Christmas Miracles (7)

Sätze, die keine Anführungszeichen sondern einen Strich davor haben, werden auf Irisch gesprochen. Bsp |Hallo.|

22.Dezember
1024 Ortszeit
Burg Hartenstein
außerhalb von Ennis, Irland

Mac, Harm und Mattie waren von einem Fahrer am Flughafen abgeholt wurden. Der parkte gerade das Auto und lies sie aussteigen und in die riesige Eingangshalle gehen.

„Wog.“ entfuhr es Mattie. Das passte ziemlich gut. Obwohl draußen Schnee lag, war es angenehm warm. An der Wand hingen zwei entzündete Fackeln, ein roter Teppich verlief über den Gang. An dessen Ende befanden sich drei Treppen, eine führte nach oben und war leicht geschwunden, eine andere, ebenfalls geschwungen, führte nach unten, und die dritte verlief fünf Stufen nach unten in einen Saal.

„Na, gut angekommen?“ fragte Kate, die die Treppe, die nach oben führte, nach unten kam, um sie zu begrüßen.

„Ja, danke.“ antwortete Mac und knöpfte sich den Mantel auf. Kate trug einen grünen Rollkragenpullover, der, anders als die meisten ihrer Sachen, weiter geschnitten war, und eine verwaschene Jeans. Mac hatte eine langärmlige Bluse, Harm ein Hemd und Mattie einen blauen Pullover mit V-Ausschnitt an. Alle drei trugen Jeans. Mathew hatte sich entschieden, Weihnachten mit seinem Vater in Texas zu verbringen.

„Huch.“ entfuhr es Mac, als plötzlich ein Mann im Anzug neben ihr stand und die Hand so hielt, dass sie ihm ihren Mantel geben konnte.

„Keine Angst, er beißt nicht.“ grinste Kate, als sie sie erreicht hatte.

|Danke. Das wäre dann alles. Und sorgen Sie bitte dafür, dass die Sachen der drei auf ihre jeweiligen Zimmer gebracht werden.| wandte sie sich dann an den Angestellten. Der verbeugte sich und zog sich mit den drei Mänteln zurück.

„Was hast du zu ihm gesagt?“ fragte Mattie.

„Nichts Wichtiges. Die Angestellten verstehen auch Englisch, also wenn ihr was braucht, wendet euch einfach an sie. Vince und die anderen sind in der Stadt. An Weihnachten gehen wir in die Kirche und hören uns die Messe an, und jetzt versuchen sie krampfhaft jemanden zu finden, der bereit ist, sie auf Englisch zu halten.“ erklärte Kate und verzog leicht das Gesicht.

„Hey, ich hoffe, du hast ein Kleid gefunden?“ wandte sie sich dann an Mattie.

„Muss ich wirklich eins anziehen?“ fragte die weinerlich.

„Wenn du auffallen willst, dann tun es auch Jeans und Pulli, aber damit bist du dann die einzige. Wenn du willst, zeig ich dir nach dem Mittagessen was, vielleicht stimmt dich das um. Seit ihr eigentlich sehr müde?“ fragte Kate dann die drei, als sie aus den Augenwinkeln sah, wie Mac ein Gähnen unterdrückte.

„Ein bisschen. Ich würde mich gern etwas hinlegen.“ gab Mac zu.

„Okay, dann folgt mir.“ forderte Kate sie auf und stieg die Treppe nach oben. Die drei folgten ihr und fanden sich schnell in einem langen Gang wieder, der von massiven Holztüren gesäumt wurde. Das ganze sah fast aus wie im Mittelalter. An den Türen hingen vergoldete Nummern, sodass die Orientierung erleichtert wurde.

„Okay, Mattie, das ist dein Zimmer. Du musst es dir leider mit Cara teilen, zumindest bis zum Achtundzwanzigsten. Daneben ist das von Harm und Mac, und in dem danach schlafen Vince und ich. Ich lass euch dann allein, zum Essen holt euch jemand.“ erklärte Kate und verschwand wieder nach unten.

Mattie, Harm und Mac sahen sich kurz an. Dann öffnete Mattie ihre Zimmertür und hielt überrascht den Atem an. Hinter der Tür lag ein großer, geräumiger Raum, in dem zwei Himmelbetten standen. Im Kamin prasselte ein Feuer und es war gemütlich warm. Auf dem einen Bett lag Matties Reisetasche, auf dem anderen ein Stoffbär und ein zerlesenes Buch. Mattie sah sich kurz um, und entdeckte eine weitere Tür. Als sie die öffnete, stand sie in einem geräumigen Bad. Mattie schaltete das Licht im Bad wieder aus und trat an das Fenster. Sie konnte auf den von Schnee bedeckten Innenhof blicken, in dem sich drei Kinder, zwei Männer und eine Frau eine Schneeballschlacht lieferten. Mattie seufzte und schloss die Zimmertür. Dann machte sie sich daran, ihre Sachen in die eine Hälfte des riesigen Schrankes zu räumen, der im Zimmer stand. In der anderen waren sauber schon Sachen einsortiert und es hingen ein Mantel und zwei Kleider auf den Bügeln. Mattie rollte leicht mit den Augen und räumte ihre Sachen weg. Als sie den Schrank wieder schloss, fiel ihr ein Lautsprecher auf ihm auf. Sie suchte kurz und fand sie Stereoanlage, zu dem der Lautsprecher gehörte. Als sie sie einschallte, redete ein Moderator in einem für sie unverständlichen Kauderwelsch auf sie ein, sodass sie sich eine ihrer CDs suchte und sie anstellte. Dann kramte sie ein Buch hervor, zog die Schuhe aus und schmiss sich auf ihr Bett. Sie war vollkommen in ihr Buch vertieft, als die Tür aufflog und ein Junge dicht gefolgt von einem Mädchen hereingestürmt kam. Der Junge warf sich auf das Nachbarbett, das Mädchen blieb jedoch erschrocken stehen.

„Oh.“ entfuhr es ihr. Mattie sah von dem Buch auf und griff nach der Fernbedienung, um die Anlage auszuschalten.

|Tobey, los, geh und zieh dich um. Du erkältest dich sonst.| fuhr Cara ihn an. Tobey steckte ihr die Zunge heraus und rannte aus dem Zimmer. Cara schloss die Tür hinter ihm und zog sich den nassen Mantel und Handschuhe aus. Sie schaffte sie in Bad, setzte sich auf ihr Bett und zog sich die Stiefel aus.

„Hey, du bist sicher Mattie. Ich bin Cara. Und der komische Junge ist mein Bruder, Tobey.“ sagte Cara freundlich. Mattie sah sie nur an, als hätte sie den Verstand verloren.

„Ich geh mich dann umziehen.“ sagte Cara, als sie keine Antwort von Mattie bekam, suchte sich neue Hosen und einen dünneren Pullover und verschwand im Bad. Mattie widmete sich wieder ihrem Buch. Als Cara wieder herauskam, hatte sie eine Bürste in der Hand und löste ihren Pferdeschwanz. Sie stellte die CD von Mattie wieder an und bürstete sich die Haare kräftig durch. Dann schaffte sie die Bürste zurück ins Bad, legte sich auf ihr Bett und holte das zerflederte Buch hervor, um darin zu lesen.

„Warum hast du das gemacht?“ fragte Mattie plötzlich. Cara sah sie fragend an.

„Die Musik. Wieso hast du sie angestellt?“ hakte Mattie nach.

„Mir gefällt sie, und ich hör immer Musik, wenn ich lese.“

„DIR gefällt Five For Fighting?“ fragte Mattie ungläubig.

„Ist das verboten?“ fragte Cara etwas bissig.

„Nein. Nein, ich hatte nur gedacht…“ setzte Mattie zu einer Erklärung an.

„Was? Das ich die Spice Girls höre?“ unterbrach Cara sie.

„Ich kann dich beruhigen, tu ich nicht, und auch nicht die Backstreet Boys, oder US5, oder was weiß ich. Und nun entschuldige mich, ich würde das gern lesen.“ machte Cara weiter und vergrub ihre Nase wieder in ihrem Buch. Mattie zuckte mit den Schultern und widmete sich wieder ihrer eigenen Lektüre. Kurze Zeit später klopfte es an der Tür. Cara legt ihr Buch auf das Bett und ging nachsehen. Kate betrat das Zimmer und Cara ging zurück zu ihrem Bett.

„Hey, ihr kommt soweit klar?“ fragte Kate und drehte die Musik leiser.

„Jep.“ kam es von Cara, die schon wieder voll und ganz in der Welt ihres Buches war.

„Mattie, du auch? Fehlt euch was?“ hakte Kate weiter nach.

„Nein, alles bestens.“ sagte Mattie und rollte leicht mit den Augen.

„Cara, siehst du mal bitte nach, wo dein Bruder steckt?“ bat Kate sie. Cara sah unwillig von ihrem Buch auf.

„Bitte noch heute.“ fügte Kate hinzu. Cara klappte das Buch zu, verlies das Zimmer und schloss die Tür von außen. Kate ging langsam zu ihrem Bett und setzte sich.

„Habt ihr euch gestritten?“ fragte sie Mattie sanft.

„Nein, wir haben kaum fünf Sätze miteinander gewechselt.“ gab Mattie zurück.

„Ach Mattie.“ seufzte Kate und griff nach Caras Buch. Als sie den Titel las, schüttelte sie den Kopf und lächelte in sich hinein.

„Weißt du, Cara hat so viele Bücher. Aber das einzige, was sie immer wieder liest, ist das alte Ding.“ sagte sie und hielt es hoch, sodass Mattie den Titel lesen konnte.

„‘Der Ruf Des Delfins’?“ fragte sie ungläubig.

„Nette Geschichte. Ein Junge rettet die Nachbarskinder aus einem Feuer und bricht sich dabei die Beine. Seine Mutter und sein Stiefvater sind in den Flammen umgekommen, und er lebt dann mit der Familie der anderen Kinder. Sie fahren nach Florida, zu einer Schwimmtherapie, und der Junge freundet sich mit einem Delfin an. Nach und nach findet er zu seinem Selbstvertrauen zurück… egal, wie auch immer. Cara ist ein sehr aufgewecktes Mädchen, das sie schweigend auf ihrem Bett hockt und liest passt nicht wirklich zu ihr. Sie unterhält sich lieber, aber sie wird dir nicht hinterher rennen, wenn du sie abblitzen lässt. Auch wenn es unter deinem Niveau ist, dich bei einer Schneeballschlacht auszutoben, sei nett zu ihr. Ich kann dich auch mit jemand anderem in ein Zimmer stecken, aber davon hast du dann nicht viel, weil diejenige dann kaum Englisch sprechen wird. Cara kann sich auf einer intelligenten Ebene mit dir unterhalten, aber wenn du lieber deine Ruhe willst, dann musst du es nur sagen, und sie wird dich in Frieden lassen. Aber ignorier sie nicht, das hat sie nicht verdient. Und ihr Bruder auch nicht.“ erklärte Kate und stand wieder auf.

„Was hab ich denn bitte falsch gemacht?“ fragte Mattie leicht gereizt.

„Wenn du schlecht Laune hast, dann lass sie nicht an mir aus.“ gab Kate scharf zurück.

„Und was dein Handeln angeht, ich weiß es nicht. Aber die Spannung in der Luft ist dick genug, um sie zu schneiden. In einer halben Stunde gibt es Essen, sei so gut und setz wenigstens dann ein anderes Gesicht auf.“ sagte Kate etwas sanfter und ging. Cara kam keine Minute später wieder und schloss diesmal die Tür von innen ab.

„Fehlt mir noch, das die wieder hier auftaucht.“ antwortete sie auf Matties fragenden Blick.

„Kannst du sie etwa nicht leiden?“ fragte Mattie scherzend.

„Kommt drauf an. Manchmal ist sie ganz cool, aber dann lässt sie die erwachsene Tante raushängen, das nervt.“ zuckte Cara mit den Schultern.

„Hast du deinen Bruder gefunden?“ erkundigte Mattie sich und setzte sich auf.

„Ja, er war bei meinem Dad im Zimmer, wo er auch schläft. Hast du echt geglaubt, er wäre verschwunden?“ fragte Cara ungläubig.

„Nicht wirklich.“ gab Mattie zu.

„Was liest du?“ frage Cara und setzte sich auf ihr Bett.

„Illuminati von Dan Brown.“ sagte Mattie und hielt das Cover des Buches so, das Cara es sehen konnte.

„Bist du schon durch?“ fragte Cara.

„Ja, ich hab es schon zwei Mal gelesen.“ gab Mattie zu.

„Ich auch. Ist wirklich gut. Hey, frag doch Kate ob sie dir ihr Buch von Dan Burstein gibt, da nimmt er Illuminati so richtig auseinander.“ schlug Cara vor.

„Vielleicht.“ zögerte Mattie.

„Mit wem warst du vorhin auf dem Hof?“ fragte sie Cara dann.

„Mit meinem Dad, Tobey und Henry und seinen Eltern. Die wohnen in Shannon und arbeiten an Weihnachten hier.“ erklärte Cara.

„Ach so.“ kam es von Mattie.

„Hey, welche Klasse bist du?“ fragte Cara.

„Elfte. Und du?“ wollte Mattie wissen.

„Zehnte.“

„Wohnst du in Texas auf der Ranch?“ erkundigte Mattie sich.

„In den Ferien. Sonst bin ich im Internat, mit Tobey zusammen. Und du?“

„Öffentliche High School. Ich wohn mit Harm und Mac in McLean.“

„Ihr könnt in der Schule doch anziehen, was ihr wollt, oder?“ fragte Cara.

„Ja, du etwa nicht?“

„Nein, bei uns gibt es Schuluniformen. Ich bin ein Jahr lang auf eine Privatschule gegangen, und nächstes Jahr kann ich wieder auf das Internat. Aber an beiden Schulen muss man Uniformen tragen.“ seufzte Cara.

„Na ja, so zieht dich wenigstens keiner wegen deinen Klamotten auf.“ versuchte Mattie, etwas Positives daran zu sehen.

„Ja, aber euch schreibt man nicht vor, wie lang der Rock sein muss, wann man welche Jacke anzieht, und was ihr in Sport anziehen müsst.“ rollte Cara mit den Augen.

„Wie verstehst du dich mit Kate und Mac?“ wechselte Mattie das Thema.

„Mac ist nett. Wirklich. Sie kann einen zum Lachen bringen. Na ja, Kate ist halt meine Tante. Das war sie schon immer, und das wird sie auch immer bleiben. Ich glaub, bei mir spielt sie die Überlegenheit aus, die sie bei Galina nie empfunden hat.“ überlegte Cara.

„Galina?“

„Die Tochter von Jake, meine Cousine und die Nichte von Kate. Zumindest theoretisch. Kate war sechs, als Galina geboren wurde, die beiden sind eher wie Schwestern oder Freundinnen zueinander, aber nicht wie Tante und Nichte.“ erklärte Cara.

„Tobey kann doch auch Englisch, oder?“ vergewisserte Mattie sich.

„Ja, wieso?“

„Weil du mit ihm auf Irisch gesprochen hast. Ich hab mich nur gewundert.“ zuckte Mattie mit den Schultern. In dem Moment klopfte es, und Cara stand auf, um nachzusehen.

|Miss Cara, das Essen ist serviert.| sagte der Dienstbote vor der Türe.

„Danke, wir finden den Weg allein. Du darfst dich zurück ziehen.“ erwiderte Cara höflich.

„Kommst du?“ wandte sie sich dann an Mattie.

*~*~*

1203 Zulu
Burg Hartenstein
außerhalb von Ennis, Irland

Mattie und Cara hatten im Festsaal an einer Tafel Platz genommen. Das Essen wurde wieder von Hausangestellten serviert, Kate, Matt, Tobey, Harm und Mac saßen schon, als die beiden Teenager den Raum betraten. Ephram sprach wieder das Tischgebet, was Mac und Harm schon aus Texas kannten.

„Und, wie gefallen euch eure Zimmer?“ fragte Matt, als das Essen freigegeben war.

„Wundervoll. Wirklich, einfach traumhaft. Und die Aussicht ist atemberaubend.“ antwortete Mac verträumt.

„Mattie?“ wandte Matt sich an sie. Kate war erstaunlich still und in sich gekehrt.

„Mit einem Wort? Wow. Obwohl ich nur auf den Innenhof sehen kann, es ist wundervoll. Alles hier scheint in einer ganz anderen Zeit zu liegen als McLean oder überhaupt der Rest der Welt. Es ist hier so still und friedlich.“ erklärte Mattie.

„Das ist der Sinn. Es soll eine Rückzugsmöglichkeit für jedes Mitglied der Familie sein.“ gab Matt mit einem warmen Lächeln zurück.

„Entschuldigt mich.“ sagte Kate plötzlich, stand auf und verlies hastig den Saal.

„Stimmt was nicht?“ fragten Mac und Mattie gleichzeitig.

„Lassen wir sie vorerst.“ entschied Matt und widmete sich wieder dem Essen. Als sie ihr Essen beendet hatten, kehrten alle wieder auf ihre Zimmer zurück, bis auf Mac, die klopfte an die Tür von Kate.

„Kate, ich bin’s, Mac.“ rief sie laut, als sie keine Antwort von Kate bekam.

„Kate, ich komm jetzt rein.“ rief sie nach einer langen Pause, atmete tief durch und betrat Kates Zimmer. Es war genau so eingerichtet wie das von Mac und Harm, ein Ehebett mit einem Himmel, zwei Kleiderschränke, ein Schreibtisch. Aus dem angrenzenden Badezimmer drangen Würgegeräusche. Mac schloss die Zimmertür und setzte sich leicht auf das Bett. Nach einiger Zeit hörte sie, wie die Klospülung betätigt wurde, der Wasserhahn an- und wieder ausging, und kurz darauf betrat eine leichenblasse Kate das Zimmer und schwankte gefährlich. Mac sprang auf und hielt sie sanft an den Oberarmen fest.

„Alles in Ordnung?“ fragte sie besorgt. Kate griff sich kurz an die Stirn und schloss die Augen, dann sah sie Mac wieder an.

„Ja, geht schon.“ antwortete Kate erschöpft.

„Willst du dich hinlegen?“ erkundigte Mac sich.

„Nein, mir geht es wieder gut. Du kannst mich wieder loslassen, ich kipp schon nicht um.“ gab Kate zurück und ein leichtes Grinsen spielte um ihre Mundwinkel.

„Sicher?“ hakte Mac nach. Kate schoss ihr nur einen amüsierten Blick zu und Mac lies ihre Arme los.

„Hab ich euch so verunsichert?“ fragte Kate und setzte sich auf das Bett. Mac ließ sich neben ihr nieder.

„Ganz ehrlich gesagt, ja. Wieso bist du gegangen? Obwohl, ich kann es mir denken.“ fügte Mac hinzu, als sie sich an die Szene gerade erinnerte.

„Womit du auch Recht hast. Das war alles etwas viel, dieser Geruch, die Wärme in dem Raum… Tut mir Leid, ich wollt euch nicht erschrecken.“ entschuldigte Kate sich etwas zerknirscht.

„Du kannst ja nichts dafür.“ beruhigte Mac sie, wobei ein Schatten über ihr Gesicht huschte und sie ihren Blick von Kate abwandte und aus dem Fenster sah. Kate griff sanft nach ihrer Hand.

„Hey, nicht aufgeben.“ sagte sie leise und drückte Macs Hand leicht.

„Leichter gesagt als getan.“ gab Mac zurück, sah aber weiter aus dem Fenster.

„Es ist Weihnachten, die Zeit der Wunder.“ erinnerte Kate sie. Mac kniff die Augen zusammen, konnte aber dennoch nicht verhindern, dass ihr eine Träne über die Wange lief. Kate nahm ihre Cousine sanft in den Arm.

„So hab ich das doch nicht gemeint, Mac.“ erklärte Kate leise und sanft. Mac vergrub ihr Gesicht kurz in ihrem Nacken, dann löste sie sich wieder und wischte sich die Träne weg.

„Ich weiß, aber du hast trotzdem Recht. Es wäre nämlich tatsächlich ein Wunder nötig.“ sagte Mac hart, aber auch enttäuscht.

„Diese Diskussion hatten wir schon mal, wenn ich mich recht erinnere.“ gab Kate zurück und zwang Mac sanft, ihr in die Augen zu sehen.

„Du und Harm, ihr bekommt euer Wunder. Ihr seid wundervolle Menschen, und großartige Eltern. Wenn es jemanden gibt, der es verdient hätte, dann ihr beide.“ sagte Kate überzeugt. „Und jetzt Schluss mit diesem Thema, sonst fang ich auch noch an zu heulen.“ fügte sie hinzu, was bei Mac ein leichtes Lächeln hervor rief.

„Schon viel besser.“ lächelte Kate.

„Bereust du eigentlich etwas in deinem Leben? Ich meine so richtig.“ erkundigte Mac sich.

„Ja. Ich bereue es, solange gebraucht zu haben, bevor ich mit dir reden konnte. Aber sonst eigentlich nichts. Doch, ich bereue es, dass mein schlechtes Verhältnis zu Dana Matt und mich fast vollständig entzweit hat. Ob er es glaubt oder nicht, seine Meinung ist mir wichtig, und es tut weh, wenn er so mit mir spricht, als wäre ich nur eine flüchtige Bekannte.“ gestand Kate. „Was ist mir dir?“

„Ich hab mich nie richtig mit meinem Vater ausgesprochen. Und ich habe meinen Ehemann erschossen, nicht zu vergessen meine Affäre mit John. Aber am meisten bereue ich, so lange gebraucht zu haben, um endlich mit Harm zusammen zu sein.“ antwortete Mac.

„John? Wer ist John?“ fragte Kate und dachte angestrengt nach.

„Hab ich endlich was gefunden, von dem du nichts weißt?!“ fragte Mac lachend.

„John… warte mal, doch nicht der John? Colonel John Farrow? DU hattest was mit deinem CO?!“ rief Kate verblüfft.

„Ich hätte es wohl doch nicht sagen sollen.“ rollte Mac verzweifelt mit den Augen, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen.

„Nein, ich bin nur…geschockt. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass du was mit einem Vorgesetzten anfängst. Schon gar nicht mit diesem…etwas reiferem Exemplar der männlichen Gattung.“ sagte Kate und schüttelte ungläubig den Kopf.

„John. Und ich dachte, er sei ein Langweiler. Aber er scheint ja ganz nette Qualitäten zu haben.“ sagte Kate und prustete plötzlich los.

„Was? Was ist?“ wollte Mac wissen.

„Tut mir Leid, ich hab mir das nur gerade bildlich vorgestellt.“ lachte Kate.

„Hey, was ist daran so lustig?“

„Nichts, aber wenn ich mir überlege, das du in seiner Anwesenheit immer Haltung annehmen musstest…“ sagte Kate und lachte erneut los.

„Du bist kindisch. So war das überhaupt nicht.“ verteidigte Mac sich, musste aber selbst anfangen zu lachen.

„Oh bitte, erspar mir die Details.“ lachte Kate.

„Herein.“ rief sie, als es an der Tür klopfte.

„Hey, was veranstaltet ihr denn hier?“ fragte Mattie interessiert, als sie bemerkte, wie Mac grinste und Kate versuchte, sich zu beruhigen. Als Kate den Mund öffnete, fuhr Mac dazwischen.

„Untersteh dich!“ warnte sie ihre Cousine.

„Spielverderberin.“ schoss Kate zurück.

„Okay, habt ihr jetzt vollständig den Verstand verloren?“ erkundigte Mattie sich scherzhaft und lies sich ebenfalls auf das Bett fallen.

„Noch nicht ganz, aber viel fehlt nicht mehr.“ lachte Kate.

„Tut mir Leid, ich bin wieder ernst.“ fügte sie dann wieder normal hinzu, als sie Matties Gesicht sah.

„Den Trick musst du mir bei Gelegenheit zeigen. So schnell bekomme ich mich nicht wieder unter Kontrolle.“ schmunzelte Mattie.

„Apropos zeigen, ich wollte dir doch was zeigen.“ fiel Kate dann der Grund ein, wieso Mattie in ihrem Zimmer aufgetaucht war. Sie stand schwungvoll auf und bereute es sofort wieder, als alles um sie herum sich plötzlich drehte und sie sich wieder auf das Bett sinken lies.

„Alles in Ordnung?“ fragte Mac etwas besorgt.

„Ja. Geht wieder.“ sagte Kate und stand, diesmal sehr viel langsamer, wieder auf.

„Kommst du?“ wandte sie sich an Mattie. Die und Mac tauschten einen fragenden Blick aus und folgten Kate. Die führte sie ins Erdgeschoss und in einen anderen großen Saal, in dessen hinterer Ecke eine enge Wendeltreppe war. Kate ließ Mattie den Vortritt, dann folgten sie und Mac. Sie gelangten in eine Art Seitenflügel der Burg, dessen Gang von zwei Türen geziert wurde. Kate schloss die eine Tür auf und lies Mac und Mattie eintreten, dann schloss sie die Tür hinter sich.

„Was ist das?“ fragte Mattie, als sie sich in dem Raum umsah. Er stand voller Spiegel und Schränke, alle Spiegel bis auf einer waren eingestaubt, und zwei der Schränke hatten Vorhängeschlösser.

„Früher war es eines der Zimmer für die Bediensteten, jetzt ist es ein Ankleidezimmer.“ erklärte Kate.

„Was ist in den Schränken?“ erkundigte Mac sich und deutete auf die mit den Vorhängeschlössern.

„Kann ich dir nicht sagen. Ich hab keine Ahnung, aber Dad hat einen der Schlüssel, also frag ihn. Die wollte ich euch auch nicht zeigen. Vielmehr das.“ sagte Kate und öffnete einen der Schränke. Er war mit etlichen Kleidern gefüllt, die Auswahl reichte von boden- bis knielang, mit oder ohne Ärmel und noch vielen anderen Abstufungen.

„Oh mein Gott.“ entfuhr es Mattie und sie strich bewundernd über eines der Kleider.

„Habt ihr die alle mal angehabt?“ fragte sie überwältigt.

„Ja. Aber das ist keine große Leistung, wenn du erst siehst, wie groß diese Familie ist und für jedes Weihnachten ein neues Kleid einrechnest.“ zuckte Kate mit den Schultern.

„Welches hast du angehabt?“ fragte Mattie neugierig.

„Mal sehen. Das ist von Rachel, aber das ist von mir.“ sagte Kate und nahm eines der Kleider heraus. Es war dunkelblau und bodenlang, allerdings ohne Ärmel, sondern wurde von zwei Trägern, die im Nacken verknotet wurden, gehalten.

„Wow.“ hauchte Mattie leise.

„Danke. Aber empfehlen würde ich dir das nicht, ich hab ziemlich gefroren in der Kirche.“ lachte Kate und hängte das Kleid wieder weg.

„Du meinst ich kann mir hier ein Kleid aussuchen?“ fragte Mattie erstaunt.

„Nein, ich hab dich aus Spaß hergebracht. Natürlich, wenn du eins findest, was dir gefällt und nach Möglichkeit auch passt. Kürzen kann ich es dir noch etwas, aber enger machen nicht.“ sagte Kate.

„Das ist…wow. Danke.“ freute Mattie sich und fiel Kate um den Hals.

„Dank mir, wenn du ein Kleid gefunden hast.“ lachte die.

„Bestimmt.“ sagte Mattie und wandte sich wieder den Kleiderschränken zu.

„Danke. Das hat sie gebraucht.“ flüsterte Mac Kate zu, als beide gemeinsam einen der Schränke durchsahen.

„Keine Ursache. Hier sind so viele schöne Sachen, ich kann gar nicht glauben, was man hier noch alles findet.“ erwiderte Kate und nahm kurz ein Kleid heraus, um es sich anzusehen. Mac hielt in ihrem Stöbern inne und beobachtete Kate leicht besorgt.

„Stimmt was nicht?“ fragte sie ihre Cousine sanft.

„Doch. Ich hab nicht gewusst, dass das noch hier ist.“ sagte Kate abwesend und strich sanft über den schwarzen Stoff.

„Es hat Natalie gehört, das hat sie an ihrem letzten Weihnachtsfest getragen. Ich dachte, Jake hätte es zusammen mit ihren anderen Kleidern verbrannt oder weggegeben.“ kam sie dann wieder aus ihrer Erinnerung zurück.

„Er hat ihre Kleider verbrannt?“

„Er hat es nicht ertragen, den Schrank zu öffnen und ihre Sachen zu sehen. Die meisten hat er weggegeben, aber die, an denen persönliche Erinnerungen hingen, hat er verbrannt. Vielleicht hat Galina es auch gerettet, sie hat das Kleid geliebt.“ sagte Kate und hängte es wieder weg. Dann lachte sie und nahm ein anderes Kleid raus. Es war ein Mädchenkleid, mit einem rosafarbnen Blumenmuster.

„Das hat Cara mal angehabt. Da war sie fünf oder sechs, und ich kann mich noch an das Geschrei erinnern, was sie gemacht hat, als sie es anziehen sollte. Matt ist fast verzweifelt, und Dana auch.“ lachte Kate und hängte das Kleid weg.

„Was denkt ihr?“ fragte Mattie plötzlich. Kate und Mac fuhren herum. Mattie hatte sich eines der Kleider angezogen, es hatte ein leichtes Blau und Schlagärmel und einen runden Ausschnitt. Es passte wie angegossen, ging bis zum Boden und hatte einen Schlitz an der linken Seite, der bis zu Matties Knie reichte. Sie sah umwerfend aus.

„Das sieht toll aus.“ sagte Mac bewundernd.

„Kate?“ fragte Mattie unsicher.

„Wow. Mac hat Recht, es steht dir perfekt. Und das passt dir wirklich?“ fragte Kate überrascht.

„Ja, wieso?“ fragte Mattie verwirrt.

„Das war eine Maßanfertigung für Galina. Und obwohl sie und ich in etwa die gleichen Maße hatten hat es mir nicht gepasst. Aber an dir sieht es umwerfend aus.“ sagte Kate anerkennend.

„Wenn das ein Problem ist-“ begann Mattie, aber Kate unterbrach sie sofort.

„Ist es nicht, ganz und gar nicht. Galina wird sich freuen, und das ist mein Ernst. Zieh dich wieder um, ich schau mal, ob ich die Schuhe dazu finde und ob dir die auch passen.“ sagte Kate freundlich und ging in die Knie, um am Schrankboden die Schuhkartons durchzusehen.

„Mattie, an dem Kleid müsste ein Schild mit einer Nummer sein. Kannst du mir die bitte sagen?“ bat Kate sie.

„1999GalOH.“ las Mattie vor.

„Okay, dann ist das der falsche Schrank.“ seufzte Kate und stand wieder auf.

„Wieso?“

„GalOH ist das Kürzel für Galina O’Hara, und 1999 ist das Jahr, aus dem das Kleid stammt. Und die Nummern gehen hier nur bis 1996.“ sagte Kate und ging zu einem anderen Schrank.

„Wer sagt’s denn. Tada.“ verkündete sie kurze Zeit später und gab Mattie, die wieder zu ihren gekommen war, einen Schuhkarton. Mattie nahm einen der Schuhe heraus und probierte ihn an.

„Zu groß.“ sagte sie etwas enttäuscht.

„Was ist das für eine Größe?“ fragte Kate.

„40. Ich brauch 38 oder 39.“ sagte Mattie und gab Kate den Karton wieder.

„Okay, das Kleid ist hellblau, also würde ich ja Perlmutt als Farbe vorschlagen.“ bot Kate an.

„Wenn du die in meiner Größe hast.“ gab Mattie zurück.

„Das kann ich dir versprechen.“ lächelte Kate und holte einen anderen Karton hervor.

„Die passen.“ verkündete Mattie.

„Von wem sind die?“ erkundigte Mac sich und suchte auf dem Karton nach einer Aufschrift.

„Ursprünglich Dana. Aber die hat noch niemand angehabt, sie hatte sich dann doch Schuhe von jemand anderem geliehen. Deshalb fehlt der Name.“ erklärte Kate und schloss den Schrank.

„Brauchst du sonst noch was?“ erkundigte sie sich bei Mattie.

„Nein, eigentlich nicht.“ sagte die etwas zögerlich.

„Aber?“ hakte Kate sanft nach.

„Kann ich noch etwas hier bleiben? Ich bring auch nichts durcheinander, versprochen.“ bat Mattie.

„Klar. Zum Essen holt dich dann jemand. Und pass bitte auf, das möglichst alles wieder in dem Karton und Schrank ist, aus dem ursprünglich kommt.“ bat Kate sie, dann lies sie zusammen mit Mac Mattie allein.

„Das stört dich nicht? Das sind zum Teil ja deine privaten Sachen.“ fragte Mac etwas erstaunt.

„Wenn ich nicht will, dass jemand in meinen Kleidern wühlt oder sie anzieht, nehme ich sie anschließend mit nach Hause. Aber die, die oben hängen, hängen da, damit man sie auch noch mal anzieht. Wobei ich sagen muss, ein paar von den Kleidern hätte ich persönlich schon lange weg gehangen.“ gab Kate am Ende doch zu.

„Das von Natalie?“ erkundigte Mac sich vorsichtig. Kate und sie hatten mittlerweile den Treppenaufgang zu den Zimmern erreicht, und Kate lies sich auf die Stufen sinken.

„Du kennst mich mittlerweile ziemlich gut.“ sagte Kate abwesend.

„Sie hat dir ja einiges bedeutet.“

„Sehr viel. Sie hat in meinem Leben die Rolle eines Vorbildes eingenommen, und manchmal auch die meiner Mutter. Ich war keine sechs Jahre alt, als Galina geboren wurde, und Natalie war mir damals schon wichtig. Galina und ich sind mehr wie Schwestern aufgewachsen, und ich hab mich ihr gegenüber nie älter oder überlegen gefühlt. Weshalb mich Natalies Tod auch derartig aus der Bahn geschmissen hat. Sie hat mir immer zugehört und war nie voreingenommen. Ich… Galinas Trauer und Wut hab ich gut verstehen können.“ sagte Kate leise und unterdrückte mit Mühe einige Tränen.

„Ihr redet selten über sie oder Rachel.“

„Weil es weh tut. Jeder von uns hat einen anderen Weg, mit diesem Schmerz umzugehen, aber wenn du uns an einen Tisch setzt und dann Natalie oder Rachel als Thema anschneidest, dann wirst du sogar Matt weinen sehen, und Pace genauso. Er hat Natalie noch mehr als Mutter betrachtet und sich nie verziehen, dass Rachel tot ist. Ich glaube, mit dem Tod von Mum haben wir ein Verhaltensmuster gestrickt, laut welchem solche Verluste totgeschwiegen werden. Du könntest uns in eine Gruppentherapie stecken, und der Therapeut würde an uns allen ein Vermögen verdienen.“ erklärte sie mit einem leichten Lächeln.

„Vielleicht. Aber Pace hat zum Beispiel kurz über sie gesprochen, und du ja auch.“

„Aber ich könnte es nicht, wenn ich Pace in die Augen sehen würde. Oder Jake wenn es um Natalie geht.“

„Du bist fast immer die erste, die den Raum verlässt. Egal, ob es ein Streit ist oder es um ein emotionales Thema geht.“ stellte Mac fest.

„Meine Selbstbeherrschung ist zurzeit etwas gering, wenn es um Tränenausbrüche geht. Und ich streite mich nicht gern.“

„Noch nicht einmal mit Dana. Du schuldest mir noch eine Erklärung, wieso dich diese kleine Auseinandersetzung so aufgewühlt hat.“

„Keine Ahnung würdest du mir sicher nicht abkaufen, oder?“ versuchte Kate, sich aus der Affäre zu ziehen. Mac schüttelte verneinend den Kopf.

„Angst, Matt zu verlieren. Sie hat einiges an Macht über ihn gehabt, und seit sie seine Freundin war, bin ich ständig mit ihm aneinander geraten, erst Recht, als sie seine Frau wurde und dann auch noch Cara und Tobey bekam. Dann hat sich auf einmal alles, was ich gegen sie sagte, auch gegen die beiden gerichtet, und Matt ist immer häufiger aus diesem Grund sauer auf mich geworden. Du hast es ja sicher gemerkt, wir reden entweder gar nicht oder brüllen uns an. Ich hab nur Matt zu Liebe so lange mit dieser Hexe ausgehalten, und mich dabei immer seltener auf Fairlea blicken lassen. Jedes Mal, wenn ich ihr über den Weg gelaufen bin hat sie mich auf irgendeine Weise provoziert. Und da ich meinem irischen Temperament nur schwer Herr werde, bin ich dummer Weise jedes Mal von neuem darauf angesprungen. Sie hat systematisch einen Keil zwischen Matt und mich getrieben, und damit ganz bewusst unseren Zusammenhalt als Fünfergespann geschwächt. Was vielleicht das Schlimmste ist. Jake hat nie so zwischen uns schlichten müssen als wir Kinder waren. Und so langsam wird es auch ihm zu viel. Ich will nicht, dass diese Familie zerbricht, Mac. Dein Verhältnis zu uns ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn Geschwister nicht mehr miteinander reden. Ich will nicht, dass es so weitergeht. Wenn es etwas gibt, was ich meiner Mutter nie nachahmen wollte, dann das. Vielleicht klammere ich mich ja deswegen so an Tobey und Cara. Ich weiß, wie sehr ich vor allem ihr auf den Senkel gehe, wenn ich sie mal sehe, aber ich kann es nicht ändern.“ sagte Kate.

„Wow, nachdenklich bist du ja gar nicht.“ entfuhr es Mac. Nie hätte sie ihre Cousine für so nachdenklich gehalten, und auch nicht für so tiefsinnig.

„Ich hatte viel Zeit, mein Verhalten in den letzten Jahren zu überdenken, als Matthew mich bat, ihn mit Vince zu vertreten. Und ich hab den Eindruck, dass du der erste Mensch seit Jahren bist, der ein Bild von mir hat, das meinem wahren Charakter sehr nahe kommt. Viele halten mich für schweigsam, in sich zurückgezogen und humorlos. Ich hab mich in den letzten Jahren häufig mit meiner Meinung zurückgehalten, einfach aus Angst, Streit zu provozieren.“

„Den Eindruck hatte ich ganz und gar nicht. Nein, du scheinst vielmehr das auszusprechen, was alle insgeheim denken, und deine Wut macht auch vor einem Admiral nicht halt. Und für humorlos halte ich dich erst recht nicht, im Gegenteil, du bringst mich mit deinen Bemerkungen zum Lachen.“

„Es tut gut mit dir zu lachen.“

„Hey, bequem da unten?“ erkundigte Pace sich, als er die Treppe nach unten kam.

„Wenn du auf eine Einladung wartest, bitte, mach es dir bequem.“ gab Kate schlagfertig zurück.

„Nein, ich glaube, ich verzichte. Ähm, Dad sucht dich.“ nuschelte Pace.

„Wenn du den Mund aufmachst, wenn du redest, hast du gute Chancen, das man dich versteht.“ grinste Kate amüsiert.

„Dad such dich.“ sagte Pace diesmal deutlich hörbar.

„Schön für ihn.“ zuckte Kate mit den Schultern.

„Hab ich wieder was verpasst?“ erkundigte Mac sich. Ihr kam es komisch vor, dass Kate nicht aufstand, um nach ihrem Vater zu sehen.

„Nein, eigentlich nicht. Ich geh ja auch schon.“ gab sich Kate geschlagen, stand auf und stieg die Treppe nach oben.

„Endlich.“ seufzte Pace und setzte sich neben Mac.

„Okay, ich brauch deinen Rat. Ich will Kate ein Paar Ohrringe schenken, kannst du sie dir heut Abend vielleicht kurz ansehen? Ich brauch die Meinung einer Frau, und Kath wollte ich nicht fragen, weil sie es sonst Fin erzählt hätte.“ bat Pace Mac etwas schüchtern.

„Gern. Kein Problem, sag mir nur wann und wo.“ gab die aufmunternd zurück.

„Gut, danke.“ sagte Pace und atmete erleichtert aus.

„Das ist dir wirklich wichtig, oder?“ fragte Mac etwas erstaunt. Pace hatte ihr zwar kurz gezeigt, dass er auch sehr einfühlsam sein konnte, aber sonst hatte sie ihn eher als Rebell der Familie wahrgenommen.

„Ich hab mich noch nicht richtig bei ihr bedankt. Letztes Jahr hatte ich zu viel mit mir selber zu tun, und dieses hab ich noch keine Gelegenheit gefunden.“ erwiderte Pace. Er schien die anderen, wie auch Kate es meist tat, am langen Arm zu halten, damit ihm niemand zu nahe kommen konnte und keine Gefahr bestand, dass er enttäuscht wurde. Mac fielen Ephrams Worte wieder ein, wie er Pace als sensibel beschrieben hatte und das er nur Sprüche reisen würde, um über seine Verletzlichkeit hinwegzuspielen.

„Wofür bedankt?“ erkundigte Mac sich, obwohl sie bereits wusste, das er ihr nicht antworten würde.

„Nicht so wichtig. Entschuldige mich, ich hab noch zu tun.“ erklärte Pace und lies Mac allein. Die seufzte und stand auf, um in ihr Zimmer zurückzukehren.

*~*~*

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