Nur Freunde (3)
Mittwoch
1025 EST
JAG HQ
Falls Church, VAAls Harm von seiner Arbeit aufsah, bemerkte er erstaunt, das Mac und Lena sich angeregt in Macs Büro unterhielten. Das war jetzt schon der dritte Tag in Folge, in dem die beiden die Köpfe zusammensteckten. Harm wusste nicht ganz, was er davon halten sollte. Auf der einen Seite schien es Lena bedeutend besser zu gehen, ihre Augenringe waren verschwunden und sie war in Macs Nähe längst nicht mehr so angespannt wie sonst. Aber auf der anderen Seite gab es kaum zwei Menschen, die Harm besser kannten als diese beiden Frauen, und das war eine ziemlich gefährliche Mischung. Die Geheimnisse, die die eine nicht kannte, wusste unter Garantie die andere.
Außerdem hatte er noch keine richtige Gelegenheit gehabt, um mit Mac über den Vorfall in seiner Wohnung reden zu können. Gut, so wie es aussah, hatte Lena das schon getan, aber Harm wäre es lieber gewesen, es selbst klarzustellen. Er hätte Lena nie allein dieser Situation überlassen. Aber vielleicht freundeten die beiden sich ja miteinander an? Das wäre zwar wünschenswert, aber was würde es mit Lenas Seele anrichten, wenn beide sich am Ende wieder zerstritten? Sie hatte so viel durchgemacht, und so lange gebraucht, um sich mit Dianes Tod abzufinden, und sich am Ende auch damit auseinandersetzen zu können, er wollte nicht, das all der Schmerz wieder aufgewühlt wurde. Dafür bedeutete ihm Lena zu viel. Sie war praktisch seine kleine Schwester, er wollte sie nur beschützen.
Harm entfuhr ein Seufzen und er ging in die Teeküche, um sich einen Kaffee zu holen. Lange war er dort nicht allein, keine Minute später gesellte Lena sich zu ihm.
“Na du.” schenkte sie ihm ein munteres Lächeln und ließ sich von ihm eine Tasse geben.
“Gleichfalls. Sag mal, was hecken du und Mac da eigentlich die ganze Zeit aus?” erkundigte Harm sich betont desinteressiert. Aber wieso versuchte er das eigentlich? Sein Gegenüber kannte ihn schon ewig und konnte ihn lesen wie ein offenes Buch.
“Neugierig?” stichelte Lena amüsiert und nippte an ihrem Kaffee. Kurz darauf verzog sie das Gesicht.
“Nein, nur interssiert. Schmeckt’s nicht?” grinste Harm.
“Das ist ja grauenvoll. Wieso kippt derjenige nicht gleich das Wasser in die Kafeedose?” hustete Lena. “Wer hat das denn gemacht?”
“Mac.” grinste Harm und sah zu, wie Lena sich ordentlich Zucker in ihre Tasse kippte.
“Du machst Witze.” schaute die ihn geschockt an.
“Nein. Das ist die gute, alte Marine Corps-Kaffestärke.”
“Jetzt weiß ich wenigstens, warum die zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzbereit sind.” stöhnte Lena.
“Tee gefällig?” bot ihr Harm die Wasserkanne an.
“Nein danke. Ich hab nicht richtig geschlafen, und im Gerichtssaal wollte ich nicht unbedingt einschlafen.” lehnte die ab und hätte sich am liebsten eine Ohrfeige verpasst. Jetzt würde sie den ganzen Tag keine ruhige Minute mehr haben. Harm sprang auch sofort darauf an.
“Ist alles in Ordnung?” fragte er besorgt.
“Ja Harm. Ich bin kein kleines Kind mehr, ich kann auf mich selbst aufpassen.” erinnerte Lena ihn sanft, aber dennoch bestimmt.
“Ich mach mir nur Sorgen um dich.” verteidigte Harm sich sofort.
“Das ist ja auch nett. Und ich bin dir dafür dankbar, aber ich bin eine erwachsene Frau, Harm. Ich komme allein klar.” erklärte Lena hitzig und knallte ihre Kaffeetasse neben Harm auf die Abstellfläche. Ihre Uniformjacke rutschte ein Stück höher und gab den Blick auf eine Narbe am Handgelenk frei. Als Harm die sah, verfinsterte sich sein Gesichtsausdruck. Lena zog ihren Arm zurück und zog den Ärmel nach unten.
“Harm, ich weiß, du meinst es gut. Aber nur weil ich vor sieben Jahren einen Fehler gemacht habe, musst du nicht 24 Stunden am Tag das ganze Jahr über meinen Beschützer spielen. Das Leben geht weiter. Mir geht es gut, wirklich.” erklärte Lena sanft und strich ihm beruhigend über die Wange.
“Wenn es dir schlecht geht, dann sagst du es mir, versprochen?” bat Harm sie leise.
“Versprochen. Du wirst mich so schnell nicht los, Pappy.” antwortete Lena und schenkte ihm ein entspanntes Lächeln.
“Ich meine es ernst. Ich will dich nicht verlieren.” erklärte Harm und griff sanft nach ihrer Hand.
“Das wirst du nicht. Egal was du auch tust oder wie du dich entscheidest.” kam es geheimnisvoll von Lena. Sie zog langsam ihre Hand zurück und verließ die Teeküche. Harm trank seinen Kafee aus, und als er wieder zu seinem Büro ging, rannte er mit Keeter zusammen.
“Keeter, Mensch. Was machst du denn hier?” wollte Harm wissen und umarmte seinen Freund.
“Ich hab ein nettes Schreiben von Justice bekommen. Sie wollte mich sehen und hat mich nach Washington eingeladen.” zuckte Keeter mit den Schultern.
“Pass bloß auf Keet.” drohte Lena ihm mit tadelnd erhobenem Zeigefinger, als sie und Mac zu den beiden stießen. Das Glitzern in ihrem Augen verriet sie jedoch.
“Keet?” fragte Harm mit erhobenen Augenbrauen.
“Ja Harmon.” lachte Lena und ließ sich von Keeter umarmen. Dann begrüßte der kurz Mac.
“Womit hab ich jetzt das verdient gehabt?” wollte Harm gespielt gekränkt wissen.
“Ach komm, nimm’s nicht so schwer, Pappy.” neckte Keeter ihn. Lena kicherte unterdrückt.
“Zusammen seid ihr zwei ja noch schlimmer.” stöhnte Harm auf.
“Ich fürchte, da hat er Recht, Justice.” nickte Keeter amüsiert.
“Könnt ihr nicht einmal aufhören, mich bei diesem bescheuerten Namen zu rufen?!” warf Lena die Arme in die Luft.
“Dir scheint Pappy ja auch ein angemessener Name für mich zu sein.” zuckte Harm mit seinen Schultern, woraufhin Keeter lachte. Mac bekam so langsam eine Idee, wie es mit den dreien und Diane auf der Akademie gewesen war.
“Darf ich den Herren daran erinnern, dass er sich diesen Namen selbst ausgesucht hat?” fragte Lena provozierend.
“Ach kommt schon ihr beiden, reicht euch die Hände, dann ist alles wieder gut.” versuchte Keeter zu schlichten. Nicht, das Harm und Lena sich wirklich stritten. Aber er kannte die beiden gut genug, um zu wissen, ab welchen Grad das Gespräch zu viel Potenzial hatte umzuschlagen und verletzend zu werden. Auch wenn keiner dem anderen mit Absicht weh getan hätte.
“Ich reich dir gleich mal was.” kam es von Lena. Ja, Keeter hatte genau im richtigen Zeitpunkt eingegriffen.
“Oh, was denn?” fragte Keeter sie mit hochgezogenen Augenbrauen und einem sehr zweideutigen Grinsen. Dafür bekam er einen Stoß in die Rippen von seiner jüngeren Freundin.
“Hey, kein Grund körperlich zu werden.” lachte Keeter nur. Damit hatte er genu das erreicht, was er wollte. Lenas Laune hatte wieder einen Auftrieb bekommen, und sie lies Harm in Ruhe. Der nutzte die Gelegenheit und zog Mac mit sich in sein Büro und schloss die Tür.
“Mac, wegen Sonntag…” begann Harm zögerlich. Wie sollte er ihr Lenas Verhalten erklären?
“Ist schon gut. Ich hab mit Lena gesprochen. Sie hat mir alles erzählt.” unterbrach Mac ihn sanft. Harm hob die Augenbrauen. Das erstaunte ihn doch etwas.
“Hat sie das?” fragte er argwöhnisch.
“Vielleicht nicht alles, aber genug, damit ich es verstehe.” nickte Mac. “Das scheint dich ja ziemlich zu überraschen.”
“Lena ist sehr vorsichtig, wenn es um Diane geht. Lenas wenige Freunde wissen nur, das Keeter und ich Freunde von der Akademie sind. Fast keiner weiß, das zu uns noch eine Frau gehört hat, und Lena hat auch keinerlei Absicht, es ihnen zu sagen. Es fällt ihr unheimlich schwer, über Diane zu reden. Für gewöhnlich blockt sie das Thema ab und macht ganz zu, wenn man sie drängt. Sie redet auch mit Sturgis nicht darüber, und Keeter hat auch schon häufiger gespürt, das Lena sehr stur sein kann. Wenn sie es sich erst einmal in den Kopf gesetzt hat, nicht zu reden, dann bekommt man sie auch nicht dazu.” erklärte Harm und sah durch die Scheibe der geschlossenen Tür in das Bullpen, wo Keeter und Lena sich unterhielten.
“Wie seit ihr eigentlich auf ihren Spitznamen gekommen?” wechselte Mac leicht das Thema. Sie hatte es gerade geschafft den Beginn einer Freundschaft mit Lena aufzubauen und hatte keinerlei Absicht, hinter ihrem Rücken über sie zu reden. Zumindest nicht über dieses Thema.
“Lena ist ein sehr gerechtigkeitsorientierter Mensch. Als junge Anwältin hat sie immer versucht, die Gerechtigkeit siegen zu lassen, ob es nun im Interesse ihrer Mandanten war oder nicht. Sie hat sich einige Male die Finger verbrannt, aber das war ihr anscheinend egal. Sie war ein richtiger Bluthund, ich möchte nicht in der Haut der Verdächtigen stecken, die sie damals verhört hat. Mit den Jahren ist sie ruhiger und besonnener geworden, aber wenn sie richtig sauer ist, dann sollte man sich in Acht nehmen. Du hast es gesehen, sie nimmt die Zeugen auseinander, es ist ein wahres Wunder. Deshalb dieser Spitzname.” erklärte Harm ihr.
“Wieso kann sie ihn eigentlich nicht leiden? Ich meine, mich würde er nicht sonderlich stören. außerdem benutzen ja nur du und Keeter ihn.” wunderte Mac sich. Als sie Harms Gesichtsausdruck sah, war ihr alles klar. “Diane.” flüsterte Mac. Geleichzeitig fragte sie sich, ob es ihr jemals gelingen würde, gegen das Vermächtnis dieser Frau zu bestehen.
“Diane hat es mehr als Kosenamen benutzt. Und das ist nicht der Grund. Lena hat vor drei, fast vier Jahren einen recht konsequenten Schlussstrich unter ihr Vergangenheit gezogen. Sie ist aus Boston weggezogen, wo sie und Diane früher zusammen gewohnt haben, hat fast jeglichen Kontakt zu ihren Freunden abgebrochen und hat sich auf einen Träger versetzen lassen. Der Grund war die Trennung von ihrem damaligen Freund, der sie ziemlich übel hintergangen hatte. Sie wollte neu anfangen, und das hat sie. Es hat ihr gut getan, sie hat ihre innere Ruhe wiedergefunden, endlich. Keeter, ich, Sturgis und noch eine andere Freundin sind die einzigen, mit denen Lena weiterhin Kontakt gehalten hat. Justice ist ein Name aus einer Zeit, die Lena Stück für Stück hinter sich gelassen hat. Sie hat viele Prüfungen bestehen müssen, um heute an dem Punkt zu stehen, an dem sie jetzt ist. Diesen Spitznamen aus dem Mund eines anderen zu hören, das muss komisch für sie sein. Denn es ist der Name einer Person, die sie schon lange nicht mehr ist. Sie hat sich sehr verändert. Wenn ich an unser erstes Treffen zurückdenke, dann erkenne ich Lena nicht wieder. Sie war damals ruhig, fast schüchtern, und ihre Augen haben immer gefunkelt. Jetzt ist sie nicht mehr so schüchtern, aber sie hat viel von dem Funkeln in ihren Augen eingebüßt. Ihre Weltoffenheit hat sie sich bewahrt, und ihren Humor. Der hat in den letzten paar Monaten zwar einen recht schwarzen Drall bekommen, aber sie kann immer noch über dieselben Dinge lachen wie früher. Und glaub mir, ihr entspanntes Lachen ist das schönste Geräusch von allen.” erklärte Harm.
‘Nicht ganz, deines ist mindestens genauso schön.’ ging es ihm insgeheim durch den Kopf.
“Es muss schwer sein. Eine Freundin zu haben, die selbstmordgefährdet ist. Und dann auch noch nach Afghanistan geschickt wird.” stellte Mac in den Raum. Das würde auch ein wenig Harms Anspannung erklären, die ständige Sorge um einen Freund konnte einen ganz schön runterziehen.
“Ein Psychologe hat sie vor dreieinhalb Jahren als geheilt eingestuft. Und vor ihrem Einsatz da unten hat sie mehrere intensive Sitzungen gehabt.”
“Du glaubst dem Attest nicht.” stellte Mac fest.
“Sie kann nicht in der Navy bestehen, wenn sie als suizidgefährdet gilt. Dann wird man ihr nie die Chance geben, eine leitende Position einzunehmen.
Aber ja, ich denke, es ist verfrüht. Ich weiß, ich bin nicht objektiv. Aber Lena hat manchmal Stimmungsschwankungen, und sie hat immer ein Rezept für Antidepressiva. Afghanistan hat an ihren Nerven gezehrt, sie hat dort unten fast jede Woche einen Psychiater aufgesucht, aus eigenem Antrieb. Sie will leben, und das ist das schönste Geschenk, was sie sich selbst machen kann. Aber es genügen manchmal Kleinigkeiten, um sie aus der Bahn zu werfen.
Zum Beispiel ihre Versetzung hierher. Sie ist mit einem anderen Offizier aneinander geraten. Ich weiß, das ist für einen JAG nicht ungewöhnlich, manchmal prallen eben die Meinungen eines Juristen und eines Kompanieführers aufeinander. Aber der Mann hat ihr ganz unmissverständlich klar gemacht, was er von ihrer Meinung hält, und ihr wortwörtlich gesagt ‘Fahren Sie zur Hölle, damit ersparen Sie mir eine Menge Probleme’. Das allein hätte sie wieder abstürzen lassen können. Sie kann froh sein, das die Psychologin es gemerkt hat, und sie wieder nach Hause geschickt wurde.” schüttelte Harm den Kopf. Diesem Vorgesetzten würde er am liebsten eigenhändig den Hals umdrehen.
“Sie bedeutet dir wirklich viel.” stellte Mac fest. Es berührte sie, Harms Sorge um Lena zu sehen. Sie hätte nicht gedacht, das ein Mensch so an ihn herankommen würde, wie Lena es geschafft hatte.
“Es beruht auf Gegenseitigkeit.” gab Harm mit einem sanften Lächeln zurück. “Kann es sein, dass du etwas mit dem Auftauchen von Keeter zu tun hast?” wollte er dann neugierig von Mac wissen. Die setzte ihren unschuldigsten Gesichtsausdruck auf.
“Wie kommst du denn darauf?” fragte sie gespielt schockiert.
“Ich kenne Lena, und ich kenne dich. Sie wird Keeter sicher nicht aus eigenem Antrieb hergebeten haben.” erklärte Harm. Er verschränkte die Arme vor dem Oberkörper und starrte Mac intensiv an. Die erwiderte seinen Blick. Zumindest versuchte sie es eine Weile. Dann gab sie auf und sah zur Seite.
“Okay, ich hab es vorgeschlagen.” gab sie zu.
“Dachte ich es mir doch.” nickte Harm grinsend.
“Und woher, wenn ich fragen darf, wusstest du das nun wieder?” wollte Mac interessiert wissen.
“Lena ist in Keeter verschossen, schon seit die beiden sich kennen. Und er auch in sie. Die beiden hat es ziemlich erwischt.” klärte Harm sie auf.
“Das sie in ihn verliebt ist, das wusste ich. Aber ich hätte nicht gedacht, das Keeter es erwidert.” gab Mac überrascht zu.
“Ja, einer ist sturer als der andere.” stimmte Harm ihr zu.
“Da kenn ich noch ein anderes Paar.” murmelte Mac leise und sah zu Keeter und Lena. Die beiden lachten gerade über irgendetwas und Lena verpasste ihm einen leichten Schlag auf den Oberarm. Die beiden gaben ein sehr schönes Paar ab, wie sie da standen. Man konnte fast sehen, wie sehr sie ineinander verliebt waren. Fast hätte Mac ihnen in den Hintern getreten, dass keiner von beiden das selber sah. Aber sie selbst hatte ja auch die Augen vor Harms Gefühlen verschlossen. Und Lena hatte Recht, sogar Sturgis hatte sie darauf angesprochen, wenn er das schon sah, was musste dann erst die anderen denken?
“Was hast du gesagt?” riss Harms Stimme sie aus ihren Gedanken. Er schien ihren vorherigen Kommentar nicht verstanden zu haben.
“Nicht so wichtig. Bevor ich es vergesse, Harriet lädt wieder ins McMurphy’s. Wie Freitag, Singen und Tanzen. Kommst du?” erkundigte Mac sich hoffungsvoll bei ihm.
‘Bitte, komm mit. Bitte bitte bitte.’ flehte Mac ihn in Gedanken an.
“Klar. Gern sogar. Wir sollten Keeter auch einladen.” schlug Harm vor. Mac fiel ein Stein vom Herzen.
“Ich denke, dafür ist Lena zuständig.” zwinkerte sie ihm vielsagend zu, dann verließ Mac sein Büro und ließ ihn mit seinen Gedanken allein.
*~*~*
2019 EST
McMurphy’s Tavern
Washington D.C.
Harriet hatte auf Anregung von Lena und Mac für den Abend die Spielregeln etwas geändert. Verlangt wurden heute Duette. Es mussten nicht unbedingt Lieder sein, die von zwei Leuten im Original gesungen wurden, sondern es musste nur von zwei Leuten der JAG-Belegschaft umgesetzt werden.
Harm und Keeter, den Lena mitgebracht hatte, entschieden sich für ein gemeinsames Lied und betraten etwas zögerlich die Bühne.
“Okay, also, für Lena von mir.” erklärte Keeter.
“Von mir für Mac.” kam es anschließend von Harm. Die beiden Frauen warfen sich einen fragenden Blick zu und widmeten dann ihre Aufmerksamkeit voll und ganz den beiden Freunden auf der Bühne.
Es erklang eine rockige Melodie, und Harm und Keeter begannen zu singen.
(Keeter)
“Es ist schön, Dich zu kennen,
mit Dir zu reden oder auch Musik zu hören.
Sogar Schweigen ist nie peinlich zwischen uns.”
(beide)
“Und das ist gut so.”
(Harm)
“Heucheln und Lügen ist sinnlos,
weil wir uns gegenseitig fast wie Glas durchschauen.
Wir machen uns schon lange nichts mehr vor.”
(beide)
“Und das ist gut so.”
(Keeter)
“Du hast in meinem Arm geweint,
so manche Nacht mit mir durchträumt.”
(Harm)
“Die letzten Zweifel ausgeräumt.
Ich kenn Dich und Du mich.”
(beide)
“Du bist nicht hart im Nehmen,
Du bist beruhigend weich.
Dich nicht zu mögen, ist nicht leicht.
Du bist kein Einzelkämpfer,
Du bist so herrlich schwach.
Vertrau mir und benutz mich.
Wozu sind denn schließlich Freunde da?”
(Harm)
“Ich les in Deinen Gesten,
und freu mich, wenn Dein echtes Lachen klingt.
Die Brücke zwischen uns ist gnadenlos belastbar.”
(beide)
“Und das ist gut so.”
(Keeter)
“Wir kosten uns Nerven,
tauschen Ideen und manchmal auch das letzte Hemd.
Philosophieren und saufen, und werden uns nie mehr fremd.”
(beide)
“Und das ist gut so.”
(Harm)
“Wir haben uns versöhnt, verkracht,
so manchen derben Witz belacht.”
(Keeter)
“Uns gegenseitig Mut gemacht.
Ich brauch Dich und Du mich.”
(beide)
“Du bist nicht hart im Nehmen,
Du bist beruhigend weich.
Dich nicht zu mögen, ist nicht leicht.
Du bist kein Einzelkämpfer,
Du bist so herrlich schwach.
Vertrau mir und benutz mich.
wozu sind denn schließlich Freunde da?
Du bist nicht hart im Nehmen,
Du bist beruhigend weich.
Dich nicht zu mögen, ist nicht leicht.
Du bist kein Einzelkämpfer,
Du bist so herrlich schwach.
Vertrau mir und benutz mich.
Wozu sind denn schließlich Freunde da?”
Als das Lied zu Ende war, brannte in der ganzen Bar stürmischer Applaus los. Harm und Keeter kehrten zu ihren Plätzen neben Lena und Mac zurück, die vor Erstaunen kein Ton herausbrachten. Konnte es sein, das ihre Idee nach hinten losging?
“Colonel, Comander, Sie sind dran.” erinnerte Harriet die beiden. Lena und Mac sahen sich beunruhigt an. Sollten sie es wirklich wagen?
“Kalte Füße bekommen, Marine?” neckte Harm Mac. Keeter sah Lena amüsiert an. Das würden die beiden sicher nicht auf sich sitzen lassen. Und wenn es das letzte war, was sie tat, schwor Lena sich, Keeter würde sie diesen Triumph nicht gönnen. Sie nickte Mac zu, und beide betraten die Bühne.
“Für Keeter.” verkündete Lena und versuchte, ihr rasendes Herz wieder unter Kontrolle zu bekommen.
“Für Harm.” kam es von Mac. Sie fühlte sich hundeelend. Noch nie in ihrem Leben war sie so nervös gewesen wie jetzt gerade. Doch als die ersten Takte des Liedes erklangen, waren alle Sorgen aus ihrem Kopf wie weggeblasen. Sie würden das durchziehen, sie beide.
(Lena)
“Nach all dem Ab und Auf,
hätt ich langsam doch geglaubt,
daß ein bißchen Weisheit mich beschützt,
doch danach sieht´s nicht aus.”
(Mac)
“Du bringst mich durcheinander,
läßt mich los, hälst mich zurück.
Jede Logik macht sich aus dem Staub
für ein paar Tropfen Glück.”
(Lena)
“Laß mich meine Ängste
in Deinem Blick verliern.”
(beide)
“Laß uns zittern, wohlig schaudern und vibrieren.
Du bist
wie ein Herzbeben,
erschütterst bis ins Mark.
Bin irritiert, verlegen,
doch jetzt erst recht ganz stark.
Du bist
wie ein Herzbeben,
tief und mittendrin.
Ich will dich erleben
wenn das allerletzte Eis zerspringt.”
(Mac)
“Ich weiß doch sonst so genau,
was mich warum wozu führt.
Ja ich bin doch sonst so furchtbar schlau,
nur indirekt berührt.”
(Lena)
“Doch Du kommst hemmungslos,
so ganz nah an mich ran.
Fühl mich wehrlos,
Du ahnst, daß ich so nicht
von Dir lassen kann.”
(Mac)
“Treib mich in den Wahnsinn,
aber treib mich nicht zu weit.”
(beide)
“Oder bitte doch ein kleines Stück zu weit.
Du bist
wie ein Herzbeben,
erschütterst bis ins Mark.
Bin irritiert, verlegen,
doch jetzt erst recht ganz stark.
Du bist
wie ein Herzbeben,
tief und mittendrin.
Ich will dich erleben
wenn das allerletzte Eis zerspringt.”
(Zwischenspiel)
(beide)
“Wie ein Herzbeben,
erschütterst bis ins Mark.
Bin irritiert, verlegen,
doch jetzt erst recht ganz stark.
Du bist
wie ein Herzbeben, tief und mittendrin.
Ich will dich erleben
wenn das allerletzte Eis zerspringt.
Du bist
wie ein Herzbeben,
erschütterst bis ins Mark.
Bin irritiert, verlegen,
doch jetzt erst recht ganz stark.
Du bist
wie ein Herzbeben,
tief und mittendrin.
Ich will dich erleben
wenn das allerletzte Eis zerspringt.
Wie ein Herzbeben,
erschütterst bis ins Mark.
Du bist
wie ein Herzbeben,
tief und mittendrin.
Ich will dich erleben
wenn das allerletzte Eis wirklich zerspringt.”
Als das Lied geendet hatte, standen beide wie vom Donner gerührt da. Jetzt war der Augenblick der Wahrheit gekommen. Hatten sie damit vielleicht einen Schritt zu viel gewagt?
Von irgendwo erklang ein zögerliches Klatschen, dann fielen alle mit ein. Bis auf Harm und Keeter. Die beiden sahen Mac und Lena mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Schock an. Lena und Mac verließen die Bühne und Mac stellte sich zu Harm, während Lena Keeter sanft, aber dennoch bestimmt mit nach draußen zog. Der Rest der Belegschaft suchte sich eine neue Beschäftigung, damit Harm und Mac in Ruhe reden konnten. Was beide bitter nötig hatten. Aber anstatt nur einen Ton zu sagen, standen beide da und starrten auf den Boden. Nach einer halben Ewigkeit löste Harm seinen Blick vom Parkett und sah Mac zögerlich an. Die hatte anscheinend einen sehr interessanten Fleck auf dem Boden gefunden, der ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
“Schönes Lied.” war alles, was Harm zunächst einfiel. Mac hob den Blick, sah aber mehr an ihm vorbei.
“Ja. Lena hat bei der Auswahl geholfen.” nickte sie.
“Keeter war von den Socken. Sie hat ihn damit ziemlich kalt erwischt.” grinste Harm. Mac nickte nur. In ihrem Hals hatte sich ein riesiger Kloß gebildet, der sie am Sprechen hinderte. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, was nicht sonderlich besser wurde, als Harm sanft ihre Hand ergriff und sie in seine Augen blickte. Was ihr da entgegenschlug, nahm ihr den Atem. So viel Zärtlichkeit und Liebe, aber auch Angst.
“Ich…” begann Harm, brach aber ab und starrte auf ihre miteinander verflochtenen Hände. Er atmete tief durch und sah sie dann wieder an. Diesmal hatte sich Entschlossenheit in seinen Blick gemischt.
“Ich liebe dich.” verkündete er leise, sodass es nur Mac hören konnte.
“Ich liebe dich so sehr, das ich nicht mehr weiß, wie ich ohne dich leben soll. Aber ich hab auch Angst. Angst, dass wir es miteinander versuchen, und es nicht klappt, und ich dann meinen besten Freund verliere.” fuhr er zärtlich fort.
“Du wirst mich nicht verlieren, Harm. Dafür liebe ich dich viel zu sehr.” antwortete Mac mit Tränen in den Augen.
“Das sagst du jetzt. Wenn wir das hier durchziehen, dann bleibt es nicht bei einer kurzen Beziehung. Ich will dich heiraten, Kinder mit dir bekommen. Aber dann muss einer von uns JAG verlassen, und das wollen wir beide nicht.” hielt Harm dagegen.
“Harm, ich würde für diese Beziehung noch viel mehr aufgeben als JAG. Ich bin bereit mich versetzen zu lassen, wenn wir beide dadurch eine Chance bekommen.” versicherte Mac ihm. Sie hielt sich krampfhaft an seiner Hand fest, als würde sie ihr letzter alt sein. In gewisser Weise war sie das auch, Harm war schon immer der Mensch gewesen, dem sie am meisten vertrauen konnte, und der immer da war, auch wenn alle Stricke rissen.
“Das kann ich nicht von dir verlangen.” schüttelte Harm den Kopf.
“Das muss du nicht, ich tue es freiwillig. Ich liebe dich, verdammt nochmal. Und ich will mit dir zusammen sein. Kein Versteckspielen mehr, keine Ausreden. Wenn du nicht willst, dann sag es mir jetzt.” redete Mac eindringlich auf ihn ein. Anstatt ihr eine Antwort zu geben, zog Harm sie in seine Arme und küsste sie. Zuerst sanft und zärtlich, doch dann immer dringlicher und leidenschaftlicher. Was hatten sie beide sich nur in all den Jahren entgehen lassen? Atemlos lösten sie sich wieder voneinander, und Mac lehnte ihre Stirn an seine.
“Ich schätze du willst doch.” hauchte sie atemlos und sah in seine ozeanblauen Augen. Irgendwann würde sie noch in ihnen ertrinken. Aber das war nichts, worüber sie sich beschweren würde.
“Und wie. Ich liebe dich Sarah.” gab Harm liebevoll zurück und strich ihr sanft über die Wange.
“Ich liebe dich auch, Harm.” hauchte Mac, bevor sich ihre Lippen zu einem weiteren Kuss trafen.
*~*~*
zur gleichen Zeit
vor McMurphy’s Tavern
Washington D.C.
Keeter und Lena standen schweigend voreinander. Aber anders als sonst war es nicht die angenehme Stille, die sonst häufig zwischen ihnen beiden herrschte. Diesmal vibrierte die Luft vor Spannung. Keeter räusperte sich, als wollte er zu sprechen anfangen.
“Jaaaaah, also…” stotterte er verlegen zusammen, dann brach er ab und ließ den Satz in der Luft hängen. Lena hatte ihn gespannt angesehen, wandte jetzt aber ihre Aufmerksamkeit einer Unregelmäßigkeit in den Pflastersteinen zu. Keeter sah sie verlegen an. Sie war wunderschön. Wie ihr einige dünne Haarsträhnen leicht ins Gesicht fielen und sie sie nervös hinter die Ohren strich. Wie sie da mit verschränkten Armen vor ihm stand und auf das Pflaster starrte, während sie von einem Bein auf das andere trat. Langsam streckte er die Hand aus und hob sanft ihr Kinn nach oben, damit sie ihm in die Augen sah. Vorsichtig lehnte er sich ihr entgegen und berührte sanft ihre Lippen mit seinen, um ihr eine Chance zum Zurückzuweichen zu geben. Doch Lena tat nichts dergleichen. Im Gegenteil, sie erwiderte den Kuss, trat näher an ihn heran und ließ ihre Hände zu seinem Nacken wandern, um ihn näher an sich zu ziehen. Keeters Hände wanderten zu ihrer Taille, um sie an sich zu drücken und nie wieder gehen zu lassen. Der Kuss war zärtlich und voller Liebe und Versprechen. Beide trennten sich erst wieder, als ihr Bedürfniss nach Sauerstoff zu groß wurde, und sofort, als der stechende Schmerz in ihren Lungen verschwunden war, versanken sie wieder im nächsten Kuss, der genauso langsam und betörend war wie der erste. Lena war schließlich diejenige, die den Kuss sanft beendete und Keeter wieder in die Augen sah.
“Sag mir, dass das kein Traum ist.” bat sie ihn leise und fast ängstlich. Auf Keeters Gesicht bildete sich ein liebevolles Lächeln und er strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
“Es ist kein Traum. Das hier ist für die Ewigkeit. Ich liebe dich.” erklärte er ihr zärtlich. Lena entfuhr ein tiefes Seufzen und sie legte den Kopf an seine Schulter.
“Ich liebe dich auch. Und Ewigkeit hört sich wundervoll an.” hauchte sie und schloss glücklich die Augen, während Keeter ihr sanft den Rücken entlangstrich.
“Bist du müde?” fragte er sie leise und hauchte ihr einen Kuss auf den Scheitel.
“Nein, ich genieße nur den Augenblick.” erwiderte Lena und sah ihm wieder ins Gesicht, nur um ihn keine Sekunde später wieder zu küssen.
*~*~*
14 Monate später
1129 EST
Kirche des Friedens
Falls Church, VA
Harm stand nervös am Altar und trat von einem Fuß auf den anderen. Keeter stand neben ihm und sah ihn amüsiert an. Beide trugen ihre Dress Whites.
“Hey, komm runter. Sie hat es sich schon nicht anders überlegt.” raunte er seinem Freund zu.
“Du scheinst dir da ja ziemlich sicher zu sein.” gab Harm zurück. Seine Hände waren klitschnass, noch nie in seinem ganzen Leben war ihm so heiß und er so aufgeregt gewesen.
“Wir reden hier von Mac.” erinnerte Lena ihn mit einem beruhigenden Lächeln. Anders als Keeter und Harm trug sie keine Uniform, sondern ein bodenlanges, azurblaues Samtkleid, das von zwei sich im Rücken überkreuzenden Trägern gehalten wurde. Ihre langen Haare fielen ihr sanft über die Schultern.
Nach dem Abend bei McMurphy’s hatten sich die Ereignisse überschlagen. Mac hatte ihre sofortige Versetzung beantragt, nachdem sie und Harm dem Admiral alles geschildert hatten. Der hatte sie zu ihrer Überraschung nicht versetzt, sondern sie zur Richterin ernannt. Solange sie nicht in einem Fall verhandelte, in dem Harm eine der beiden Seiten als Anwalt vertrat, war alles in bester Ordnung und die beiden verstießen auch nicht gegen irgendwelche Bestimmungen. Sie hatten sich ein Haus in der Nähe von Washington gekauft und waren zusammengezogen. Lena und Keeter hatten es etwas schwerer gehabt. Keeter musste weiterhin Dienst auf See leisten, und Lena war ein Wrack gewesen, als er wieder auf die Patrick Henry zurückkehrte. Bis er eines Tages wieder in ihrem Büro stand, grinsend wie ein Honigkuchenpferd. Die Navy wollte in Falls Church eine Fliegerschule errichten, und Keeter hatte einen Posten als Lehrer bekommen. So konnten die beiden zusammen ziehen, und Lena konnte ihren Job in Falls Church behalten. Sie und Mac freundeten sich über die Monate immer mehr an, was sicherlich auch daran lag, das Lena endlich hatte Abschied von Diane nehmen können.
Lenas Gedanken wurden durch laute Orgelmusik unterbrochen und sie sah direkt in Keeters Gesicht, der seiner Verlobten ein liebevolles Lächeln schenkte. Dann wandten sich beide zum Mittelgang, wo AJ Mac langsam zum Altar führte und sie dann Harm übergab.
“Du bist wunderschön.” flüsterte er überwältigt. Macs Brautkleid sah an ihr auch wirklich umwerfend aus.
“Liebe Gemeinde, wir haben uns heute hier versammelt…” hob der Pfarrer an. Harm und Mac hatten während des ganzes Gottesdienstes nur Augen füreinander. Keeter und Lena, die während des Ringtausches Macs Brautstrauß hielt, lächelten sich glücklich zu. Beide hatten begeistert angenommen, als Harm und Mac sie gebeten hatten, als Trauzeugen zu fungieren.
“Kraft des mir von der Kirche verliehenen Amtes erkläre ich Sie beide zu Mann und Frau. Was Gott vereint hat, darf der Mensch nicht trennen. Sie dürfen die Braut jetzt küssen.” forderte der Pfarrer Harm auf. Der ließ sich das nicht zweimal sagen, und er und Mac versanken in ihrem ersten Kuss als Ehepaar. In der Kirche brannte stürmischer Applaus los. Als beide sich wieder trennten, waren Lena und Keeter die ersten, die ihnen gratulierten. Mac nahm von Lena den Brautstrauß wieder entgegen, und die tauschte mit Keeter einen kurzen, aber innigen Kuss. In nicht allzu langer Zeit würden sie beide an der Stelle von Harm und Mac stehen. Das Räuspern des Pfarrers brachte beide in die Realität zurück, und Keeters Mutter reichte Lena sanft deren Sohn. Der Junge sah seine Mutter mit großen Augen an, als die ihn über das Taufbecken hielt, damit der Pfarrer ihn taufen konnte. Harm und Mac hatten gerührt zugestimmt, die Taufpaten des Jungen zu werden.
“Hiermit taufe ich dich auf den Namen David Benoit Baltus Keeter.” erklärte der Pfarrer.
The End
David und Baltus sind Namen hebräischen Ursprungs, David bedeutet soviel wie Liebling oder Geliebter und Baltus bedeutet soviel wie ‘Gott schütze sein Leben’. Der Name Benoit stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ‘der Gesegnete’.
Über FB würde ich mich ganz doll freuen…

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