Nur Freunde (1)

Titel: Nur Freunde Part I
Disclaimers: JAG, die Rechte an der Serie, sowie die Charaktere gehören nicht mir. Sie sind Eigentum von Donald P. Bellisario, Paramount und CBS. Nur Lena Jannsen ist meiner Feder entsprungen.
Autorenbemerkungen: Diesmal eine Songfic der etwas anderen Art. Noch dazu mit deutschen Liedern, was für mich ja sowas wie ein Weltwunder ist. Ach ja, die Lieder sind ‘Lena’, ‘Fallen’ und ‘Freunde’ sowie ‘Herzbeben’, und alle stammen aus der Feder der Gruppe ‘PUR’. Ja ihr habt richtig gelesen. Mir ist leider kein besserer Titel eingefallen. Wenn ihr es lest, versteht ihr es sicher.

*~*~*

1008 EST
JAG HQ
Falls Church, VA

Etwas nervös betraten Harm und Mac das Büro des Admirals, in dem Glauben, dass gleich ein Donnerwetter über sie losbrechen würde. Sie hatten ihren letzten Fall verloren. Sie beide, die sie gemeinsam die Anklage vertreten hatte, hatten gegen Bud und einen Anfänger verloren. Und das, obwohl eigentlich am Anfang schon feststand, dass Harm und Mac eindeutig die besseren Karten hatten und den Fall mit Sicherheit gewinnen würden.

„Sir, Sie wollten uns sprechen?“ erkundigte Mac sich, als Harm die Tür hinter ihnen beiden schloss.

„Wollte ich das?“ fragte de Admiral grimmig. Er blickte nicht von dem Dokument vor sich auf.

„Sir, PO Coates meinte-“

„Mir ist klar, dass ich Sie beide sprechen wollte, Comander!“ fuhr der admiral Harm an, als der gerade zum reden angesetzt hatte. Harm schloss den Mund wieder. Dem Admiral entfuhr ein Seufzen, dann unterzeichnete er das Dokument und sah jetzt endlich Harm und Mac an.

„Colonel, ich habe eine riesige Bitte an Sie.“ begann der Admiral etwas zögerlich.

„Ich helfe Ihnen gern, Admiral.“ kam es sofort von der.

„Danke. Aber in dem Falle würden Sie nicht mir helfen.“ lachte der Admiral leise. Mac sah ihn verwirrt an.

„Einer unserer JAGs in Afghanistan hat, sagen wir mal, dringend Urlaub nötig. Sie hat einiges durchgemacht, und da sie dort schon fast neun Monate ist, habe ich ihre Versetzung in das HQ angeordnet. Heute früh teilte man mir dann freundlicher Weise mit, dass sie schon heute Abend hier eintrifft. Und jetzt habe ich keine Wohnung für sie.“ erklärte der Admiral.

„Oh.“ kam es erstaunt von Mac.

„Mac, Sie müssen das nicht tun. Bestimmt nicht. Ich bin sicher, ich finde noch jemand anderen. Aber um ehrlich zu sein, der Comander braucht dringend Anleitung, aber dennoch den nötigen Freiraum. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie den nur bei Ihnen bekommen wird.“

„Sir, ich habe kein Problem damit, wenn ein Kollege für kurze Zeit in meinem Gästezimmer schläft. Solange es den Comander nicht stört, sich die Wohnung mit einem Marine teilen zu müssen.“ bot Mac ihre Hilfe an.

„Danke Colonel. Ich würde sie ja aufnehmen, aber das verstößt ja gegen den UCMJ.“ atmete Aj erleichtert aus.

„Sir, darf ich fragen, was meine Rolle in dem Ganzen hier ist?“ meldete Harm sich etwas verlegen zu Wort.

„Sie dürfen Comander. an hat mir gesagt, sie seien mit dem Comander befreundet. Ziemlich eng sogar.“

„Sir, bei allem nötigen Respekt, aber ich kenne keinen weiblichen Navy Comander beim JAG, mit dem ich ‘eng befreundet’ bin. Überhaupt, der einzige weibliche JAG Comander, der mir einfällt, ist Comander Carolyn Imes.“ sagte HArm verwirrt und zog die stirn kraus.

„Erinnerungsschwierigkeiten?“ flüsterte Mac amüsiert und warf ihm einen belustigten Blick zu. Eigentlich war ihr gar nicht zum Scherzen. Sie würde einer wildfremden Person ihr Gästezimmer anbieten, mit der Harm, wenn es gut ging, einmal etwas gehabt hatte. Grandiose Aussichten.

Der Admiral sah auf den Ausdruck vor sich.

„Sie kennen wirklich keine Lena Jannsen?“ fragte er Harm nochmals. Beim Ertönen des Namens hatten sich Harms Gesichtszüge von verwirrt zu normal gewandelt, wenn nicht sogar zu erfreut.

„Doch, ich kenne Lena. Ich meine Comander Jannsen.“ gab er zu und unterdrückte ein Schmunzeln.

„Was ist so komisch?“ brummte der Admiral.

„Le- Als ich mit dem Comander das letzte Mal geredet habe, war sie noch Lieutenant-Comander. Sie hat mir nichts von ihrer Beförderung gesagt.“ schüttelte Harm den Kopf.

„Tun Sie mir einen Gefallen, Comander, reden Sie mit ihr. Sorgen Sie dafür, das sich der Comander hier gut eingliedert.“ bat ihn der Admiral.

„Gern Sir.“ versprach Harm mit einem Kopfnicken.

„Der Flug des Comanders kommt heute abend um 2200 am Luftwaffenstützpunkt Andrews an. Sie beide können wegtreten.“ forderte der Admiral seine Offiziere auf. beide nahmen haltung an und verließen den Raum.

„Soll ich euch fahren?“ bot Harm Mac an.

„Danke. Ich bezweifle, das ihr Gepäck in meine Corvette passt.“ nahm die dankbar an. Außerdem hatte sie wenig Lust, gleich von anfang an allein mit dieser Frau zu sein.

„Gut, dann bin ich gegen 2030 bei dir.“ erklärte Harm und verschwand ohne ein weiteres Wort in seinem Büro, wo er sofort zum Telefon griff und eine Nummer wählte. Mac sah ihm kurz nach, unterdrückte mit Mühe ein Seufzen und ging in ihr eigenes Büro.

*~*~*

2205 EST
Luftwaffenstützpunkt Andrews

Harm und Mac warteten geduldig auf die Ankunft von der Transportmaschine. Endlich war es soweit. Als sich die Rampe der maschine öffnete, traten mehrere Soldaten heraus. Zwei hielten auf Harm und Mac zu, einer war weiblich, der andere männlich. In einiger Etfernung blieben sie stehen und unterhielten sich kurz. Dann nahm der Mann Haltung an, und als die Frau etwas sagte, ging er davon. Sie setzte ihren Weg zu Harm und Mac fort, bis sie abrupt stehen blieb.

„Harm?“ fragte Coamnder Jannsen vorsichtig. Der hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht und trat einen Schritt nach vorn. Sofort lies Jannsen ihre Reisetasche fallen, rannte zu Harm und warf sich ihm in die Arme. Der zog sie fest an sich, hob sie leicht hoch und begann, sich ausgelassen um seine eigene Achse zu drehen. Jannsen lachte laut auf und genoss es anscheinend sehr, in seinen starken Armen zu sein. Als Harm sie endlich absetzte, hielt sie ihn noch kurz fest und hauchte ihm einen sanften Kuss auf die Wange. Dann löste sie sich von ihm.

„Du hast mir gefehlt. Was tust du eigentlich hier, ich dachte, Colonel Mackenzie würde mich abholen?!“ wunderte Jannsen sich laut.

„Danke sehr auch.“ lachte Harm. „Du hast mir auch gefehlt.“

„Spinner.“ stimme sie in sein lachen mit ein und verpaste ihm einen leichten klaps auf den Oberarm. „Im Ernst, ich hab dich wirklich vermisst.“ setzte sie dann leise hinzu.

„Ich dich auch. Mehr als du glaubst… Justice.“ erklärte Harm. Bei dem letzten Wort war sein Grinsen wieder ausgebrochen.

„Kannst du damit nicht ein Mal aufhören?!“ stöhnte der Comander. Mac hielt es nicht mehr länger aus und räusperte sich. Harm und Jannsen fuhren herum, vor allem Jannsen schien Mac gar nicht wargenommen zu haben.

„Lena, das ist Colonel Sarah MacKenzie.“ stellte Harm Mac vor. Die streckte die Hand aus, damit Jannsen sie ergreifen konnte, doch die starrte Mac nur unverwandt an. Mac wollte schon die Hand zuückziehen, da ergriff der Comander sie doch noch.

„Mac.“ erklärte dieselbige bestimmt.

„Lena.“ nickte Jannsen ihr zu. Ihre Hand fühlte sich erstaunlich kalt an, und Mac hatte das Gefühl, das Lena Angst hatte, richtig zuzudrücken. Sie fühlte sich auf beängstigende Weise an ihr erstes Treffen mit Harm im Rosengarten erinnert. Nur war sein Händedruck damals fest gewesen. Vielleicht etwas zu fest.

„Mein Auto steht da hinten.“ meldete Harm sich zu Wort, in dem Versuch, die Spannung etwas zu lockern. Lena nickte stumm und nahm ihre Tasche wieder auf.

Im Auto schaltete Harm das Licht an, und Mac konnte endlich einen genaueren Blick auf die Frau werfen. Sie hatte dunkelblondes Haar, was ursprünglich nach Vorschrift hochgesteckt wurden war, jetzt fielen ihr aber aufgrund des langen Fluges und der Aktion von Harm einige Strähnen sanft ins Gesicht, was ihr einen leicht verletztlichen Ausdruck verlieh. Sie war vielleicht zwei Zentimeter größer als Mac, und trotz ihrer schlanken Figur konnte man erkennen, dass diese Frau kräftig zulangen konnte. Ihre grünen Augen schienen immer nach denen von Harm zu suchen, Macs Blick jedoch wich sie konsequent aus. Sie musste ungefähr so alt sein wie Mac, vielleicht auch etwas jünger. Ihre Gesichtszüge waren fein, und ihre Haut ziemlich blass, was warscheinlich am Licht lag. Auf ihrer rechten Wange konnte Mac ganz deutlich eine Schramme erkennen, die langsam verheilte. Und erst dann fiel ihr auch die aufgesprungene Lippe des Comanders auf. Doch dies minderte Lenas natürliche Schönheit um nichts. Mac konnte fast verstehen, wieso Harm sich zu ihr hingezogen fühlte. Mac hatte erst überlegt, sich neben Lena auf die Rückbank zu setzen, sich dann aber doch dagegen entschieden.

„Sind Sie das erste Mal in Washington?“ erkundigte Mac sich, als Harm auf die Straße fuhr, um den Stützpunkt zu verlassen.

„Hm. Ich war vor drei Jahren mal in Paris, und der Flieger hatte in Washington Aufenthalt. Aber gesehen hab ich von der Stadt noch nichts.“ antwortete Lena und sah dann schweigend aus dem Fenster.

„Wir müssen unbedingt zusammen Essen gehen.“ meldete Harm sich zu Wort. Er schien die angespannte Stille nicht ertragen zu können. „Nicht weit von mir entfernt gibt es einen tollen Italiener.“

„Mediterane Küche, wie hat mir die gefehlt.“ kam es leise von Lena.

„Das dachte ich mir schon.“ nickte Harm nur.

„Nimm es mir nicht übel, aber heute will ich einfach nur noch schlafen. Am besten für den Rest der Woche.“ seufzte der Comander dann und unterstrich ihre Aussage mit einem herzhaften Gähnen.

„Wollen Sie nichts essen?“ fragte Mac etwas erstaunt.

„Kein Hunger. Und während des Fluges gab es was.“ zuckte die mit den Schultern.

„Was du sicher nicht gegessen hast, so wie ich dich kenne.“

„Doch, hab ich.“ schoss Lena zurück. „Schon komisch, oder? Da meint man, man würde jemanden kennen, und dann kommt es doch ganz anders. Kommt mir bekannt vor.“

„Lena…“ setzte Harm an.

„Bitte, schau auf die Straße. Ich will nicht reden, Harm. Ich bin todmüde, alles, was ich jetzt will, ist eine lange Dusche mit warmem Wasser und ein weiches Bett. Vergiss das weiche Bett, ich nehm auch eine Strohmatte, egal was, aber lass mich einfach nur schlafen.“ schüttele Lena den Kopf.

„Ich denke doch, dass mein Gästebett etwas bequemer ist als eine Strohmatte.“ meldete Mac sich aufmunternd zu Wort. Lena sah sie ausnahmsweise einmal an, und in ihren Augen blitzte kurz etwas auf. Keine Sekunde später war es wieder verschwunden.

„Danke sehr… Colonel.“ nickte Lena nur.

„Sie können ruhig Mac sagen.“ ermuntigte Mac sie. Der Admiral schien Recht zu haben, die Frau wirkte auf Mac ziemlich verstört.

„Ich würde für’s Erste gern bei Colonel oder Ma’am bleiben.“ bat der Comander Mac. Dann lehnte sie sich in ihrem Platz zurück und starrte wieder aus dem Fenster. Mac warf Harm einen fragenden Blick zu, doch der zuckte nur mit den Schultern.

*~*~*

0004 EST
Macs Wohnung
Georgetown, Washington D.C.

Mac lag in ihrem Bett und starrte an die Decke. Harm hatte sie und Lena abgesetzt, dann waren beide nach oben gegangen und Mac hatte ihr die Wohnung gezeigt und ihr einen Ersatzschlüssel gegeben. Kaum waren sie mit der kurzen Führung fertig, hatte Lena sich im Gästezimmer verkrochen. Kurz darauf war sie duschen gegangen, und dann wieder wortlos in ihrem Zimmer verschwunden. Mac war kurz darauf zu Bett gegangen. Aber schlafen konnte sie einfach nicht. Sie unterdrückte ein Stöhnen und schlug die Bettdecke zurück. Leise stand sie auf und öffnete die Tür. Vielleicht würde ein Glas Milch helfen. Als Mac von der Küche wieder in ihr Schlafzimmer gehen wollte, hätte sie schwören können, dass aus Lenas zimmer gedämpfte Stimmen drangen. Neugierig legte Mac das Ohr an die Tür. Nicht, das sie lauschen wollte, aber sie würde schon interessieren, was ihr Gast da drin veranstaltete. Im nächtsen Augenblick hätte sie sich dafür ohrfeigen können. Lena redete mit niemandem. Viel mehr schluchzte sie herzzereissend. Mac zog sich leise wieder in ihr Schlafzimmer zurück. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Sie lag noch drei Stunden wach, bis die Müdigkeit sie dann doch übermannte.

*~*~*

0607 EST
Macs Wohnung
Georgetown, Washington D.C.

Mac kam in Uniform aus dem Bad und klopfte sachte an Lenas Zimmertür. Sie hatte keine Ahnung, ob der Comander mit ihr frühstücken wollte oder nicht. Als sie keine Antwort bekam, ging sie davon aus, das Lena noch schlief und ging in die Küche, um sich ersteinmal eine Tasse Kaffee zu kochen. Mit der dampfenden Kaffeetasse in der Hand setzte sich Mac an den Esstisch, da fiel ihr ein Blatt Papier ins Auge. Sie stellte die Tasse ab und zog es zu sich heran.

Colonel MacKenzie,
ich wusste nicht, wann Sie früh aufstehen. Ich bin deshalb allein joggen gegangen.
Ich muss mich erst um 1400 bei JAG melden, danach werde ich mir ein bisschen Washington ansehen. Warten Sie bitte nicht mit dem Essen auf mich.
Comander Lena Jannsen

Als Mac das las widerstand sie gerade noch dem Drang, zum Telefon zu greifen und Harm für das Verhalten seiner Freundin anzuschreien. Was hatte sie dieser Frau eigentlich getan? Nichts, absolut gar nichts. Denn dafür hätten beide miteinander reden müssen, was sie ja nicht taten. Oh, es war zum Haareraufen. Wenn sie den Comander heute abend in die Finger bekam, die konnte was erleben. Und wie sie das konnte.

*~*~*

1438 EST
JAG HQ
Falls Church, VA

Mac hatte Harm von Lenas Verhalten erzählt. Doch anstatt wütend zu werden, hatte er anfangs nur mit den Schultern gezuckt. Nachdem er vergeblich versucht hatte, sie bei Mac anzurufen, begann er jedoch langsam, sich Sorgen um Lena zu machen. Doch die traf pünktlich um 1400 bei JAG ein und verschwand im Büro des Admirals. Eine Viertelstunde später sah Mac, wie Lena in Harms Büro ging, die Tür schloss und die Jalousie nach unten ließ. Sie wüsste nur zu gern, was beide da drinnen veranstalteten. Nach einer Viertelstunde hielt Mac es nicht mehr aus und suchte sich einen Vorwand in Harms Büro zu gehen. In einem Fax fand sie den und klopfte an Harms Bürotür. Ohne auf eine Antwort zu warten, öffnete sie die Tür. Sie wusste zwar nicht, was sie erwartet hatte, aber das sicher nicht. Harm saß an seinem Schreibtisch und notierte etwas in einer Akte. Das war es nicht, was Mac so traf. Viel mehr war es die Tatsache, dass Lena neben ihm stand und sich nach vorn gebeugt hatte. Sie schien auf etwas zu deuten, aber Harm hatte offensichtlich wenig Interesse an der Akte. Viel mehr schien ihr Gesicht seinen Blick magisch anzuziehen.

„Störe ich?“ erkundigte Mac sich. Harm und Lena sahen zur Tür, und Lenas leicht amüsierter Gesichtsausdruck fiel in sich zusammen. Sie richtete sich langsam auf und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Mac. Nein, du störst nie. Ich hab Lena nur gerade erklärt, worum es in unserem gemeinsamen Fall geht.“ antwortete Harm und versuchte ein Grinsen. Das blieb ihm jedoch im Halse stecken, als er Macs Blick sah.

„Apropos. Das hier ist gerade gekommen.“ erklärte Mac und reichte ihm das Fax. Harm las es und reichte es dann an Lena weiter, was Mac mit hochgezogenen Augenbrauen quitierte.

„Der Admiral hat mich dem Fall als Assistentin zugeteilt.“ sagte Lena, die anscheinend Macs Blick gesehen hatte, sich jetzt aber wieder in das Fax vertiefte.

„Damit sich der Comander an die Abläufie hier gewöhnt.“ nickte Harm eifrig.

„Na dann.“ kam es gepresst von Mac. Lena sah kurz zwischen ihr und Har hin und her, dann legte sie das Fax weg und verließ wortlos den Raum.

„Stimmt was nicht?“ wollte Harm verwirrt wissen.

„Entschuldige bitte, wenn ich nicht sonderlich scharf darauf bin, mit ihr an einem Fall zu arbeiten.“ schnaubte Mac.

„Liegt das an der Tatsache, dass sie bei dir wohnt, oder eher daran, wie ich sie begrüßt habe?“ wollte Harm mit versteinerter Miene wissen.

„Bild dir nicht zu viel ein, Harm. Ich denke nur nicht, dass es klug ist, permanent aufeinander zu hocken. Und wenn wir wegen dem Fall aneinander geraten, wird das Zusammenleben richtig lustig.“ schoss Mac zurück.

„Darum musst du dir keine Sorgen mehr machen. Sie hat eine Unterkunft gefunden.“ erwiderte Harm, und diesmal blitzte kurz Zorn in seinen Augen auf.

„So schnell?“ wunderte Mac sich.

„Lena ist ein sehr fröhlicher und weltoffener Mensch. Sie hat keine Angst, auf jemanden zuzugehen. Sie muss beim Joggen im Park jemanden kennen gelernt haben, bei dem sie wohnen kann.“ antwortete Harm.

„Sie wohnt lieber bei einem Wildfremden, als bei einem Offizier, der sie sicher nicht im Schlaf ersticht?“ kam es belustigt von Mac.

„Laura Hanson sucht eine Untermieterin, Colonel, und ich suche eine Wohnung, bevorzugt eine WG. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe“. kam es von Lena. Sie war unbemerkt von Mac hinter sie getreten.

„Ich muss los. Sehen wir uns heute Abend?“ wandte Lena sich an Harm.

„Klar. Hast du die Adresse?“ wollte der nur kurz wissen.

„Hab ich. Also bist nachher.“ lächelte Lena ihm zu und ging.

„Wohin geht sie?“ wollte Mac wissen.

„Ihre Sachen holen.“ kam es tonlos von Harm.

*~*~*

6 Wochen später
1709 EST
JAG HQ
Falls Church, VA

Lena hatte Mac mit ihren juristischen Fähigkeiten positiv überrascht. Sie erwies sich als gute Hilfe, und hatte ein Talent, Zeugen in die Mangel zu nehmen, das Mac fast schon unheimlich war. Wenn Lena einen Zeugen vor Gericht befragte und dessen Aussage zerpflückte, hatte Harm immer ein stolzes Grinsen aufgesetzt. Und je länger Lena und Harm zusammen arbeitete, desto vertrauter wurden beide miteinander. Zwischen ihnen herrschte ein ähnliches Band wie bei ihm und Mac, sie flirteten offen miteinander und lachten zusammen über Witze, die nur sie beiden verstanden. Wie zum Beispiel Lenas Spitzname Justice. Keiner außer ihr und Harm wusste, wie sie zu dem gekommen war, und beide hatten keine Lust, die anderen einzuweihen. Wenn Harm sie Justice nannte, dann blitze in Lenas Augen immer kurz etwas auf, was jedoch nie lange genug blieb, damit Mac es einordnen konnte. Lena wiederrum neckte Harm mit seinem früheren Rufzeichen Pappy, oder manchmal auch mit Harmon, was sie dann sehr langsam und provozierend aussprach.
Doch je näher Lena und Harm sich kamen, desto mehr schien er sich auch von Mac zu entfernen. Lena schien ihre anfängliche Abneingung gegen Mac überwunden zu haben, aber etwas sagte Mac, das beide nie große Freundinnen werden würden. Lena war zwar nur ein Jahr jünger als sie, aber zwischen ihnen lagen Welten. Der Comander war meist ausgeglichen und sprühte vor Tatendrang. Wie Harm gesagt hatte war sie weltoffen und hatte keine Schwierigkeiten, auf andere Leute zuzugehen. Sie und Harriet verstanden sich blendend, genauso wie Coates und Lena. Sogar Sturgis schien in Gegenwart der humorvollen Frau besser gelaunt. Doch jedes Mal, wenn sich Macs und Lenas Blicke trafen, gefror Lenas Lächeln und sie verließ mit einer Ausrede den Raum.
Gerade arbeiteten Lena und Harm als Verteidiger an einem Fall, bei dem Mac die Anklage vertrat. Und Lena und Harm hatten eindeutig die besseren Karten. Sie konnten sich ohne Worte verständigen, der eine schien immer die Schritte des anderen vorrauszusehen. Heute war die Urteilsverkündung.

„Die Geschworenen befinden den Seaman für nicht schuldig.“ verlas das ranghöchste Mitglied der Jury das Urteil. Der Seaman schüttelte dankbar Harm und Lenas Hände, dann rannte er zu seinen Eltern.

„Gute Arbeit.“ wandte Mac sich an die beiden ‘Gewinner’.

„Danke Ma- Mac.“ verbesserte Lena sich. Sie gab sich seit den letzten Tagen betont viel Mühe, die förmliche Anrede bei Mac wegzulassen, was ihr nicht ganz gelingen wollte.

„Ja, danke Mac.“ stimmte Harm seiner Freundin zu.

„Was denkst du, feiern bei McMurphy’s?“ schlug Mac vor.

„Was willst du denn feiern?“ fragte Harm mit einem amüsierten Grinsen.

„Ich lecke gern meine Wunden.“ zuckte Mac mit den Schultern.

„Also gut, wieso nicht? Harriet wollte uns heute sowieso alle dahinschleifen. Sie hat irgendetwas von Karaoke erzählt.“ willigte Harm ein.

„Comander?“ wandte Mac sich an Lena.

„Oh, ich äh, ich kann leider nicht. Tut mir Leid.“ lehnte die hastig ab.

„Komm schon. Bitte.“ bettelte Harm sie mit seinem unschuldigsten Gesichtsausdruck. Lena sah ihn gequält an.

„Ach komm. Das wird bestimmt lustig. Tanzen, Singen, ich, was brauchst du mehr?“ machte Harm weiter und versetzte ihr einen sanften Stoß in die Seite. Lena sah ihn zweifelnd an.

„Na schön. Ich komm mit.“ willigte sie dann mit einem Seufzen ein.

„Ha, ich wusste es!“ rief Harm erfreut aus.

„Bild dir bloß nichts darauf ein!“ lachte Lena los, und beide versanken wieder in ihrer eigenen Welt aus Witzen und Sprüchen, die den anderen wohl immer ein Rätsel bleiben würden. Mac unterdrückte ein Seufzen und zog sich in ihr Büro zurück. Der Abend konnte ja lustig werden.

*~*~*

Hier geht’s zum zweiten Teil


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