war auch die leer. Nach kurzem Überlegen legte Mac die Entfernung zu den Ställen zurück und betrat die Stallgasse. Aus einer der hinteren Boxen konnte sie ein leises Schluchzen hören. Als Mac an die Box herantrat, zerriss es ihr fast das Herz. Die Box war leer, bis auf ein zusammengekauertes Bündel, das in der hintersten Ecke saß und schluchzte. Kate hatte die Knie angezogen und der Kopf darauf abgestützt. Zögerlich betrat Mac die Box und setzte sich neben Kate ins Stroh. Dann legte sie sanft den Arm über die Schulter ihrer Cousine und zog Kate an sich. Die vergrub ihr Gesicht an Macs Schulter und weinte sich aus. Langsam wurde das Schluchzen weniger, und Kate löste sich wieder. Hastig wischte sie sich die Tränen von den Wangen.
„Tut mir Leid.“ nuschelte sie.
„Nein, es tut mir Leid. Ich war ein unsensibler Trampel.“ erklärte Mac.
„Ich hab dir in nichts nachgestanden.“ gab Kate leise zurück. „Das ist echt nicht meine Woche.“ setzte sie dann mehr zu sich selbst hinzu.
„Das Gefühl kenn ich ziemlich gut.“ gab Mac zurück. Beide boten ein recht komisches Bild, wie sie da mit angezogenen Knien in Stroh saßen und sich anschwiegen. Kate hatte den Kopf nach hinten gegen die Mauer gelegt, und nach einiger Zeit hob sie die Hände und strich sich in einer für sie recht untypisch nervösen Geste die restlichen Haare aus Stirn und Gesicht.
„Macht sich Vince keine Sorgen?“ fragte Mac nach einer Weile leise.
„Sicher. Aber er kennt mich und weiß, wann ich lieber allein sein will.“ gab Kate zurück.
„Soll ich gehen?“ fragte Mac, der plötzlich klar wurde, dass Kate sich nicht ohne Grund zurückgezogen hatte.
„Nein, schon gut.“ beruhigte Kate sie. Eine ganze Zeit lag schwiegen sie sich wieder an, bis Kate ein Schluchzer entfuhr und sie ihr Gesicht wieder in den Händen vergrub.
„Hey, was ist denn?“ fragte Mac besorgt und strich ihr sanft über den Rücken.
„Sie fehlt mir so, Mac. Ich vermiss sie so sehr.“ schluchzte Kate hilflos.
„Deine Mum?“ fragte Mac sanft, obwohl sie die Antwort schon kannte. Kate nickte heftig.
„Wenn ich doch nur mit ihr reden könnte. Ich hab solche Angst, etwas falsch zu machen, mit der Schwangerschaft und allem.“ erklärte Kate und beruhigte sich wieder etwas.
„Du kannst mit mir reden.“ bot Mac an. Kate sah sie dankbar an.
„Danke. Aber das… das ist nicht das selbe.“ sagte sie leise.
„Kathryn?“ schlug Mac vor, wenn Kate schon nicht mit ihr reden wollte.
„Mac, es geht nicht darum, das ich nicht mit dir reden will. Viel mehr darum, das ich mit jemandem reden will, der das alles schon kennt, der das schon hinter sich hat. Und da bist weder du, noch Kathryn die Richtige für.“ gestand Kate.
„Was ist mit Carmen?“
„Carmen ist Carmen. Eine Freundin, die hin und wieder dir Mutterrolle übernommen hat, aber auch nicht mehr.“ sagte Kate und wischte sich die Tränen entschlossen weg.
„Wir sind schon ein tolles Gespann.“ lachte sie dann. Mac sah sie fragend an.
„Cousinen, die sich nicht kennen, aber genau wissen, wie sie die andere verletzten. Wo führt das alles noch hin?“ sagte Kate, nuschelte den letzten Satz aber, sodass Mac ahnte, dass er nicht für sie bestimmt war.
„Egal wohin, ich bin froh, den Weg eingeschlagen zu haben.“ sagte Mac fest.
„Ich frag dich in einer Woche noch mal.“ sagte Kate niedergeschlagen.
„Auch dann wird sich nichts an meiner Meinung geändert haben. Egal wie blöd der Abend gelaufen ist, so hab ich ihn mit dir und deinen Brüdern verbracht. Mit meiner Familie.“ widersprach Mac.
„Komisches Gefühl, hm?“ fragte Kate wissend. „Wenn vollkommen Fremde vor dir stehen und plötzlich deine Familie sind.“
„Komisch ja, aber auf eine gute Art.“ erklärte Mac nachdenklich.
„Hab ich dir schon gesagt, dass es mir Leid tut? Dass du erst jetzt von allem erfährst, meine ich.“ erkundigte Kate sich.
„Ja, hast du. Aber das ist nicht deine Schuld.“
„Doch, Mac.“ widersprach Kate und starrte kurz vor sich hin.
„Vor zwei Jahren hat Dad am Geburtstag von Pace einen Umschlag auf den Tisch gelegt, vor jeden von uns einen. Er hat uns gesagt, dass sich darin die Informationen über unsere Cousine befinden. Wir mussten nur die Hand ausstrecken und ihn öffnen. Keiner hat sich gerührt, irgendwann ist Pace aufgestanden und rausgegangen, ich bin ihm hinterher.“ erzählte Kate leise.
„Dann hat keiner von euch den Umschlag geöffnet, es ist somit nicht nur deine Schuld.“ sagte Mac.
„Vielleicht hätte Jake es getan. Oder Matt.“ widersprach Kate. „Ich hab keine Ahnung, was uns davon abgehalten hat. Ob es immer noch Wut war, oder vielmehr Angst.“
„Angst wovor?“
„Vor deiner Reaktion. Das du wütend wärst, oder uns abweisen würdest. Vielleicht war es die Angst vor Zurückweisung.“
„Ich schätze, meine anfängliche Reaktion hat das auch bestätigt.“
„Nimm es mir nicht übel, aber du kennst uns wirklich nicht. Wenn wir etwas wollen, dann würde uns so schnell nichts davon abbringen. Nein, wir sind um einiges hartnäckiger, als du denkst.“ grinste Kate.
„Ja, und auch um einiges temperamentvoller.“ lachte Mac.
„Oh, das war noch gar nichts. Du solltest uns mal erleben, wenn wir erst richtig in Fahrt kommen.“ stimmte Kate mit ein.
„Danke, lieber nicht.“
„Hey, das ist das O’Hara’sche Temperament, das hast du auch.“ neckte Kate sie.
„Gut zu wissen, woher das kommt.“ nickte Mac belustigt.
„Ja, ein Ire ist ja gut und schön, aber lass niemals mehrere zusammen in einen Raum. Dann kannst du es nämlich mit Doppel-’r’ schreiben.“ sagte Kate bedächtig. Eine Zeit lang herrschte angenehmes Schweigen zwischen den beiden, in der beide einfach ihren Gedanken freien Lauf ließen.
„Wie kommt es, dass man bei euch allen keinen Akzent findet? Weder einen irischen, noch den sonst typischen Südstaaten-Akzent, den ich auch schon bei Michael gehört habe?“ fragte Mac plötzlich.
„Keine Ahnung. Aber ich weiß, was du meinst. Vielleicht liegt es ja genau daran, das Dad Ire ist und einen Akzent hat. Aber wenn du bei Pace genau hinhörst, dann merkst du einen leichten irischen Klang. Jake und die anderen haben uns immer korrigiert, wenn wir bestimmte Dinge falsch ausgesprochen haben. Aber ich finde, es passt zu Pace. Und ob du uns jetzt für verwöhnt hältst, keiner von uns ist je auf eine öffentliche Schule gegangen. Und auf den Privatschulen korrigieren sie dich auch ganz schnell. Aber wenn du gerne etwas mit irischem Akzent hören möchtest, dann kann ich dich leider nur auf Weihnachten vertrösten.“ erklärte Kate.
„Freust du dich auf Weihnachten?“ fragte Mac interessiert. Dieses Jahr würde sie Weihnachten zum ersten Mal mit Harm und Mattie als Familie verbringen, noch dazu in Irland. Das einzige, was sie früher an Weihnachten gemocht hatte, waren die Treffen der JAG-Familie gewesen.
„Teils, teils. Aber dieses Jahr freu ich mich. Weil du dabei bist. Und wegen Harm und Mattie. Es wird euch gefallen.“ sagte Kate zuversichtlich.
„Deine Zuversicht möchte ich haben.“ murmelte Mac.
„Ich verrat dir was, ich bin Pessimist aus Überzeugung.“ sagte Kate grinsend.
„Nein, Ernst beiseite, die anderen sind wirklich nett. Außerdem will ich dir meine Patenkinder vorstellen.“
„Du kennst das Kind von Harriet und Bud nicht, oder?“ erkundigte Mac sich.
„Welches?“ fragte Kate lachend.
„AJ.“
„Doch, die Freude hatte ich schon. Er ist wirklich süß. Und ich weiß, das du und Harm die Paten seit, also spar dir die Erklärung. Nein, aber was mich da schon vielmehr interessieren würde ist, was für ein Deal du und Harm am Geburtstag von AJ ins Leben gerufen habt.“ sagte Kate unschuldig. Hätte Mac etwas in der Hand gehabt, so wäre es zu Boden gefallen und zu Bruch gegangen.
„Wer hat dir was von einem Deal erzählt?“ stammelte Mac, als sie ihre Gehirnzellen wieder zum Arbeiten bewegen zu versuchte.
„Ihr habt mich wohl etwas zu lange mit Mattie allein gelassen.“ grinste Kate.
„Ooh.“ stöhnte Mac.
„Also, ich höre.“ sagte Kate.
„Also schön, aber wehe, du erzählst es irgendjemandem bei JAG.“ drohte Mac.
„Meine Lippen sind versiegelt.“ erklärte Kate feierlich.
„Kate, das ist kein Witz.“ sagte Mac scharf.
„Schon gut, ich sag es keinem. Bis auf Vince vielleicht.“ schwor die.
„Also schön. An dem Tag, an dem AJ geboren wurde, haben Harm und ich einen Deal geschlossen. Wenn keiner von uns beiden in fünf Jahren ab diesem Punkt in einer Beziehung wäre, würden wir ein Kind zusammen bekommen.“ gestand Mac.
„AJ ist schon fast sieben.“ warf Kate ein. Mac atmete tief ein und sah in die Ferne.
„Tut mir Leid, wenn ich was Falsches gesagt habe.“ entschuldigte Kate sich.
„Nein, schon gut. Es ist nur… als die fünf Jahre um waren, spielte mein damaliger Freund mir seinen Tod vor. Später kam raus, dass alles nur eine Finte war, er war bei der CIA.“ erzählte Mac.
„Du bist mit einem Spion ausgegangen? Man lernt doch nie aus.“ sagte Kate leise und überrascht.
„Ich weiß selbst nicht mehr, was mich da geritten hat. Egal. Ich hatte damals zu allem Überfluss starke Rückenschmerzen, und Harm hat für mich einen Termin bei einem Arzt gemacht.“ fuhr Mac fort und schwieg eine Weile, um sich zu sammeln.
„Die Ärztin sagte mir, das mein Rücken nicht das Problem sei.“ sagte sie dann leise.
„Endometriose?“ fragte Kate leise. Mac sah sie überrascht an.
„Meine Nichte ist Ärztin. Bei mir bestand der Verdacht auch mal.“ zuckte Kate mit den Schultern.
„Du hast ins Schwarze getroffen.“ gestand Mac leise.
„Wie schlimm?“ fragte Kate sanft.
„Meine Chancen, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, sind unter fünf Prozent.“
„Aber immerhin sind es Chancen.“ hielt Kate dagegen.
„Ja, und jetzt redest du wie meine Psychologin.“ sagte Mac hart.
„Mac, wenn ich jedes Mal aufgegeben hätte, wenn man mir so was an den Kopf geknallt hätte, dann würde ich heute kettenrauchend Teller in einem Schnellrestaurant spülen.“ erklärte Kate etwas genervt. „Sieh mal, meine Chancen, an dem Internat angenommen zu werden, lagen bei acht Prozent. Man hat mir gesagt, das ich ruhig zum Corps gehen könnte, aber ich würde nie Offizier werden. Mein Studienberater hat mir prophezeit, das ich mit neunzig prozentiger Wahrscheinlichkeit bei der Abschlussprüfung des Jura-Studiums durchfalle. Ach, und nur mal ein Beispiel von anderen Leuten, Grandpa haben sie vor vier Jahren noch sechs Monate zu Leben gegeben. Als Jake als kleiner Junge vom Pferd fiel, hieß es, er wäre mit Sicherheit gelähmt. Mum haben die Ärzte ohne jede Behandlung vielleicht zwei Monate gegeben. Sie hat die Geburt ihres Sohnes erlebt. Tobey hatte mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent das Down-Syndrom oder wäre sonst geistig behindert, er ist aber kerngesund.“
„Meine Chancen, schwanger zu werden, sind so groß, wie die vom Blitz getroffen zu werden.“ sagte Mac wütend.
„Dann stell dich bei Gewitter auf ein verdammtes Feld!“ rief Kate aus. „Wenn ich mir ständig vorsage, das es doch sowieso nicht funktioniert, dann brauch ich mich auch nicht wundern, wenn es das wirklich nicht tut.“ erklärte sie dann etwas sanfter.
„Du hast gut Reden.“
„Bist du sauer auf mich?“ fragte Kate ungläubig.
„Nein. Nein, bin ich nicht. Aber wenn ich mir dich ansehe, oder Harriet… keine eurer Schwangerschaften war gewollt.“ erklärte Mac.
„Vielleicht liegt darin das Geheimnis.“ sagte Kate. Mac sah sie fragend an.
„Wenn man sich selbst unter Druck setzt, geht es meistens schief. Man steckt seine Erwartungen zu hoch. Ich weiß, wie sich das jetzt anhört, aber trotzdem, entspann dich. Vergiss mal alles um dich rum und lass dich fallen. Auch wenn ich nie gedacht hätte, das ich diejenige bin, die das mal sagt.“ sagte Kate sanft und aufmunternd.
„Was glaubst du, was ich versuche?“ fragte Mac verzweifelt.
„Okay, gesetzt dem Falle es funktioniert wirklich nicht, was ist mit Adoption? Ich meine, Mattie ist auch adoptiert. Und wenn du das nicht willst, ist da immer noch künstliche Befruchtung oder gar Leihmutterschaft.“ legte Kate die Möglichkeiten offen.
„Das ist nicht das selbe.“ sagte Mac nur.
„Ich weiß. Aber so wie ich das sehe, hast du zwei Möglichkeiten. Nein, drei. Du kannst aufgeben. Oder du versuchst krampfhaft, etwas zu erzwingen. Oder du kannst auch alles vergessen und sehen, wohin es dich führt.“ schlug Kate vor.
„Das wäre das gleiche wie auf ein Wunder hoffen.“
„Die Entstehung des Universums ist ein Wunder. Auf eine Landmine zu treten, und nur ein Bein zu verlieren ist ein Wunder. Seelenverwandtschaft und unendliche Liebe sind Wunder.“ sagte Kate sehr sanft.
„Ich glaube, wir stehen hier wieder auf verschiedenen Seiten.“ schüttelte Mac den Kopf und starrte auf den Boden.
„Weil ich bereit bin, an etwas zu glauben, wofür ich keine Beweise habe?“ fragte Kate sanft. Mac sah sie überrascht an.
„Ich bin nicht ganz blöd, Mac. Aber mein Glauben hat mit unserer Unterhaltung herzlich wenig zu tun.“
„Hättest du dich gegen dieses Kind entscheiden können?“ fragte Mac provozierend.
„Nein. Weil es das Kind von Vince ist, und ich ihn über alles liebe, wie dieses Kind. Aber hätte mich jemand vergewaltigt, dann hätte ich mich dagegen entschieden. Egal, was die Position der Kirche zur Abtreibung ist. Ach, und die Kirche ist auch gegen Empfängnisverhütung, ich hingegen hab die Pille genommen und Kondome benutzt. Zumindest früher. Mein Glaube an Gott hält mich nicht davon ab, wissenschaftliche Fakten zu akzeptieren oder ihnen zuzustimmen. Ich lebe nicht hinter dem Mond, Mac.“ hielt Kate dagegen.
„Ich will mich nicht mit dir streiten.“ erklärte Mac und stand auf.
„Du glaubst mir nicht.“ stellte Kate nüchtern fest. Mac sah sie nur zweifelnd an.
„Okay, dann eben nicht. Lassen wir dieses Diskussion, die solltest du sowieso besser mit deinem Mann führen.“ erklärte Kate endgültig und stand ebenfalls auf. Sie klopfte sich abwesend die Hosen sauber, und als sie aufsah, bemerkte sie den zweifelnden Blick, mit dem Mac sie ansah.
„Was?“ fragte Kate verunsichert.
„Bist du deswegen etwa sauer auf mich?“ fragte Mac verblüfft.
„Nein. Es ist dein Leben, und deine Entscheidung.“ erklärte Kate.
„Tut mir Leid, wenn es sich für dich so angehört hat. Ich bin nicht sauer, und dazu hätte ich auch kein Recht.“ sagte sie dann sanfter.
„Aber du hältst meine Entscheidung für falsch.“
„Mac, du verwechselst hier gerade die Rollen. Du bist die Ältere, nicht ich. Und wenn du diese Entscheidung getroffen hast, dann wird es einen Grund dafür geben. Und ich halte deine Entscheidung nicht für falsch.“
„Entschuldige. Ich bin nur verunsichert.“
„Hast du dir schon mal überlegt, wieso ich dich so leicht ins Wanken bringen kann? Obwohl ich jünger bin und du mich kaum kennst?“ erkundigte Kate sich wissend. Mac schüttelte den Kopf.
„Weil du insgeheim nicht hinter dieser Entscheidung stehst.“ beantwortete Kate ihre eigene Frage. „Deshalb hab ich dich so verunsichert. Tief in dir drin willst du gerne einen anderen Weg gehen. Ich geb dir einen Tipp, wag es. Geh den Weg, den du gehen willst. Und schreck nicht davor zurück, nur weil die Möglichkeit besteht, dass es schief geht. Die gibt es immer.“
„Sicher das du Anwältin bist, und keine Psychiaterin?“ fragte Mac scherzhaft.
„Ich hab einen Profiling-Kurs belegt.“ gab Kate schmunzelnd zurück.
„Danke für die Warnung.“ sagte Mac.
„Aber in dem hab ich das bestimmt nicht gelernt. Ich hab vier Brüder, und die hab ich oft genug versucht, zu irgendwelchem Blödsinn zu überreden.“ sagte Kate und trat aus der Box heraus.
„Wie spät ist es?“ fragte sie Mac.
„2046″ sagte die ohne Zögern.
„Wir sollten wieder zurück gehen. Es gibt bald Essen.“ sagte Kate. Gemeinsam gingen sie zurück ins Haus und betraten den Salon. Kathryn, Fin, Pace und Jake hatten sich zurückgezogen. Nur Vince und Harm saßen noch da und starrten Löcher in die Luft. Vince war der erste, der die Anwesenheit der beiden bemerkte und stand auf, um Kate zu küssen. Die drehte jedoch leicht ihren Kopf weg, sodass seine Lippen ihre verfehlten.
„Wo sind die anderen hin?“ fragte sie, löste Vinces Arme, die sich um ihre Taille geschlungen hatten, und setzte sich in einen der Sessel.
„Pace ist nach oben gegangen, Fin und Kath auch. Wo Jake ist weiß ich nicht, aber er sucht dich sicherlich.“ sagte Vince. Kate holte ihr Handy aus der Hosentasche und wählte eine Nummer.
„Hey, ich bin’s. Wir sind im Haupthaus.“ sagte sie nach einer Weile.
„Nein, schon gut. Ich dich auch, bis gleich.“ fügte sie nach einer Pause hinzu und legte wieder auf.
Jake betrat nach zehn Minuten den Salon. Bevor er groß etwas sagen konnte, erschien eine junge Frau mit braunen Haaren und Hausmädchentracht in der Tür.
„Das Essen ist serviert, Ihr Vater bittet zu Tisch.“ sagte sie etwas verlegen.
„Danke Susan.“ bedankte Jake sich mit einem aufmunternden Lächeln. Mac bemerkte zum ersten Mal die Anwesenheit eines Dienstboten im Haus, abgesehen vom ersten Frühstück, das sie auf Fairlea eingenommen hatte. Sie gingen alle ins Esszimmer und setzten sich um den Tisch, Ephram wieder an die Stirnseite. Etwas überrascht bemerkte Mac, wie die Geschwister und Ephram die Hände zum Tischgebet falteten. Gut, was hieß die Geschwister, eigentlich waren es Kathryn, Kate, Ephram, Vince und Fin. Pace spielte mit seiner Serviette und Jake starrte in die Luft.
„Segne, Vater, diese Speise,
uns zur Kraft und Dir zum Preise.
Wir bitten, Herr, sei unserm Haus
ein steter Gast, tagein, tagaus,
und hilf, dass wir der Gaben wert,
die Deine Güte uns beschert.
Herr, wir danken dir,
dass wir auch heute wieder vor vollen Tellern sitzen.
Wir bitten dich: Gib auch denen zu essen,
die nicht einmal einen Teller haben.
Amen.“ sprach Ephram.
Fin, Kate, Vince und Kathryn sowie Harm und Mac sagten ebenfalls ‘Amen.’ Pace und Jake hingegen schwiegen weiter.
„Bitte, lasst es euch schmecken.“ erklärte Ephram. Alle aßen für eine Weile schweigend, bis nach und nach eine leichte Unterhaltung entstand, bei der auch Harm gern mit einbezogen wurde. Vor allem er und Jake schienen sich gut zu verstehen. Mac bemerkte etwas verwirrt den besorgten Blick, den Ephram Pace zuwarf. Der war seit der Auseinandersetzung in Salon erstaunlich schweigsam gewesen, und trug wenig zur Konversation bei. Kate schien den Verhaltensumschwung bei ihrem Bruder auch bemerkt zu haben, bemühte sie sich offensichtlich um ein Zweiergespräch mit ihm. Als alle ihr Besteck weggelegt hatten, wurde das Geschirr von zwei Angestellten weggeräumt, und das Dienstmädchen, das sie auch schon zum Essen gerufen hatte, stellte Tassen und Gläser sowie eine Kaffeekanne und eine Wasserkaraffe auf den Tisch. Pace zog sich wortlos zurück, was von den anderen nicht weiter kommentiert wurde. Kate und Kathryn versanken in einer Unterhaltung, Fin und Vince diskutierten mit Ephram die Vor- und Nachteile der Pferdezucht, und Harm und Mac unterhielten sich etwas. Jake war der nächste, der sich zurückzog, ihm folgte wenig später Ephram. Kathryn zog Fin sanft mit sich, und Vince ging auch eher nach oben. Nun blieben nur noch Kate, Mac und Harm übrig.
„Sieht so aus, als hättest du den ersten Abend mit unserer Familie überlebt.“ sagte Kate, wobei ein freundliches Lächeln um ihre Mundwinkel spielte.
„So schlimm war es gar nicht.“ beruhigte Harm sie.
„Oh, nur keine Untertreibung. Ich kann mir vorstellen, welchen Eindruck wir auf dich gemacht haben.“ seufzte Kate und nippte an ihrem Wasser.
„Nein, es war nett.“ beharrte Harm.
„Aber?“ wollte Kate wissen.
„Versteh mich nicht falsch, aber ein Tischgebet? Wenn ihr bei uns esst, habt ihr nie eins gesprochen.“ erklärte Harm. Seine Verwirrung war offensichtlich.
„Es gibt auch stumme Tischgebete.“ schmunzelte Kate.
„Oh.“ entfuhr es Harm.
„Aber ich versteh, worauf du hinaus willst.“ fügte sie dann hinzu und ihr Grinsen verschwand. „Wobei ich nicht weiter darüber sprechen möchte.“
„Wozu dich ja auch keiner zwingt.“ bestätigte Harm.
„Du platzt vor Neugier.“ stellte Kate trocken fest. Harm sah sie ertappt an. „Ist schon gut.“ beruhigte Kate ihn.
„Du verzichtest außerhalb dieses Hauses auf ein Tischgebet, und zwei deiner Brüder beachten es überhaupt nicht.“ entfuhr es Harm. Kate, die gerade mit einer sauber gebliebenen Serviette gespielt hatte, sah ihn getroffen an.
„Jake und Pace haben ihre Gründe.“ erklärte sie nur monoton.
„Die müssen gut sein, wenn dein Vater dazu nichts sagt.“ bohrte Harm weiter. Mac trat ihn leicht unter dem Tisch.
„Jake hat seine Frau verloren, und Pace die Liebe seines Lebens. Solch ein Verlust zieht immer eine Konsequenz nach sich, und bei den beiden eben diese. Und jetzt Schluss mit diesem Thema.“ sagte Kate fest.
„Und du hast niemanden verloren?“ hakte Harm weiter nach. Diesmal fiel der Tritt von Mac stärker aus.
„Lass ihn, Mac.“ seufzte Kate. „Du willst eine Antwort?“ fragte sie dann Harm. Als der nickte, atmete sie tief durch.
„Meine Mutter habe ich verloren, als ich noch nicht begreifen konnte, was der Tod bedeutet. Galina, die Frau von Jake, war die nächste. Diesmal hab ich es bewusst erlebt. Als am elften September das Flugzeug ins Pentagon flog, erschlug es einen sehr guten Freund. Und Rachel, die Freundin von Pace, war meine beste Freundin. Manchmal hat man das seltsame Gefühl, das ein Fluch auf dieser Familie liegt. Alle geliebten weiblichen Familiemitglieder sind tot, mich ausgenommen. Kathryn ist noch nicht mit Fin verheiratet, also nehmen wir sie auch aus. Und der Freund, der starb, hat uns allen hier viel bedeutet. Ich für meinen Teil sehe Trost in Gott, Jake und Pace hingegen den Verursacher ihres Leides. Und mehr sage ich dazu nicht. Entschuldigt mich bitte, ich bin müde.“ erklärte sie, stand auf und ging.
„Die Fragerei war falsch, oder?“ fragte Harm leise, als Kate weg war.
„Ja, war sie. Aber ich hab dich gewarnt.“ sagte Mac.
„Ich weiß.“ seufzte Harm. „Und, wie geht es dir?“ fragte er sie sanft und drehte sich richtig zu ihr, da die beiden zuvor nebeneinander saßen.
„Gut, denke ich.“ zuckte Mac mit den Schultern.
„Du bereust deine Entscheidung nicht?“ hakte er sanft nach, um sich sicher zu sein.
„Nein. Im Gegenteil, ich bin froh, es gewagt zu haben. Sie sind wirklich nett. Alle miteinander.“ erklärte Mac.
„Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber sicher nicht das alles hier.“ gab Harm zu.
„Der Luxus?“ fragte Mac wissend.
„Auch. Obwohl es alle nicht zu interessieren scheint, wie reich sie sind. Nein, ich meine auch dieses Band zwischen allen. Als du und Kate weg wart, da hat sich Jake von Kathryn eine Moralpredigt anhören müssen, weil er Kate verletzt hat. In der einen Sekunde ging sie auf Kate los, und in der anderen stauchte sie Jake zusammen, weil er Kate nur ermahnt hat.“ erzählte Harm.
„Von dem, was Ephram gesagt hat, kann nur Jake Kate richtig treffen.“ stimmte Mac ihm zu.
„Wie kommst du mit denen aus?“
„Erstaunlich gut. Ich hatte erwartet, dass sie zumindest einen kühlen Ton mir gegenüber anschlagen, aber keine Spur davon. Bis auf die Frau, oder bald Exfrau, von Matt hat keiner mich auch nur im Geringsten angegriffen. Im Gegenteil, Pace hat mir gesagt, das meine Mutter mich nicht verdient hat, und es ihr recht geschieht, wenn ich nichts mit ihr zu tun haben will.“ antwortete Mac und ein leichtes Lächeln spielte um ihren Mund, als sie an seine Worte zurückdachte.
„Sollte ich mir Sorgen machen?“ fragte Harm amüsiert.
„Er hat etwas, aber dir kann niemand das Wasser reichen. Außerdem ist er erst 31 und mein Cousin.“ lachte Mac.
„Gut, was ist mit diesem Fin?“ hakte Harm nach.
„Ich kann ihn nicht richtig einschätzen. Ich weiß auch nicht, er hat eine Art an sich, die manchmal etwas zu sanft zu sein scheint. Im nächsten Moment ist er jedoch hart wie ein Stein.“ seufzte Mac.
„Eben ein echter Marine. Und Jake?“
„Er scheint manchmal so eine Art Vaterrolle zu übernehmen, besonders bei Kate und Pace. Wobei Pace sich dann sehr gern gegen ihn auflehnt. Übrigens, die Tochter von Matt ist fünfzehn, vielleicht freunden Mattie und sie sich ja an.“
„Ja, vielleicht. Wobei ich das bezweifle. Ich kenn das Mädchen zwar nicht, aber Mattie ist ihren gleichaltrigen Mitschülern schon zu reif, wie wird sie dann erst auf ein Mädchen wirken, das jünger als sie selbst ist?“ gab Ham zu bedenken.
„War nur so eine Idee. Passt Mathew auf sie auf?“ fragte Mac.
„Ja, zusammen mit Jen.“
„Harm, was mir gerade einfällt, Kate hatte gemeint, dass, wenn wir Weihnachten nach Irland fliegen es Mattie schwer haben wird. Die Kinder sprechen alle kaum Englisch, sondern nur Irisch, was dort die Amtssprache ist.“ sagte Mac etwas zerknirscht.
„Großartig.“ stöhnte Harm.
„Hey, ich hab mir das ja nicht ausgesucht.“ verteidigte Mac sich.
„Weiß ich ja. Tut mir Leid, aber ich hielt es für eine gute Gelegenheit, dass Mattie mal etwas aus sich heraus geht. Aber wenn niemand sie dort versteht, seh ich da schwarz.“ entschuldigte Harm sich.
„Kate hatte gesagt, das Cara, also die Tochter von Matt, und Steven Englisch als Muttersprache haben. Aber frag mich nicht, wer Steven ist und wie alt er ist, das hat Kate mir nicht gesagt.“ sagte Mac und gähnte kurz.
„Hey, du bist ja müde.“ staunte Harm nicht schlecht. Sonst musste er Mac fast zwingen, mal schlafen zu gehen.
„Nicht richtig. Nur etwas erschöpft.“ widersprach die. Harm stand auf und nahm sanft ihre Hand.
„Lass uns nach oben gehen. Bevor du mir noch einschläfst.“ neckte er sie etwas.
„Na warte.“ drohte Mac, stand aber bereitwillig auf und ging Hand in Hand mit ihm nach oben. Als sie ihre Zimmertür öffnete, verschlug es ihr den Atem. Gerührt und überrascht schlug sie die Hand vor den Mund. Harm zog sie sanft hinein und schloss die Tür wieder hinter den beiden.
„Gefällt es dir?“ fragte er leise.
„Harm, ist wundervoll.“ flüsterte Mac. Im ganzen Zimmer standen Teelichter, und von der Tür war mit dunkelroten Rosenblättern eine Spur zum Bett gestreut wurden. Auf dem Bett lagen auch lauter Rosenblätter und eine einzelne dunkelrote Rose.
„Hast du das alles gemacht?“ fragte sie gerührt. Das mussten an die hundert Teelichter sein.
„Die Blüten, die Rose und die Kerzen aufgestellt, ja. Angezündet hat sie Vince für mich.“ gestand er. Liebevoll umschloss er Macs Taille und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen.
„Ich liebe dich.“ flüsterte Mac, als sie sich wieder trennten.
„Ich dich auch.“ gab Harm leise zurück. Und das waren für eine lange Zeit die einzigen Worte, die die beiden wechselten…
*~*~*

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